Ajatollah Chamenei drohtÖlpreis steigt und steigt
Die iranische Führung hat für den Fall eines US-Militärschlages gegen Nuklearanlagen des Landes mit einer Gefährdung der weltweiten Energieversorgung gedroht. Der US-Ölpreis stieg auf den höchsten Stand seit drei Wochen.
Die iranische Führung hat für den Fall eines amerikanischen Militärschlages gegen Nuklearanlagen des Landes mit einer Gefährdung der weltweiten Energieversorgung gedroht. Der US-Ölpreis stieg daraufhin am Montag auf den höchsten Stand seit drei Wochen.
Getrieben von Versorgungsängsten war der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli am Montag auf 73,50 US-Dollar gestiegen. Das waren 1,17 Dollar mehr als zu Handelsschluss am Freitag. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 1,35 Dollar auf 72,38 Dollar. Viele Marktteilnehmer hätten den Einsatz von Öl als Waffe durch den Iran für wahrscheinlich gehalten, sagte der Analyst Sam Tilley.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte unmittelbar nach der Drohung geäußert, der Drohung aus Teheran sollte nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden, da der Iran von seinen Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängig sei. Sie sieht in den Äußerungen des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei auch keine generelle Ablehnung des internationalen Angebots zur Beilegung des Atomstreites. Der EU-Beauftragte Javier Solana will diese Vorschläge am Dienstag dem iranischen Chefunterhändler Ali Laridschani in Teheran überbringen, sie jedoch nicht erörtern, meldete die iranische Nachrichtenagentur ISNA.
Chamenei hatte am Sonntag gesagt, die Energieversorgung aus der Region sei bei einem US-Militärschlag "ernsthaft gefährdet". "Sie (die USA) werden niemals in der Lage sein, die Energieversorgung aus dieser Region zu gewährleisten."
Rice wies im US-Fernsehen darauf hin, dass rund 80 Prozent des iranischen Haushaltes vom Erdöl abhingen. Damit entstünde für das Land ein sehr ernsthaftes Problem, wenn es die Öllieferungen einstelle. "Ich glaube, sie (die Iraner) nehmen das (internationale Angebot) sehr ernst", sagte sie. Die Antwort müsse jedoch in Wochen und nicht in Monaten erfolgen. Die internationale Gemeinschaft sei nicht bereit zu warten, während Teheran Fortschritte bei seinem Atomprogramm mache.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte eine genaue Prüfung der jüngsten Vorschläge zu. Er bekräftige jedoch erneut das "unbestreitbare Recht" seines Landes auf die Urananreicherung.
Gesunkene Nachfrage
Indes hat der Ölminister Saudi Arabiens bestätigt, dass die Ölförderung seines Landes in den jüngsten Monaten zurückgegangen ist. Sein Land wolle jedoch nicht das Angebot verknappen, der Rückgang sei vielmehr Folge der gesunkenen Nachfrage, sagte Ölminister Ali Naimi laut einem Bericht des "Wall Street Journal". Die anderen OPEC-Länder hätten Schwierigkeiten, Käufer für all das Öl zu finden, das sie produzierten.
Die weltweiten Läger seien fast voll, und zahlreiche Raffinerien seien wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb. Bei einem täglichen Bedarf von 84 Mio Barrel Treibstoff sei die Raffinerie-Kapazität von 3 Mio Barrel nicht in Betrieb.
Auf die Frage, ob sein Land und andere Ölproduzenten wegen der ansteigenden Lagerbestände weniger produzierten, sagte der Ölminister, zu dem aktuell hohen Preis von 70 USD das Fass, würde jeder soviel verkaufen wie er nur könne.