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Nach Abgang des Starinvestors Gross: Pimco stößt US-Staatsanleihen ab

Eben hat der Starinvestor Bill Gross der Allianz-Fondstochter den Rücken gekehrt, nun strukturiert Pimco sein Premiumprodukt um: Der Fonds Pimco Total Return reduziert seinen Anteil an US-Bonds - und versucht damit, eine Investorenflucht zu stoppen.

Die Allianz-Fondstochter Pimco verkauft einen Teil seiner US-Staatsanleihen. Der 202 Milliarden US-Dollar schwere Fonds Pimco Total Return habe im September den Anteil an amerikanischen Staatsbonds im Portfolio auf 38 Prozent von 41 Prozent im August gesenkt, teilte die US-Investmentgesellschaft mit.

Damit reagiert der Vermögensverwalter möglicherweise auf die jüngste Flucht von Investoren, die dem Fonds in den vergangenen Monaten immer stärker den Rücken gekehrt hatten. Im September etwa hatten die Investoren unter dem Strich schätzungsweise 23,5 Milliarden Dollar aus dem Total Return Fund abgezogen. Besonders viele Anleger flohen aus dem zentralen Pimco-Fonds am 26. September.

An diesem Tag hatte Bill Gross die von ihm 1971 mitgegründete Firma im Streit verlassen. Der früher als "Bond-König" bekannte Anlage-Experte hatte bei Pimco den Total Return Fund geführt, zuletzt aber mit weniger Erfolg. Der Investor wechselte zum Vermögensverwalter Janus Capital.

Der Pimco-Fonds investiert in Staatsanleihen, inflationsgeschützte Wertpapiere, Terminkontrakte auf US-Staatsanleihen oder Derivate auf US-Schuldpapiere. Er steckt weiterhin 20 Prozent seines Kapital in mit Hypotheken besicherte Anleihen und 13 Prozent in Kreditforderungen. Der Anteil an Schwellenländer-Bonds sei auf zehn Prozent von zuvor neun Prozent erhöht worden.

Experten nehmen Pimco genau unter die Lupe

Investoren verfolgen nach dem Gross-Abgang ganz genau, wo Pimco die Milliarden-Anlagegelder investiert. Der Grund: Angesichts der Größe des Fonds können deutliche Veränderungen die Preise einiger Vermögenswerte spürbar beeinflussen. Seit dem Abgang treibt Beobachter auch die Sorge um, ob sich die Allianz-Tochter von Investments trennen muss, um die Mittelabflüsse der Kunden bedienen zu können.

"Ein so großer Fonds kann die Preise bestimmter Assetklassen unter Druck setzen", sagte Adrian Miller, leitender Anleihestratege beim Finanzkonzern GMP Securities in New York. Für die Investoren, die mit dem Management-Stil von Gross und der Performance des Fonds nicht zufrieden gewesen waren, sei der Abgang wohl positiv. Pimco müsse nun aber, so Miller, die verstimmten Anleger überzeugen, dass man die richtigen Antworten parat habe, um das Schiff wieder flottzumachen.

80 Prozent der Konkurrenz hat eine bessere Performance

Pimco steht damit vor einer schwierigen Aufgabe. Der Pimco Total Return Fund liegt in der Performance im laufenden Jahr bisher hinter der Konkurrenz zurück. Die Rendite erreichte 4,1 Prozent - 80 Prozent der vergleichbaren Fonds anderer Anbieter können eine bessere Entwicklung vorweisen. In den vergangenen 15 Jahren wies das Pimco-Aushängeschild eine durchschnittliche Jahresrendite von 6,8 Prozent aus - und ließ damit 96 Prozent der Rivalen hinter sich.

Quelle: n-tv.de