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Ungünstiger ZeitpunktSchott Solar sagt IPO ab

08.10.2008, 18:39 Uhr

Der Solarkonzern Schott Solar bläst einen Tag vor der geplanten Erstnotiz seinen Börsengang erneut ab. Als Grund nannte ein Sprecher der Gesellschaft das "umwerfend schlechte" Marktumfeld.

Der Solarkonzern Schott Solar hat einen Tag vor der geplanten Erstnotiz seinen Börsengang erneut abgeblasen. Mit der Entscheidung endet ein zähes Ringen des Unternehmens inmitten der Krise. "Ein sich in so kurzer Zeit derart verschlechterndes Kapitalmarktumfeld war nicht absehbar und lässt einen für alle Beteiligten erfolgreichen Börsengang momentan nicht zu", sagte Schott-Solar-Chef Martin Heming. Wenn sich die Märkte nachhaltig beruhigten, werde man das weitere Vorgehen prüfen. Der Mutterkonzern Schott sorge nun für die Finanzierung der Ausbaupläne.

Mit dem Geld aus dem Börsengang wollte das Unternehmen den Ausbau der Produktion im In- und Ausland vorantreiben. Schott Solar fertigt Komponenten für Solarkraftwerke sowie Photovoltaikprodukte wie Solarzellen und -module.

"Wir werden jetzt abwarten, bis sich die Lage beruhigt hat, dann kommen wir gerne wieder an den Start", sagte ein Sprecher. Ob es noch in diesem Jahr einen neuen Anlauf gebe, darüber wollte er nicht spekulieren. Auch kommentierte er nicht, inwieweit die Gesellschaft den gewünschten Bruttoemissionserlös hätte erzielen können. Indikatoren wie der außerbörsliche Graumarkt hätten Preise im oberen Bereich der Zeichnungsspanne signalisiert, sagte er nur.

Schlechtes Marktumfeld

Die Lage für Neuemissionen ist schwierig: Am Mittwoch brach der Dax im Zuge der Finanzkrise zeitweise mehr als acht Prozent ein; selbst ein Eingreifen mehrerer Notenbanken konnte die Panik der Anleger an den Märkten nicht eindämmen. Viele Investoren wollen deswegen nicht in Aktien von Unternehmen investieren, für die die Börse Neuland ist - oder nur bei hohen Preisnachlässen. Zahlreiche Unternehmen hatten schon zuvor ihre Börsenpläne auf Eis gelegt. Auch Schott Solar hatte wegen der Turbulenzen an den Aktienmärkten das Initial Public Offering (IPO) schon einmal begraben, hatte aber Anfang Oktober - mit Zugeständnissen an die Investoren - einen zweiten Anlauf genommen.

Mit einem Emissionsvolumen von bis zu 657 Mio. Euro wäre Schott Solar der bisher größte Börsenneuling am deutschen Aktienmarkt in diesem Jahr gewesen - allerdings auch erst der Dritte. Nun ist Schott Solar der dritte Börsenkandidat, der kurz vor dem Sprung auf das deutsche Parkett einen Rückzieher gemacht hat. 2008 sind mit GK Software und SMA Solar nur zwei neue Namen auf den Kurslisten des streng regulierten Prime Standard aufgetaucht.

B öses Omen für die Bahn

Nun hat nur die Deutsche-Bahn-Tochter DB Mobility Logistics noch ihr milliardenschweres Börsendebüt angekündigt. Allerdings steht das Management des Konzerns deswegen stark in der Kritik. Am Donnerstag soll eine Vorentscheidung über den Fortgang des Börsengangs fallen. Dabei hatten Experten noch zum Jahreswechsel mit über 20 Börsenneulingen gerechnet.