Freitag, 27. Oktober 2006
Verlust verringert: Schwarz Pharma bald schwarz
Der Monheimer Arzneimittelhersteller Schwarz Pharma ist in den ersten neun Monaten in die Gewinnzone zurückgekehrt. Dabei profitierte das Unternehmen, das vor der Übernahme durch den belgischen Biopharmakonzern UCB. steht, vor allem von einer Zahlung des US-Pharmariesen Pfizer
"Das Geschäft entwickelte sich in den ersten neun Monaten nach Plan", erklärte Vorstandschef Patrick Schwarz-Schütte. Der Überschuss liege bei 14 Mio. Euro nach einem Verlust von 48,4 Mio. Euro vor Jahresfrist. Die Monheimer erhielten von Pfizer 79,5 Mio. Euro im Zusammenhang mit dem Verkauf von Lizenzrechten an einem Medikament. Der Konzernumsatz ging von Januar bis September um 0,3 Prozent auf 720,2 Mio. Euro zurück.
Für das Gesamtjahr stellte das Schwarz-Management weiterhin rund 900 Mio. Euro Umsatz und ein Ergebnis um die Nulllinie in Aussicht. Die Kosten der Übernahme durch UCB seien in der Prognose jedoch noch nicht berücksichtigt. Schwarz Pharma werde in den Ausbau seiner Entwicklungspipeline an neuen Medikamenten weiter investieren, kündigte das Management an. In den ersten neun Monaten flossen 153,5 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung.
Im dritten Quartal verringerten die Rheinländer ihren Verlust auf 23,3 Mio. Euro nach einem Minus von 50,5 Mio. Euro vor Jahresfrist. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 22,9 Mio. Euro gerechnet. Der Betriebsverlust wurde auf 21,4 Mio. Euro abgebaut nach 62,2 Mio. Euro ein Jahr zuvor.
Die Ergebniszahlen lösten an den Börsen keine große Kursbewegung aus. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Schwarz-Pharma-Aktie pendelte am Mittag um ihren Schlusskurs vom Donnerstag von 91,68 Euro.
Zulassungsantrag für Lacosamid wird vorbereitet
Schwarz Pharma bereitet seinen Hoffnungsträger Lacosamid zur Behandlung von Epilepsie und neuropathischen Schmerz derzeit die Unterlagen für die Zulassungsanträge bei beiden Anwendungen vor. "Sie werden beginnend im zweiten Quartal im Laufe des Jahres 2007 eingereicht", kündigte Schwarz-Schütte an. In der Anwendung als Schmerzmedikament traut Schwarz Pharma dem Wirkstoff einen jährlichen Spitzenumsatz von 600 Mio. Euro zu, in der Anwendung Epilepsie liegt die Erwartung bei 300 Mio. Euro.
Schwarz Pharma hatte Ende September weltweit 4405 Beschäftigte, fast sechs Prozent mehr als Ende 2005. Im September hatte UCB die Übernahme von Schwarz Pharma für rund 4,4 Mrd. Euro angekündigt. Mehr als zwei Drittel der Anteile haben sich die Belgier schon gesichert: Die Familie Schwarz, die rund 60 Prozent der Anteile besitzt, hat das Angebot angenommen. Schroders und Capital Research and Management, die zusammen 7,9 Prozent besitzen, wollen ihre Anteile ebenfalls abgeben.

