Archiv

Ende des Absturzes in SichtZEW-Index verbessert

17.03.2009, 12:43 Uhr

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich weiter auf. Experten erwarteten ein allmähliches Ende der Konjunktur-Talfahrt, teilt das ZEW mit. Die Talsohle dürfte im Sommer 2009 erreicht sein. Trotz schlechter Lage gebe es erste Lichtblicke. Der ZEW-Index steigt um März auf minus 3,5 Punkte nach minus 5,8 Zählern im Februar.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich weiter auf; Experten sehen ein Ende des Absturzes. "Nach den Einschätzungen der Finanzmarktexperten geht die Talfahrt der Konjunktur allmählich zu Ende und die Talsohle dürfte im Sommer dieses Jahres erreicht sein", teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nach seiner jüngsten Umfrage mit. "Die Lage ist außerordentlich schlecht, aber es gibt erste Lichtblicke. Sie sollten jetzt nicht kaputtgeredet werden", kommentierte ZEW-Chef Wolfgang Franz die Angaben.

Die Erwartungen für Deutschland haben sich laut ZEW im März erneut leicht verbessert, legen aber nicht mehr die Dynamik an den Tag wie dies in den vergangenen vier Monaten der Fall war. Das ermittelte Stimmungsbarometer stieg im Vergleich zum Vormonat um 2,3 Punkte auf minus 3,5 Punkte (Vormonat: minus 5,8 Punkte). Damit liegt der ZEW-Index weiterhin deutlich unter dem historischen Mittelwert von plus 26,2 Punkten.

Aktuelle Konjunkturlage stabilisiert

Nach ZEW-Angaben sehen die Experten der konjunkturellen Entwicklung insgesamt gelassener entgegen. Dazu beigetragen haben nach Einschätzung von Franz fallende Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel sowie die erneute Zinssenkung der Europäischen Zentralbank. Die Preisentwicklung sowie Steuervergünstigungen durch die Wiedereinführung der Pendlerpauschale tragen nach Überzeugung des neuen Chefs der Wirtschaftsweisen auch dazu bei, dass der private Konsum bislang "sehr stabil" geblieben ist.

Die aktuelle Konjunkturlage in Deutschland hat sich nach Ansicht der befragten 291 Analysten im März stabilisiert. Der entsprechende Indikator sank nur geringfügig um 3,2 Punkte auf minus 89,4 Punkte. In den Vormonaten war der Indikator mitunter zweistellig ausgefallen.

Für die gesamte Eurozone setzt sich der positive Trend fort - allerdings deutlich schwächer als im Vormonat: Der Indikator stieg um 2,2 Punkte auf minus 6,5 Punkte. Der Wert für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum stieg im März um 0,3 Punkte und erreichte einen Wert von minus 90,7 Punkten.

"Früchte des Aufschwungs aufgezehrt"

Nach Angaben des DIW-Instituts hat sich der Konjunktureinbruch in Deutschland zum Jahresanfang ungebremst fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte von Januar bis März um 2,2 Prozent zum Jahresende 2008 schrumpfen, teilten die Berliner Forscher in ihrem Konjunkturbarometer mit.

"Ein Großteil der materiellen Früchte des letzten Aufschwungs ist damit wieder aufgezehrt", sagte DIW-Experte Stefan Kooths. Die Wirtschaftsleistung falle schätzungsweise auf den Stand von vor drei Jahren zurück. Im Abwärtssog der weltweiten Krise war die Wirtschaft im vierten Quartal 2008 um 2,1 Prozent geschrumpft und damit so stark wie seit 1987 nicht mehr.

Die stärksten Einbußen habe es zu Jahresbeginn abermals in der stark exportabhängigen Investitionsgüterindustrie gegeben, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Insgesamt liege die Kapazitätsauslastung mit knapp 77 Prozent um zehn Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der vergangenen zwei Jahre.

Zu den Verlierern im Abschwung gehöre neben dem Produzierenden Gewerbe auch die Baubranche. Hier stünden die Zeichen nach einer leichten Erholung wieder auf Rezession: "Die Wertschöpfung wird voraussichtlich um drei Prozent sinken." Positive Impulse aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung könnten erst in der zweiten Jahreshälfte am Bau wirken. Eine Kreditklemme sei derzeit aber nicht in Sicht.

Für dieses Jahr erwarten Ökonomen die schärfste Rezession in Deutschland seit Gründung der Bundesrepublik vor 60 Jahren. Zuletzt hatten mehrere Forschungsinstitute ihre Prognosen kräftig gesenkt. Die Experten erwarten einen Konjunktureinbruch um drei bis vier Prozent.