Wirtschaft
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Freitag, 22. Juli 2016

Start-up-Hotspots: Berlin gewinnt – Rest Deutschlands steigt ab

Eine Kolumne von Luis Hanemann

Welche Städte spielen in Europas Startup-Szene die größte Rolle? Während Berlin sich vorarbeitet, fallen andere deutsche Städte zurück. Das ist alllerdings weniger unerfreulich, als es klingt.

In meiner Funktion als Investor bin ich immer auf der Suche nach spannenden Startups, natürlich ist es deshalb interessant zu sehen: Wo sind die Startup-Hochburgen, und wo entstehen auch neue Startup-Hubs? Ein Großteil der Kommunikation mit den Startups findet per Mail/Telefon statt, doch ist der persönliche Kontakt vor Ort weiterhin extrem wichtig.

In der folgenden Analyse habe ich versucht, die relevanten Städte und die Veränderungen in den letzten Jahren aufzuzeigen.

Startup-Ranking europäischer Städte.
Startup-Ranking europäischer Städte.(Foto: eventures)

In den Top 5 gibt es relativ wenig Bewegung. Berlin hat Paris vom zweiten Platz verdrängt, sonst sehen wir relativ viel Stabilität in den Top 5 Startup-Hotspots. London, Berlin, Paris, Amsterdam und Barcelona haben sich etabliert.

2011 hatte Deutschland noch drei Städte in den Top 10 der europäischen Startup-Metropolen. Mit einem dritten Platz für Berlin, einem siebten Platz für München und einem zehnten Platz für Hamburg war Deutschland überdurchschnittlich repräsentiert. 2016 ist nur noch Berlin in den Top 10 zu finden, dafür aber aufgestiegen. München hat fünf Positionen verloren und ist auf Platz 12 abgerutscht. Hamburg ist in den Top 15 nicht mehr vertreten.

Deutschland ist durch seine föderale Struktur und als größte Wirtschaftskraft in Europa eigentlich dafür prädestiniert, dass es nicht nur eine Startup-Hochburg gibt. Ich bin davon überzeugt, dass wir größere Erfolge haben, wenn in ganz Deutschland Startups gegründet und dadurch verschiedene Regionen gestärkt werden. Dafür brauchen wir weiterhin ein innovatives Umfeld auch außerhalb von Berlin. Städte, die Positionen eingebüßt haben, müssen dies aber nicht als Rückschritt werten, da die anderen Städte lediglich schneller gewachsen sind. Das heißt, de facto haben in allen drei deutschen Städten die Startup-Aktivitäten zugenommen.

Ins Auge fällt auch, dass überwiegend Hauptstädte im Ranking vertreten sind. Elf von den Top 15 Städten sind Hauptstädte. Nur Barcelona, München, Mailand und Zürich sind als Nichthauptstädte vertreten. Alle Städte weisen eine starke Wirtschaftskraft auf. Während London aktuell noch die Führungsposition besetzt, wird es spannend, was die Zukunft nach dem Brexit bringt.

Auffällig ist, dass gleich drei skandinavische Städte in den Top 15 dabei sind, und alle drei seit 2011 zugelegt haben. Skandinavien wird seinem Anspruch als digitaler Vorreiter in Europa also gerecht. Stockholm ist der Anführer im skandinavischen Dreiergespann mit dem siebten Platz. Kopenhagen hat den größten Sprung von 15 auf 9 vollzogen, und Helsinki hat sich von 14 auf 11 vorgearbeitet. Besonders hat die Region von großen Startup-Konferenzen wie der Slush und Artic 15 in Helsinki profitiert. Allein zur Slush sind über 15.000 Teilnehmer und über 1400 Startups angereist. Zum Vergleich: Die größten Startup-Konferenzen in Deutschland (in Berlin die Noah und das Tech Open Air Berlin sowie in München das Bits & Pretzels) haben alle zusammen etwa so viele Teilnehmer.

Neben dem relativen Ranking der Startup-Städte ist auch hervorzuheben, dass alle Städte im Ranking absolut zugelegt haben. Das heißt, mehr Leute trauen sich und gründen junge Firmen. Wir können also optimistisch in die Zukunft schauen.

Ich freue mich auch immer über Neueinsteiger. Beispielsweise hat Warschau vor einigen Jahren in der europäischen Startupwelt noch keine große Rolle gespielt, doch das scheint sich zu ändern. Wenn ich meine eigenen Geschäftsreisen anschaue, ist hier Warschau letztes Jahr zweimal aufgetaucht. Auch das ist ein persönlicher Indikator.

Datengrundlage:
Als Datenbasis für die Erstellung des Städterankings dienten die 50 größten europäischen Städte. Weiterhin wurden die Anzahl der Startups in den jeweiligen Städten auf Basis der Daten von crunchbase, der größten Startupdatenbank der Welt, erhoben. Zusätzlich wurde der Datensatz einer weiteren großen Startupdatenbank, AngelList, gegenübergestellt. Da beide Datenbanken auf freiwilligen Einträgen beruhen, die zwar von Moderatoren geprüft werden, kann trotzdem kein Anspruch auf Vollständigkeit gewährleistet werden. Die Datenqualität erhöht sich durch Kombination beider Datensätze. Diese Logik basiert auf der jährlichen Datenerhebung von eu-startups.com.

Quelle: n-tv.de