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Mittwoch, 16. März 2011

Mehr Werkzeuge, bessere Technik: Alte Affen experimentieren mehr

Alte Schimpansen können dem Nachwuchs einiges vormachen.
Alte Schimpansen können dem Nachwuchs einiges vormachen.

Das Alter scheint Schimpansen experimentierfreudiger zu machen, zumindest beim Stochern nach Termiten. Zu diesem Zweck nutzen erwachsene Tiere wesentlich mehr Werkzeuge als jüngere, wie US-Forscher in den "Biology Letters" der britischen Royal Society berichten. Die älteren Schimpansen experimentierten mit diesen auch herum und setzten sie für andere Aufgaben als die ursprünglich vorhergesehenen ein. Jüngere Tiere hingegen verwendeten nicht nur weniger Werkzeuge zum Stochern, sondern wiederholten auch häufiger einzelne Arbeitsschritte, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden waren.

Crickette Sanz von der Washington University (Saint Louis) und David Morgan von der Wildlife Conservation Society (Chicago/US-Staat Illinois) hatten 130 Videoaufnahmen von Schimpansen ausgewertet. Diese waren zwischen 2003 und 2007 im Nouabalé-Ndoki Nationalpark in Kongo-Brazzaville entstanden. Viele der Tiere wurden mehrmals beim Stochern nach Termiten gefilmt.

Die Schimpansen der Region sind dafür bekannt, verschiedene Werkzeuge zu nutzen, diese zu verändern und bestimmte Materialien zu bevorzugen. In oberirdische Termitenhügel stechen die Tiere einen kleinen Ast, um einen Tunnel zu bohren. Mit einem zweiten Werkzeug, das ein eher bürstenähnliches Ende besitzt, angeln sie dann die Termiten aus dem Bau. Zu unterirdischen Termitennestern graben die Schimpansen ohne Stock einen Tunnel, durch den sie dann ebenfalls mit einem bürstenähnlichen Werkzeug in das Nest vordringen.

Variable Angeltechnik

Neben dieser grundsätzlich ähnlichen Arbeitsweise fanden die Forscher nun bedeutende Unterschiede zwischen den noch jungen Tieren und den Erwachsenen, und zwar andere als zuvor vermutet. Die Jungtiere benutzten nämlich nicht etwa viele Werkzeuge und verschiedene Techniken, bis sie mit der Zeit lernten, welche davon am besten einzusetzen sind. Im Gegenteil: Sie setzten nur wenige Werkzeuge ein, die älteren Tiere nutzten dagegen mehrere. Letztere variierten zudem gelegentlich ihre Angeltechnik.

War zum Beispiel ein Angelkanal verstopft, drehten einige ältere Tiere einfach ihr bürstenartiges Werkzeug um und benutzten das andere Ende, um die Blockierung frei zu bekommen. Dies deutet nach Forscheransicht auf ein einsichtiges Verhalten hin, weil die Tiere erkennen, dass ihr Spezialwerkzeug noch für einen weiteren Zweck zu gebrauchen ist.

Der Transport verschiedener Werkzeuge zu einem Termitennest deute auf planerisches Verhalten hin. Ein besseres Verständnis vom Werkzeug-Gebrauch der Affen helfe auch zu verstehen, wie bei den Vorfahren des Menschen Technologien entstanden seien, schreiben die Forscher.

Quelle: n-tv.de

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