Sonntag, 04. Mai 2008
Fettzellen-Erkenntnis: Anzahl immer gleich
Erwachsene schleppen ihr ganzes Leben lang die gleiche Anzahl an Fettzellen mit sich herum. Das zeigt eine Studie schwedischer Wissenschaftler, die damit eine entsprechende, immer wieder geäußerte Vermutung bestätigen konnten. Festgelegt wird die persönliche Fettzellmenge danach in der Kindheit, wobei der Aufbau der Zellen bei Übergewichtigen früher beginnt und schneller fortschreitet.
Eine starre Masse, deren Bausteine einmal angelegt werden und dann unverändert bleiben, ist das Fettgewebe jedoch nicht: Etwa zehn Prozent der Fettzellen sterben jedes Jahr ab und werden durch neue ersetzt egal, ob jemand schlank oder übergewichtig ist. Diese bisher unbekannte Neubildung zu blockieren, wäre möglicherweise ein attraktiver Ansatz zur Bekämpfung von Übergewicht, schreiben Kirsty Spalding vom Karolinska-Institut in Stockholm und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "Nature".
Für ihre Studie untersuchten Spalding und ihre Kollegen Fettgewebe, das aus Fettabsaugungen und Operationen am Bauch stammte. Ihr erstes Fazit: Wie viel Fett ein Körper einlagert, wird sowohl von der Anzahl der Fettzellen bestimmt als auch von ihrer Größe. Die Anzahl ist dabei ab einem Alter von etwa 20 Jahren ein feststehender Faktor, die Größe kann jedoch variieren. Selbst bei Menschen, die mit Hilfe einer Magenoperation bis zu zwanzig Prozent ihres Körpergewichts abnehmen, ändert sich nur die Größe und nicht die Menge der Fettzellen, entdeckten die Forscher. Ihrer Ansicht nach gilt dies auch für eine Gewichtszunahme im Erwachsenenalter, auch wenn das nicht explizit untersucht wurde. Allerdings könne man nicht ausschließen, dass ab einem gewissen Schwellenwert doch noch zusätzliche Fettzellen angelegt würden.
Fließgleichgewicht hält Anzahl konstant
Für noch wichtiger halten die Wissenschaftler jedoch ihre zweite Entdeckung: Die Fettzellanzahl wird durch eine Art Fließgleichgewicht konstant gehalten, bei dem ständig Zellen absterben und neue gebildet werden. Auf diese Weise, zeigt eine Berechnung, erneuert sich im Schnitt alle 8,3 Jahre die Hälfte aller Fettzellen. Nachweisen konnten die Forscher diesen Zusammenhang, indem sie das Alter der Zellen anhand des in die Erbsubstanz eingebauten radioaktiven Kohlenstoffisotops C14 bestimmten. Die Menge dieses Isotops in der Luft stieg während der Atombombentests im Kalten Krieg, zwischen 1955 und 1963, deutlich an, dieser Anstieg ließ sich auch in den Fettzellen von Menschen nachweisen, die 1955 bereits erwachsen waren. Das lasse sich nur erklären, wenn die Erbsubstanz und damit die Zelle erst zu dieser Zeit neu aufgebaut worden sei, erläutern die Wissenschaftler.
Da der prozentuale Austausch bei Schlanken und Übergewichtigen gleich ist, bilden dickere Menschen absolut betrachtet jedes Jahr deutlich mehr neue Fettzellen als schlanke. Könnte dieser Vorgang gebremst werden, ließe sich möglicherweise sowohl Übergewicht reduzieren als auch der lästige Jojo-Effekt nach einer Gewichtsabnahme vermeiden, glauben die Wissenschaftler.
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