Freitag, 09. Oktober 2009
Mit vergrabenen Münzschätzen: Archäologische These entwickelt
Die goldenen Münzen des keltischen Volksstammes der EBuronen stammt aus dem 1. Jahrhundert vor Christus.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Das Römische Reich erlebte im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung eine kulturelle Blütezeit ohne gleichen. Es war die Zeit von Cicero, Caesar, Horaz und Vergil. Sehr wenig ist jedoch über die grundlegende Bevölkerungsstruktur dieser Jahre bekannt – selbst die Einwohnerzahl wird heftig debattiert. Es gibt zwar Volkszählungsdaten, Historiker streiten jedoch darüber, ob dabei nur die erwachsenen Männer oder aber die gesamte Bevölkerung gezählt wurde. Je nachdem hätte sich die Bevölkerung unter dem ersten römischen Kaiser Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) verdoppelt oder halbiert.
„Indikator für inneren Aufruhr“
Die US-Forscher Peter Turchin (University of Connecticut) und Walter Scheidel (Stanford University) haben jetzt einen auf den ersten Blick überraschenden Indikator für die Bevölkerungsentwicklung ausgewertet: Die zeitliche Verteilung in Rom vergrabener Schätze. Die These der Forscher: Je mehr Münzschätze nicht wieder ausgegraben wurden, desto schlimmer wüteten innere Unruhen und Bürgerkrieg im Römischen Reich. „Schätze sind ein exzellenter Indikator für inneren Aufruhr“, erläutert Turchin. „Das ist ein generelles Phänomen, nicht nur in Rom.“
Getötet oder vertrieben
In der zeitlichen Verteilung von Münzen-Depots spiegle sich mit hoher Genauigkeit die Dynamik kriegerischer Auseinandersetzungen wider, argumentieren die Wissenschaftler in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS). Menschen neigten dazu, in unsicheren Zeiten Wertsachen zu vergraben. Auf diese Depots würde später wieder zurückgegriffen; außer die Besitzer seien getötet oder vertrieben worden. Die Forscher schließen daraus: Je heftiger die Kriegshandlungen, umso mehr unangetastete Münz-Depots finden sich.
Die vorliegenden Daten sprächen für einen Rückgang der römischen Bevölkerung im ersten Jahrhundert nach Christus, schreiben die Forscher. Somit liefere die Studie in der langanhaltenden Auseinandersetzung zwischen Vertretern des „High Count“-Modells (Bevölkerungszuwachs) und des „Low Count“-Modells (Bevölkerungsrückgang) ein wichtiges Argument zugunsten des Letzteren.
dpa
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