Wissen
Die mikroskopische Aufnahme zeigt die feinen Fasern im Weißasbest.
Die mikroskopische Aufnahme zeigt die feinen Fasern im Weißasbest.(Foto: imago/Science Photo Library)
Dienstag, 01. August 2017

Krebserreger in Baustoffen: Asbest ist unvergänglich - auch in der Lunge

Asbest war vor allem in den 1970er-Jahren ein beliebter Zusatz bei Baumaterialien und kam in Tausenden Produkten zum Einsatz. Der Faserstoff ist jedoch extrem krebserregend und widerstandsfähig, auch wenn er erst einmal in der Lunge ist.

Die Bezeichnung Asbest leitet sich vom altgriechischen Wort Asbestos ab und bedeutet unvergänglich. Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben nun herausgefunden, dass diese Eigenschaft auch für Asbestfasern in der menschlichen Lunge gelten. Die Wissenschaftler untersuchten die Daten von insgesamt 23.000 Patienten mit Lungenproblemen auf Fälle, bei denen im Abstand von mindestens vier Jahren asbesthaltige Proben aus der Lunge entnommen worden waren – und fanden lediglich zwölf Lungenpatienten, die diesen Kriterien entsprachen.

Wellasbestplatten sind witterungsbeständig und waren damit als Dachmaterial hervorragend geeignet.
Wellasbestplatten sind witterungsbeständig und waren damit als Dachmaterial hervorragend geeignet.(Foto: imago/Steinach)

Bei ihnen wurde eine erste Gewebeprobe mehrere Jahre nach Ende der Asbestbelastung entnommen und eine zweite Probe nach dem Tod der Patienten. Die Forscher untersuchten beide Proben der ausgewählten Patienten erneut und verglichen die Werte der Asbestkonzentrationen miteinander. Sie stellten fest, dass die Zahl der Asbestfasern auch Jahrzehnte nach dem Einatmen unverändert in der Lunge nachweisbar ist. Diese Ergebnisse gelten sowohl für den als besonders gesundheitsgefährlich eingestuften Blauasbest als auch für den am meisten in der Industrie verwendeten Weißasbest. 

"Das heißt, eine asbestinduzierte Erkrankung kann noch ausbrechen, obwohl der letzte Asbestkontakt schon sehr lange zurückliegt", erklärt Professor Andrea Tannapfel von der Ruhr-Universität Bochum. Bislang war unklar, ob die Fasern des Weißasbests tatsächlich in der Lunge bleiben oder ob sich die Lunge von den Fasern befreien und schließlich regenerieren kann. 

Schutzmechanismen der Lunge sind machtlos

Normalerweise besitzt die menschliche Lunge wirksame Mechanismen, um sich von Fremdpartikeln zu befreien. Doch bei eingeatmetem Asbest greifen diese Mechanismen nicht. Die feinen Fasern können bis tief in die Lungenbläschen vordringen. Die Lunge bildet als Reaktion darauf netzähnliche diffuse Vernarbungen, die auch als Asbestose bezeichnet werden. Und auch das Immunsystem scheitert am Asbest. Die Fresszellen sind nicht in der Lage, die biobeständigen Fasern abzubauen. Sie sterben, ohne ihre Arbeit verrichten zu können, ab und bilden sogenannte Asbestkörper, die typisch für die Erkrankung sind. Diese bilden die Grundlage für die Entstehung chronischer Entzündungen, die schließlich zu Tumoren werden können.

Als typisch für asbestbedingten Krebs gilt das sogenannte Mesoltheliom, ein Tumor, der unter anderem das Rippenfell betrifft. Darüber hinaus kann aber auch Lungen-, Kehlkopf- oder Eierstockkrebs durch den Faserstoff verursacht werden. Aus diesem Grund ist der Einsatz von Asbest in Deutschland seit 1993 und in der Europäischen Union seit 2005 verboten.

Die Ergebnisse der Forscher sind sowohl für die Behandlung von Patienten als auch für die Entscheidung, ob es sich bei Betroffenen um eine Berufskrankheit handelt oder nicht, von zentraler Bedeutung. Auch Hauseigentümer, die asbestbelastete Immobilien besitzen, sollten mit diesem Wissen niemals selbst Hand anlegen, sondern immer Experten für eine Asbestsanierung beauftragen.

Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin "European Respiratory Journal".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen