Donnerstag, 19. November 2009
Abholzungen und Brandrodungen: Asiens grüne Lunge kollabiert
Bei Kalimantan auf der indonesischen Insel Borneo wurde der Torfmoorwald vor 13 Jahren für ein inzwischen gescheitertes Mega-Reis-Projekt abgeholzt.
Einer der wichtigsten Kohlenstoffspeicher der Welt ist akut bedroht. Die Torfmoorwälder in Indonesien, deren Böden pro Hektar 6000 Tonnen und damit 50 Mal so viel Kohlenstoff wie andere Tropenwälder speichern, werden in rasantem Tempo abgeholzt. "Asiens grüne Lunge steht vor dem Kollaps", berichtete die Umweltstiftung WWF drei Wochen vor Beginn der Weltklimakonferenz in Kopenhagen. "Die Zerstörung der Torfmoorwälder ist in Bezug auf den Klimawandel eine tickende Zeitbombe", sagte Guénola Kahlert, WWF-Expertin für Wald und Klima.
In Indonesien stehen die größten Torfmoorwälder der Welt, insgesamt 21 Millionen Hektar. Der Torf ist über Jahrtausende gewachsen und teils bis zu 20 Meter mächtig. In der Schicht sind nach Angaben des WWF bis zu 61 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Um die Bäume abzutransportieren und die Böden für die Anlage von Plantagen zu entwässern, ziehen die Holzfirmen Kanäle in das Torfmoor. Die Böden trocknen, sobald die Bäume weg sind, unter der gleißenden Sonne völlig aus und geraten leicht in Brand. Dabei wird CO2 freigesetzt. In Indonesien werden für Nutzholz- und Palmölplantagen jedes Jahr 1,3 Millionen Hektar Regenwald abgeholzt - das entspricht fast 200 Fußballfeldern in der Stunde. "Sollte die Entwaldung nicht gestoppt werden, werden Sumatra und Borneo bis 2020 weitgehend entwaldet sein", so der WWF.
Indonesien ist drittgrößter Klimasünder
Drei Milliarden Tonnen CO2 gelangen durch die Abholzung von Torfmoorwäldern weltweit jedes Jahr in die Atmosphäre. Zwei Drittel davon stammen aus Südostasien, fast nur aus Indonesien. Damit trägt das Land zu acht Prozent zum weltweiten CO2-Ausstoß aus der Verbrennung fossiler Energieträger bei und ist hinter den USA und China der drittgrößte Klimasünder weltweit. 2008 betrug Deutschlands CO2-Ausstoß 945 Millionen Tonnen.
"Die Produkte, die auf den ehemaligen Regenwaldflächen angebaut werden, wie Zellstoff, Holz oder Palmöl, werden in erster Linie in den Industrieländern verbraucht", erläutert der WWF. Die Tropenwald- Länder wollen im neuen Weltklimaschutzvertrag verankern, dass sie für den Schutz der Wälder und den damit verhinderten CO2-Ausstoß finanziell entschädigt werden (REDD-Mechanismus). "Es ist unter derzeitigen Rahmenbedingungen ökonomisch rational, den Regenwald abzuholzen, weil die Abholzung leider immer noch mehr wirkliches Geld bringt, als ihn zu erhalten", sagt Kahlert. "Nur durch die Zuweisung eines wirtschaftlichen Geldwerts und eine Bezahlung etwa für die Kohlenstoffspeicherung kann das Abholzen gestoppt werden."
dpa
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