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"Fast ein Streifschuss": 500-Meter-Asteroid rast knapp an Erde vorbei

2004 BL 86 ist einer von vielen Gesteinsbrocken, die als Überbleibsel der Entstehung unseres Planetensystems um die Sonne rasen. Nun kommt er der Erde recht nahe. Der Einschlag eines solchen Asteroiden könnte ein Land wie Deutschland komplett zerstören.

Die Erde bekommt Besuch von einem kosmischen Schwergewicht: In nur gut dreifacher Mondentfernung rast am 26. Januar ein Asteroid an unserem Planeten vorbei. Diesmal handelt es sich nicht um einen der kleinen 20- oder 30-Meter-Brocken, die fast täglich an der Erde vorbeischrammen. Denn Astronomen schätzen den Durchmesser des heranrasenden Geschosses auf mindestens einen halben Kilometer.

Computergrafik eines sich der Erde nähernden Asteroiden.
Computergrafik eines sich der Erde nähernden Asteroiden.(Foto: imago/Science Photo Library)

"Der Einschlag eines solchen Asteroiden könnte ein Land wie Deutschland komplett zerstören", sagt der Wissenschaftler Alan Harris vom deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Eine solche Naturkatastrophe hätte unsere Zivilisation noch nicht erlebt", betont Harris, der das internationale Projekt "NEO-Shield" zur Abwehr von drohenden Asteroiden-Einschlägen leitet.

Nach kosmischen Maßstäben sehr nahe

Am 26. Januar wird der Asteroid der Erde um 17.00 Uhr MEZ am nächsten sein. (im Bild: Stand von 2004 BL 86 am 19. Januar)
Am 26. Januar wird der Asteroid der Erde um 17.00 Uhr MEZ am nächsten sein. (im Bild: Stand von 2004 BL 86 am 19. Januar)(Foto: Nasa/Jet Propulsion Laboratory)

Am 26. Januar besteht zwar keine Gefahr für die Erde - der Asteroid mit der Bezeichnung 2004 BL 86 wird in rund 1,2 Millionen Kilometern Entfernung mit einer Geschwindigkeit von mehr als 15 Kilometern in der Sekunde an unseren Planeten vorbeirasen. Doch in kosmischen Maßstäben ist dies fast ein Streifschuss. Derzeit gehen die Astronomen davon aus, dass erst im Jahr 2027 ein kosmischer Brocken dieser Größenklasse der Erde wieder so nahe kommen wird.

Der Asteroid 2004 BL 86 ist einer von unzähligen Gesteinsbrocken, die als Überbleibsel der Entstehung unseres Planetensystems vor gut 4,6 Milliarden Jahren um die Sonne rasen. Dabei kommen manche von ihnen der Erde sehr nah: Bisher wurden mehr als 12.000 erdnahe Himmelsobjekte entdeckt, jeden Monat kommen Dutzende hinzu.

"Globale Auswirkungen"

Asteroiden, Kometen und Meteoroiden

Millionen von Asteroiden und Kometen rasen durch das Sonnensystem. Unterschieden werden sie vor allem anhand ihrer Zusammensetzung - ganz klar definiert ist der Unterschied allerdings nicht.

ASTEROIDEN sind die kleineren Geschwister der Planeten, sie bestehen aus Gestein und Metallen. Weil sie klein und leicht sind, bleibt ihre Bahn um die Sonne nicht unbedingt konstant, sondern kann sich durch die Gravitationskräfte anderer Körper verändern. KOMETEN sind Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems und bestehen aus Gestein sowie flüchtigen Stoffen wie Wasser und Gasen. Die "schmutzigen Schneebälle" entwickeln darum in Sonnennähe typischweise einen oft Millionen Kilometer langen Schweif. Für sehr kleine Objekte mit weniger als einigen Dutzend Metern Durchmesser wurde die Bezeichnung METEOROIDEN eingeführt. Verglühen sie beim Eintritt in die Erdatmosphäre nicht komplett, sondern erreichen noch den Boden, werden sie METEORITEN genannt. Jeden Tag gelangen etliche Tonnen kosmischen Materials auf die Erde - allerdings zum größten Teil als Staub.

Die meisten dieser Brocken sind klein, rund 3500 allerdings weisen Durchmesser von 500 Metern und mehr auf. "Beim Einschlag eines Asteroiden mit einem Kilometer Durchmesser rechnen wir bereits mit globalen Auswirkungen", sagt Harris. Mit zehn Kilometern Durchmesser noch deutlich größer war das Geschoss, das vor 65 Millionen Jahren auf Mexikos Halbinsel Yucatán einschlug, einen tiefgreifenden Klimawandel auslöste und so höchstwahrscheinlich das Aussterben der Dinosaurier einleitete.

Doch auch kleine "Bomben" aus dem All können große Schäden anrichten: Erst vor knapp zwei Jahren explodierte über dem russischen Tscheljabinsk ein Asteroid, dessen Druckwelle rund 1600 Menschen verletzte. Dabei betrug der Durchmesser des Tscheljabinsk-Geschosses gerade einmal rund 20 Meter. Das ist (fast) nichts im Vergleich zur Größe des Asteroiden 2004 BL 86, der nun auf dem Anflug zur Erde ist.

Durchmesser grob geschätzt

Dessen Durchmesser kann derzeit nur grob auf 420 bis 940 Meter taxiert werden. Der Einschlag eines Brockens dieser Größe erinnert die Heidelberger Astrophysikerin Carolin Liefke an die Entstehung des Nördlinger Rieses auf der Schwäbischen Alb. Vor 15 Millionen Jahren schlug dort ein kilometergroßer Asteroid einen Krater von 25 Kilometern Durchmesser. "Riesige Mengen glühend heißes Material wurden hochgeschleudert, das im Umkreis von 1000 Kilometern schwerste Verwüstungen angerichtet hat", sagt Liefke.

Doch ganz wehrlos wäre die Menschheit nicht bei einem drohenden Einschlag. Wenn ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde frühzeitig entdeckt wird, könnte man ihm eine Raumsonde entgegenschicken, berichtet "NEO-Shield"-Leiter Harris. Diese Sonde würde auf dem Asteroiden einschlagen und ihn dadurch von seiner Bahn abbringen. Denkbar wäre auch, eine Sonde dicht an den Gesteinsbrocken heranzumanövrieren. Durch die Schwerkraft seines irdischen Begleiters könnte der kosmische Aggressor nach und nach von seiner ursprünglichen Flugbahn abgelenkt werden.

Und was wäre mit der Zündung einer Atombombe, um den Asteroiden aus seiner Bahn zu werfen? Ein solches Szenario aus Hollywood-Filmen wäre für Harris nur die allerletzte Möglichkeit, "dann, wenn gar nichts anderes mehr geht". Erfolgsaussichten: ungewiss.

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Quelle: n-tv.de

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