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(Foto: imago/Westend61)

Emotionale Auslöser identifiziert: Auch Glück kann das Herz brechen

"Du hast mein Herz gebrochen", behaupten Menschen mit schwerem Liebeskummer. Tatsächlich können starke Emotionen zu einer Erkrankung der Herzkammer führen. Aber es gibt noch mehr Ursachen für das "Broken-Heart-Syndrom".

Das "Broken-Heart-Syndrom" ist ein Krankheitsbild, das noch viele Fragen aufwirft. Kein Wunder, wurde es erstmals vor 25 Jahren von japanischen Forschern als "Takotsubo-Syndrom" (TTS) beschrieben. Nun hat sich ein Ärzteteam daran gemacht, die Ursachen für die akute Pumpfunktionsstörung herauszufinden. Dafür wurden die Daten von 1750 Patienten mit TTS aus 26 kardiologischen Zentren in neun Ländern ausgewertet.

Broken-Heart-Syndrom

Die Takotsubo-Kardiomyopathie (TTS) ist das "Syndrom des gebrochenen Herzens". Es wurde erstmals 1990 von japanischen Wissenschaftlern beschrieben und benannten die Erkrankung "Takotsubo" (Tintenfischfalle), da die linke Herzkammer in der Erkrankungsphase diesen speziellen, zum Tintenfischfang benutzten Tonkrügen ähnelt (enger Hals und bauchiger Körper).

Die Takotsubo-Kardiomyopathie ist eine akute Pumpfunktionsstörung des Herzens, welche mehrheitlich Frauen betrifft. Die Erkrankung ähnelt in der akuten Phase einem Herzinfarkt, so dass eine Unterscheidung nur mittels Herzkatheteruntersuchung gelingt, wobei sich – im Gegensatz zum Herzinfarkt – offene Herzkranzgefässe nachweisen lassen. Als Ursache wird unter anderem eine vorübergehende Verkrampfung der kleinsten Gefäße im Herzmuskel vermutet, die zu einer Minderdurchblutung bis hin zum lebensbedrohlichen Pumpversagen führt.

Die Forscher um Christian Templin und Jelena-Rima Ghadri vom UniversitätsSpital Zürich (UTZ) fanden nun heraus, dass bei 485 TTS-Patienten der Auslöser definitiv auf emotionaler Ebene lag. Anders als bisher gedacht, waren die TTS-Auslöser nicht nur negative Emotionen. Bei 20 Probanden (4 Prozent) von den insgesamt 485 Personen ging der akuten TTS ein freudiges Ereignis, wie eine Geburtstagsparty, eine Hochzeit, der Sieg des Lieblings-Rugby-Teams oder die Geburt eines Enkelkindes voraus. Diese Gruppe benannten die Forscher mit "Happy Heart Syndrom".

Ihr gegenüber stehen 96 Prozent der 485 Probanden, deren akutes TTS durch negative Emotionen wie etwa durch den Verlust einer geliebten Person oder Mobbing am Arbeitsplatz hervorgerufen wurden. Diese Gruppe bekam den Namen "Broken-Heart-Syndrom", der oftmals auch für das TTS benutzt wird. In beiden Gruppen waren Frauen nach der Menopause mit einem Anteil von 95 Prozent vertreten. Damit stärkten die Forscher die bisherigen Erkenntnisse, dass vor allem diese Bevölkerungsgruppe an TTS erkrankt. In der untersuchten "Happy-Heart-Syndrom"-Gruppe lag das Durchschnittsalter bei 65 Jahren in der "Broken-Heart-Syndrom"-Gruppe bei 71 Jahren.

Auch fröhliche Ereignisse hinterfragen

Die Forscher schlussfolgern daraus: "Einer Takotsubo-Kardiomyopathie muss nicht zwingend ein negatives Stressereignis vorausgehen. Auch positive Emotionen können ein TTS auslösen. Das wird Auswirkungen auf die Anamnese der Patienten haben. Ärzte in den Notfallstationen und -praxen sollten wissen, dass Patienten mit Anzeichen eines Herzinfarktes, wie Brustschmerz und Atemnot, die zuvor ein fröhliches Erlebnis hatten, an einem Takotsubo-Syndrom leiden könnten. Genauso wie Patienten, die nach einer Stresssituation mit diesen Symptomen vorstellig werden", betont Ghadri.

Doch nicht nur Emotionen können der Auslöser für TTS sein. Auch physischer Stress oder neurologische Erkrankungen wie Hirnschlag, Epilepsie oder Hirnblutungen können zum TTS führen. Die Forscher sehen sich im Rahmen der Studie nun die Wechselwirkungen zwischen Hirn und Herz näher an.  

Quelle: n-tv.de

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