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Im Israel Museum soll das mit  Originalfunden rekonstruierte monumentale Mausoleum des umstrittenen biblischen Königs Herodes gezeigt werden.
Im Israel Museum soll das mit Originalfunden rekonstruierte monumentale Mausoleum des umstrittenen biblischen Königs Herodes gezeigt werden.(Foto: (C) Ulrich W. Sahm)

Palästinenser kritisieren Ausstellung: Aufregung um Herodes

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Es wäre die weltweit erste Ausstellung über das architektonische Erbe von König Herodes. Das Jerusalemer Israel Museum kündigt die Eröffnung für den 12. Februar an. Doch rund um die Aufsehen erregende Ausstellung entwickelt sich eine politische Kontroverse.

Hamdan Taha, stellvertretender Minister für Altertümer in der Palästinensischen Autonomiebehörde, kritisierte die Jerusalemer Israel geplante Herodes-Ausstellung: Die Ausstellungsobjekte seien unter Verletzung internationaler Konventionen ohne palästinensische Zustimmung aus dem besetzten Westjordanland nach Israel gebracht worden. Weder die Ausgrabung auf dem Herodionberg südwestlich von Bethlehem noch die Ausstellung seien mit der palästinensischen Behörde koordiniert worden.

Erst 2007, nach 35 Jahren Suche, entdeckte Netzer die Trümmer des Mausoleums sowie drei Sarkophage.
Erst 2007, nach 35 Jahren Suche, entdeckte Netzer die Trümmer des Mausoleums sowie drei Sarkophage.(Foto: Varda)

"Die Ausgrabung ist ein weiteres Beispiel für die Verwendung von Archäologie und Geschichte für ideologische Zwecke ... Das dient nicht einem umfassenden Frieden zwischen den beiden Völkern, dem palästinensischen und israelischen Volk", sagte Taha dem arabischen TV-Sender Al Arabija. Der Herodionberg liegt im israelisch besetzten "C-Gebiet", außerhalb der von Palästinensern seit den Osloer Verträgen verwalteten Territorien.

Museumsdirektor James Snyder erwiderte, keine Beschwerden von der Palästinensischen Autonomiebehörde empfangen zu haben. Israel sei verantwortlich für die Archäologie im Westjordanland. In Übereinstimmung mit dem Völkerrecht würden die Funde nach Ende der Ausstellung am 5. Oktober wieder an ihren Ursprungsort zurückgebracht. Bei einem Archäologenkongress in Jerusalem vor einigen Monaten war die Rede von Plänen, das riesige Mausoleum mit den Originalsteinen am Abhang des Herodions wieder zu errichten.

Mehr als 30 Tonnen Säulen und Steine

Archäologe Ehud Netzer
mit einem Fragment des Sarkophages von König Herodes. Netzer ist 2008 bei der Vermessung der Funde tödlich verunglückt.
Archäologe Ehud Netzer mit einem Fragment des Sarkophages von König Herodes. Netzer ist 2008 bei der Vermessung der Funde tödlich verunglückt.(Foto: Varda)

König Herodes war der König in Judäa vor 2000 Jahren und einer der größten Bauherren aller Zeiten. Im Israel Museum soll das mit den Originalfunden rekonstruierte monumentale Mausoleum des umstrittenen biblischen Königs gezeigt werden. Über 30 Tonnen Säulen, behauene Steine und vor Ort gefundene Reste von drei zertrümmerten Sarkophagen wurden in das Museum gebracht, wo Restaurateure seit über zwei Jahren damit beschäftigt sich, teilweise winzige Funde wie ein Puzzle wieder zusammen zu setzen.

Bei der Ausstellung soll auch der rekonstruierte Thronsaal aus dem Palast des Herodes in Jericho gezeigt werden, sowie die Nachbildung der königlichen Loge im Theater, die neben dem Mausoleum freigelegt worden ist. Sie ist noch zu Lebzeiten des Herodes wieder zugeschüttet worden und deshalb bestens erhalten. Sie war mit Fresken in schillernden Farben und bunt bemaltem Stuck verziert, möglicherweise von einem römischer Künstler aus Pompeji angefertigt.

Rufmordkampagne gegen den König?

Unter den Kleinfunden werden aus Süditalien importierte Weinkrüge gezeigt, mit lateinischer Inschrift: "Herodes König von Judäa." Herodes wurde im Neuen Testament und in zeitgenössischen Berichten von Historikern als blutrünstiger Tyrann dargestellt, der nach der Geburt Jesu alle Erstgeborenen in Bethlehem ermorden ließ. Ebenso soll er seine Frau und Söhne ermordet haben. Moderne Forscher bezweifeln die Echtheit manche dieser Vorwürfe gegen Herodes, und ganz besonders den vermeintlichen Kindermord von Bethlehem. Sie reden von einer seit Zweitausend Jahren währenden Rufmordkampagne gegen den König.

Herodes ist auch bekannt für anspruchsvolle Bauvorhaben, darunter der größte Seehafen der römischen Welt in Caesarea, der Neubau des im Jahr 70 von den Römern zerstörten Jerusalemer Tempels, Paläste in Jericho, auf Massada am Toten Meer und der Herodesburg auf dem künstlich aufgeschütteten Herodionberg bei Bethlehem. Die von den Juden verehrte Klagemauer in Jerusalem ist eine äußere Stützmauer der von Herodes initiierten Erweiterung des Tempelberg-Areals. Sie wurde mit Steinen errichtet, die bis zu 150 Tonnen wiegen. Auch das Grabmal der biblischen Erzväter in Hebron, darunter das des Abraham, wurde von Herodes gebaut.

"Nie hundertprozentige Sicherheit"

Erst im Jahr 2007 entdeckte der israelische Archäologe Ehud Netzer nach 35 Jahren andauernder Suche am Abhang des Herodion die Trümmer des ursprünglich 25 Meter hohen Mausoleums, sowie drei Sarkophage. Einer davon aus rötlichem Stein war besonders aufwendig mit gemeißelten Rosetten geschmückt. Obwohl der Sarkophag keine Inschrift trägt, sind die Archäologen sicher, dass es sich um den von jüdischen Zeloten zerschlagenen Sarkophag des Königs handelt.

Der Archäologe Joe Zias, der nicht an den Ausgrabungen beteiligt war, hält die Identifizierung für korrekt: "Es ist ein monumentales Grabmal an einem Ort, den er für sich selbst gebaut hat. Das ist so authentisch wie man es sich wünschen kann." Der Kurator der Ausstellung, Dudi Mevorah, bleibt vorsichtig: "Bei der Archäologie gibt es nie hundert prozentige Sicherheit."

Der Entdecker des Herodesgrabes, Netzer, ist kurz nach der Vollendung seines Lebenswerkes im Jahr 2008 beim Vermessen der Funde auf dem Herodion abgestürzt und tödlich verunglückt.

Quelle: n-tv.de

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