Wissen
Etwa in den Randgebieten von Windparks könnten die Austern angesiedelt werden.
Etwa in den Randgebieten von Windparks könnten die Austern angesiedelt werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Schutzgebiete im Blick: Ausgestorbene Auster soll zurück in Nordsee

Ihr Vorkommen ist seit 1241 belegt und endet um 1930 - bislang. Denn die Europäische Auster soll wieder in der Nordsee heimisch werden. Grund ist ihre überragende Bedeutung für das Ökosystem.

Meeresbiologen wollen die in der deutschen Nordsee ausgestorbene Europäische Auster wieder ansiedeln. In einem gemeinsamen Projekt suchen das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) nach geeigneten Standorten für den testweisen Besatz mit den Muscheln. Hintergrund des 854.000 Euro teuren Forschungsvorhabens ist die Bedeutung der Austernart (Ostrea edulis) für das Ökosystem. Die häufig vorkommende Pazifische Auster (Crassostrea pacifica) sei eine invasive Art, die aus naturschutzrechtlicher Sicht nicht gutgeheißen werden könne, erklärte der Meeresbiologe Henning von Nordheim. 

In Frage kämen die drei "Natura 2000"-Schutzgebiete Borkum-Riffgrund, Sylter Außenriff und Doggerbank, sagte die Vize-Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Karen Wiltshire, in Hamburg. Dort dürfe keine Bodenschleppnetz-Fischerei und kein Abbau von Sand oder Kies stattfinden. Geeignet sein könnten auch die Sperrzonen am Rande von Windparks. Man sei mit drei Windparkbetreibern im Gespräch, sagte die Leiterin des Wiederansiedlungsprojekts, Bernadette Pogoda.

Die Europäische Auster war bis 1930 in der deutschen Nordsee verbreitet, wie die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, erklärte. Belegt sei ihr Vorkommen im nordfriesischen Wattenmeer seit 1241. Durch Überfischung seien die Austernbänke im 19. Jahrhundert verschwunden. Eiswinter und Stürme sowie Krankheiten und Parasiten hätten eine Erholung der Bestände verhindert. "Es ist ein Beispiel dafür, wie schnell die Übernutzung eines Bestandes eintreten kann."

Tiere könnten Algenblüte verhindern

Die Europäische Auster wachse langsam, am liebsten auf dem Schalensubstrat der eigenen Art. Dadurch entstünden Riffe, die vielen anderen Tieren Nahrung, Schutz und Kinderstube böten, erklärte Jessel. Eine Auster filtere 240 Liter Meerwasser pro Tag. Eine Population könne toxische Algenblüten verhindern. 

Überall ausgestorben ist die Europäische Auster nicht: Es gibt Restbestände in Norddänemark, England, Schottland, Irland und Frankreich. Kürzlich wurde eine Muschelbank vor der niederländischen Küste entdeckt. Teilweise wird die Art auch gezüchtet. In Frankreich werden allerdings vor allem Pazifische Austern kultiviert, die am Atlantik in drei Jahren und am Mittelmeer in nur sechs Monaten die notwendige Größe erreichen. Auch um Sylt ist die asiatische Art seit einigen Jahrzehnten verbreitet.

Im Unterschied zur Europäischen Auster bilde die Pazifische keine Riffe im Meer. Ihre betonharten Ablagerungen seien direkt an der Küste zu sehen, Jungtiere bevölkerten auch die Spundwände von Hafenanlagen, sagte der Biologe von Nordheim, der die Abteilung Meeresnaturschutz des BfA leitet. Während die Europäische Auster selbst nicht unter Naturschutz steht, fordert die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU die Bewahrung und Wiederherstellung der Riffe.

Ob sich ein neu angesiedelter Bestand von Europäischen Austern gegen die pazifische Konkurrenz behaupten könnte, ist nicht ganz klar. Projektleiterin Pogoda geht davon aus, dass die vor allem im Flachwasser lebende Pazifische Auster nicht in das 25 bis 30 Meter tiefe Wasser wandern wird, das die Europäische Auster bevorzugt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen