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Bäume in Städten erhöhen Luft- und Lebensqualität.
Bäume in Städten erhöhen Luft- und Lebensqualität.(Foto: imago/blickwinkel)
Dienstag, 14. November 2017

Wärmeeffekte in Metropolen: Bäume wachsen in Städten schneller

In Zukunft wird es noch mehr Menschen in Städten geben. Umso wichtiger, dass es auch in Ballungsräumen viel Grün gibt. Wie die Bäume auf ihre städtische Umgebung reagieren, finden Forscher heraus.

Sie sind Luftreiniger, Sauerstoffspender und Lebensraum: Bäume sind, egal an welchem Ort, wichtig. Sie werden auch "grüne Lunge der Erde" genannt, denn sie benötigen für die Fotosynthese große Mengen Kohlendioxid. Das Treibhausgas kurbelt den Klimawandel an. Wie Bäume in Städten auf die sich durch den Klimawandel verändernden Umweltfaktoren reagieren, haben Forscher der Technischen Universität München untersucht. Ein Hauptmotiv für diese Untersuchung stellte der anhaltende Trend zum Leben in der Stadt weltweit dar. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Zahl der Menschen in Städten bis 2030 um 60 Prozent steigen wird. Umso wichtiger ist es, dass in solchen Metropolen Bäume die Luft und die Lebensqualität verbessern.

Für ihre Untersuchung ließen sich die Forscher vom Lehrstuhl für Waldwachstumskunde Proben von Baumkernen aus Berlin, Brisbane, Hanoi, Houston, Kapstadt, München, Paris, Prince George, Sapporo und Santiago de Chile schicken. Die Auswahl der Städte wurde so vorgenommen, dass die Proben der Bäume aus verschiedenen Klimazonen stammen. Die Bandbreite reichte von kaltgemäßigtem über gemäßigtes, mediterranes bis hin zu subtropischem Klima. Insgesamt wurden Proben von knapp 1400 meist ausgewachsenen Bäumen analysiert. In jeder Stadt wurde eine typische und vorherrschende Baumart ausgewählt, die sowohl im Stadtzentrum als auch in der ländlichen Umgebung heimisch ist.

Erhebliche Wachstumsunterschiede

Das Forscherteam um Professor Hans Pretzsch stellte einen deutlichen Wachstumsunterschied zwischen den Bäumen in der Stadt und in ländlichen Umgebungen fest. "Wir können zeigen, dass Stadtbäume bei gleichem Alter im Durchschnitt größer sind als ländliche Bäume, denn die Stadtbäume wachsen schneller", sagt Pretzsch. Bei näherer Betrachtung nehme der relative Größenunterschied von städtischen gegenüber ländlichen Bäumen mit zunehmendem Alter wieder ab, bleibe jedoch relevant. "Während der Unterschied im Alter von 50 Jahren noch etwa ein Viertel beträgt, sind es bei einem Baumalter von 100 Jahren immer noch knapp 20 Prozent."

Die Forscher gehen davon aus, dass der sogenannte Wärmeinsel-Effekt der Grund für das schnellere Wachstum von Bäumen in Städten ist. Die Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Land kann zwischen zwei und zehn Grad Celsius betragen. Höhere Temperaturen können in zweierlei Hinsicht das Wachstum von Bäumen steigern: Einerseits regen sie die fotosynthetische Aktivität an. Andererseits verlängern sie die Vegetationsperiode, was die Zeitspanne im Jahr vergrößert, in der Bäume wachsen können.

Die zunächst positiv erscheinende Wachstumssteigerung gehe aber auch mit einem schnelleren biologischen Altern der Bäume einher. Das raschere Durchlaufen des Lebenszyklus könne dazu führen, dass Stadtverwaltungen unter Umständen künftig früher für Ersatz überalterter, früher absterbender Bäume sorgen müssten, so der Experte.

Auch Klimawandel regt Wachstum an

Die Forscher wiesen zudem darauf hin, dass durch den Klimawandel seit den 1960er-Jahren sowohl städtische als auch ländliche Bäume in allen untersuchten Klimazonen erheblich schneller wuchsen. Es scheint so, als hätten die Bäume trotz Dürreperioden bisher vom Klimawandel profitiert.

Aber: Auch wenn Stadtbäume generell schneller wachsen als ländliche Bäume, haben Letztere zumeist stärker vom Klimawandel profitiert. Dies könnte ein bald eintretendes Limit andeuten. "Wir vermuten das, weil Stadtbäume durch den Wärmeinseleffekt den Klimawandel quasi vorverlegt erleben", sagt Pretzsch, "in einer derzeit laufenden Studie versuchen wir solche Mechanismen aufzudecken, um rechtzeitig problematische Nebeneffekte zu erkennen."

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Nature".

Quelle: n-tv.de

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