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Viel mehr als gedachtBakterien im Darm

24.11.2008, 11:51 Uhr

Die Artenvielfalt der Bakterien im menschlichen Darm ist zehnmal größer als bislang vermutet und liegt bei mehr als 5000 verschiedenen Stämmen.

Die Artenvielfalt der Bakterien im menschlichen Darm ist zehnmal größer als bislang vermutet und liegt bei mehr als 5000 verschiedenen Stämmen. Das berichtet eine Gruppe um David Relman von der Universität Stanford im Journal "PloS Biology".

Die Forscher hatten den Darminhalt von drei gesunden Freiwilligen zu verschiedenen Zeiten genetisch untersucht. Sie wählten dafür ein Stück aus der Erbsubstanz, das in allen lebenden Zellen vorkommt. Von Organismus zu Organismus gibt es darin feine Unterschiede. Wer also wissen möchte, wie viele verschiedene Organismen in einer Probe leben, muss lediglich alle Varianten in der Erbsubstanz für dieses Protein kennen. Die dafür nötige Technik steht zur Verfügung.

Hilfreiches Milliardenheer

Bislang gingen viele Forscher von etwa 500 verschiedenen Bakterienarten aus, schreiben Relman und seine Kollegen, nun sind es mehr als 5600. Es gibt so viele Individuen im Darm, dass etwa zehn von ihnen auf jede Körperzelle kommen, erklärt die Gruppe zudem. Viele Bakterien seien bislang nicht entdeckt worden, weil sie sich in Kulturschalen nicht oder nur sehr schlecht züchten lassen.

Die Bakterien helfen dem Menschen unter anderem beim Verdauen der Nahrung. Zuweilen produzieren sie daraus auch Stoffe, die wir selbst nicht produzieren können. Zudem verhindert eine intakte Darmflora, dass sich statt ihrer eine andere – potenziell schädliche – ausbreitet. Die Forscher gaben ihren Probanden außerdem das weit verbreitete Antibiotikum Ciprofloxacin und wiederholten die genetische Analyse in der Folge mehrfach.

Dabei zeigte sich, dass das Präparat ein Drittel der Bakterien im Darm beeinflusste. Einige Arten gingen unter dem Einfluss des Medikamentes zurück, andere vermehrten sich langsamer, manche verschwanden und waren auch nach sechs Monaten noch nicht zurück. Trotz dieser umfassenden Umgestaltung ihrer Darmflora berichteten die Versuchspersonen nicht von Problemen mit der Verdauung. Etwa vier Wochen nach der Einnahme habe sich die ursprüngliche Artenzusammensetzung des Darms weitgehend wieder eingestellt.