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Vogelkirsche und Sibirische SchwertlilieBaum und Blume 2010

22.10.2009, 12:00 Uhr

Die Auszeichnungen als Baum beziehungsweise Blume des Jahres gehen an die schneeweiß blühende Vogelkirsche und die Sibirische Schwertlilie mit ihren leuchtend blau-violetten Blüten.

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Die Vogelkirsche ist die Urform unserer Süßkirschen. (Foto: WIKIPEDIA/Ichneumon)

Die Vogelkirsche begleite die Menschen seit Jahrtausenden, sei heute aber nur noch selten zu finden, teilte das Kuratorium Baum des Jahres in Berlin mit. Süßkirschen seien Zuchtformen der Vogelkirsche und nur schwer voneinander zu unterscheiden. Da die Vogelkirsche (Prunus avium) Hitze und Trockenheit verträgt, könnte sie vom Klimawandel profitieren, sagte der Kuratoriumsvorsitzende Silvius Wodarz.

In der Krone einer frei stehenden Vogelkirsche mit bis zu einer Million Blüten gibt es reichlich Nektar für Hummeln und Bienen. Der genügsame Baum kann im Wald bis zu 30 Meter hoch und 150 Jahre alt werden. Da er nur wenig Nährstoffe und Feuchtigkeit braucht, wächst er auch auf Schuttflächen.

Vogelkirschen stehen an Waldrändern und in freien Landschaften. Die Früchte der Wildform sind deutlich kleiner als Süßkirschen. Alleen mit Vogelkirschen seien selten geworden, sie finden sich noch an Nebenstraßen und Feldwegen. Auch im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg gibt es noch eine solche Baumreihe. Das wertvolle Holz der Vogelkirsche ist auch als Furnier geschätzt.

Für die Veredelung zur Süßkirsche werden Zweige auf die Vogelkirsche gepfropft. Kulturkirschen sind an knollenartigen Verdickungen des Stammes - der Pfropfstelle - zu erkennen. Die Römer brachten die Kulturkirsche nach Mitteleuropa. Heute beträgt die Jahresernte an Süßkirschen weltweit etwa 2 Millionen Tonnen. In Europa ist Deutschland das Land mit der größten Erntemenge (2008: rund 60 000 Tonnen ohne private Kirschbäume).

Kirschkerne als Kunstobjekt

Kirschkerne sind auch Kunstobjekte. Im "Grünen Gewölbe" in Dresden ist ein Kern aus dem Jahre 1589 mit 185 geschnitzten Gesichtern zu bewundern. Kirschkernkissen lindern zudem Rheuma und Hexenschuss. Auch Weltmeisterschaften im Kirschkern-Weitspucken werden ausgetragen. Ein ästhetisches Highlight der Vogel- und Süßkirsche ist ihre leuchtende Herbstfärbung, betonte das Kuratorium. Dass Gremium empfahl, jetzt einen Kirschbaum zu pflanzen.

2008 Bergahorn geehrt

Im Vorjahr war der Bergahorn gekürt worden. Die Auszeichnung wird seit 1989 jährlich vergeben. Mehrere Organisationen gründeten 1991 das Kuratorium Baum des Jahres. Mit der Baum-Wahl soll mehr Sensibilität für das lebendige Kulturgut geschaffen werden. Nur wer etwas über Baumarten wisse, könne auch ökologische Zusammenhänge verstehen, argumentiert der Deutsche Forstverein.

Auch Blume des Jahres gekürt

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In Deutschland gibt es kaum noch Wildstandorte der Sibirischen Schwertlilie. (Foto: dpa)

Blume des Jahres 2010 wurde die Sibirische Schwertlilie. Die Loki Schmidt Stiftung wollte damit die Aufmerksamkeit auf eine außergewöhnliche Pflanze lenken, deren Bestand in Deutschland stark gefährdet sei. Ursache für das Verschwinden in der Natur seien vor allem Trockenlegungen von Wiesen und Niedermooren, teilte die Stiftung mit.

Obwohl es kaum noch Wildstandorte gebe, werde die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) vielen Menschen bekannt vorkommen, weil sie heute eine beliebte Zierpflanze in vielen Gärten sei, sagte Loki Schmidt, Ehefrau von Ex-Kanzler Helmut Schmidt, bei der Vorstellung der neuen Blume des Jahres.

"Die Wildform kommt nur auf feuchten Wiesen und Wasserrändern vor. Es gibt aber von dieser reizvollen Pflanze zahlreiche gezüchtete Sorten, die in kahlen, auch auf trockenen Böden wachsen", betonte die Naturschützerin. Sie selbst habe vor Jahren in ihrem Garten die Schwertlilie um einen rotblättrigen, japanischen Ahorn gepflanzt. Die Blüte, die von Hummeln bestäubt werde, öffne sich von Mai bis Juni.

Eine "Symphonie in Blau"

Die Blume des Jahres 2010 wird schon seit dem 16. Jahrhundert kultiviert. Bereits 1977 schrieb Loki Schmidt über die Sibirische Schwertlilie: "Diese schöne grazile Iris habe ich leider noch nie als Wildpflanze gesehen. Dafür kann ich sie jedes Jahr im Mai in üppiger Fülle in meinem Garten genießen. Ich freue mich an den schlanken, manchmal fast ein Meter hohen Pflanzen mit ihren grasartigen Blättern." Fast wie ein tropischer Schmetterling schwebe zur Blütezeit eine "Symphonie in Blau" über den zarten Blättern, schwärmte Schmidt.

Iris beliebt in der Kunst

In Europa gab es bereits stilisierte Iris-Abbildungen in der minoischen Zeit (3000 bis 1200 v. Chr.) auf Kreta, später zierte die Iris auch römische Mosaik-Fußböden. Insbesondere in der Malerei gab es zur Barockzeit in Deutschland geradezu eine Hochblüte der Pflanzendarstellung. Dabei war die Sibirische Schwertlilie besonders beliebt.

Quelle: dap