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Opfern für die GemeinschaftBlattläuse werden zu Pflaster

01.03.2009, 13:37 Uhr

Bei Gefahr pressen sich Blattläuse über eine Verletzung der gemeinsamen Wirtspflanze aus. Sie sterben, aber die Wirtspflanze erholt sich schneller und bietet den anderen eine sichere Heimstatt.

Soldaten einer sozialen japanischen Blattlausart opfern sich bei Gefahr auf spektakuläre Weise für ihre Gemeinschaft. Dafür pressen sie ihren Leib über einer Verletzung der gemeinsamen Wirtspflanze aus – und sterben dabei. Im Schutz des so entstehenden Wundpflasters heilt das verletzte Gewächs dann aber schneller und bietet den übrigen Blattläusen wieder eine sichere Heimstatt. Darüber berichten japanische Wissenschaftler um Takema Fukatsu von der Universität Tokio.

Saft und Schutz der Zaubernuss

Die Art Nipponaphis monzeni lebt in Gruppen von mehreren Tausend Individuen, bevorzugt auf dem Zaubernussgewächs Distylium racemosum. Aus ihr saugen sie Pflanzensäfte. Als Behausung dienen den Insekten Gallen, die diese Pflanze ausbilden, wenn sie von den Läusen besiedelt und angezapft werden. Im Inneren dieser "Knubbel" sind die parasitären Tiere dann gut geschützt.

Mitunter fressen sich aber Schmetterlingslarven ins Innere, um ebenfalls vom Schutz der Höhle zu profitieren – und im schlimmsten Fall gar Läuse und das wuchernde Pflanzengewebe zu fressen. Unter solchen Umständen aktivieren die Läuse ihr "Erste-Hilfe-Paket", indem sie ihre Soldaten zur Verletzungsstelle schicken, die ihr Inneres geben, um die Wunde zu schließen. Die Mischung aus Körpersaft und Lausteilen lässt einen Schorf entstehen, der die Zaubernuss vor eindringenden Keimen schützt. "Durch das Körpersaft-Pflaster heilt die Wunde wesentlich schneller, als wenn sie offen bleibt", berichten die Forscher.

Überlebensrate verglichen

Die Gruppe um Fukatsu verglich die Überlebensrate von Gallen, die unbehandelt blieben mit denjenigen, die von den Läusen zugeklebt wurden. Gallen mit Läusepflaster überlebten eher als Wucherungen ohne Schutz. Verschlossen die Wissenschaftler die Wunden selbst mit einem speziellen Kleber, überlebten die Gallen zwar besser als ungeschützte, doch die Pflanzen bildeten keinen eigenen Schorf.

Daraus schließen Fukatsu und seine Kollegen, dass die Läuse die Pflanzen dazu bringen, ihre Wunden nach der fremden Soforthilfe selber zu verschließen und neues Gewebe zu bilden. "Wahrscheinlich injizieren die Läuse spezielle Substanzen über ihre Saugrüssel in die Pflanze, die das Wachstum anregen", erklären die Autoren.