Langfristige ErderwärmungCO2 bleibt tausende Jahre
Selbst wenn der Mensch unerwartet schnell mit dem Freisetzen von CO2 aufhört, werden die bereits in Gang gesetzten Heizeffekte in der Atmosphäre noch mehr als 1000 Jahre anhalten.
Selbst wenn der Mensch unerwartet schnell mit dem Freisetzen des Treibhausgases Kohlendioxid aufhört, werden die bereits in Gang gesetzten Heizeffekte in der Atmosphäre noch mehr als 1000 Jahre anhalten. Das geht aus neuen Berechnungen einer Gruppe um Susan Solomon der US-Klima- und Wetterbehörde NOAA in Boulder (US-Staat Colorado) hervor.
Zwar nähmen die Ozeane im Lauf der Zeit rund 80 Prozent des Treibhausgases auf, erklären die Forscher. Das sorge jedoch nicht dafür, dass auch die Temperatur in gleichem Maße sinke. Daher bleibe das System Erde noch viele Jahrhunderte länger warm, und deshalb werde es im Jahr 3000 noch etwa so warm sein wie am Ende des 21. Jahrhunderts. In ihren Simulationen hatten die Forscher den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2100 steigen lassen, dann gestoppt und die Folgen untersucht. Die Studie ist in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften nachzulesen ("PNAS").
Zwei-Grad-Schmerzgrenze
Derzeit gilt im weltweiten Durchschnitt eine Temperaturerhöhung um zwei Grad als das Maximum dessen, was ohne existenzielle Katastrophen für den Menschen zu bestehen wäre. Momentan liegt die Temperatur etwa 0,7 Grad Celsius höher als vor der Industrialisierung – als deren Beginn gilt das Jahr 1750. Damals waren in einer Million Teilen Luft etwa 280 Teile CO2 (280 ppm, parts per million), derzeit sind es rund 380 ppm. Auch der Meeresspiegel werde nach dem Rückgang der Treibhausgas-Emissionen steigen – schlicht, weil sich das wärmer werdende Wasser ausdehnt, zusätzlich zum einströmenden Schmelzwasser der Gletscher. "Es war schon lange bekannt, dass das Kohlendioxid, das durch den Menschen in die Atmosphäre gelangt, für tausende Jahre dort bleibt”, erklärte Solomon. "Die neue Studie bringt uns mehr Details dazu, was dabei passiert."
Weniger Niederschläge
In ihren Simulationen ließen die Forscher die CO2-Konzentrationen bis etwa 2100 auf verschiedene Konzentrationen jenseits des heutigen Niveaus steigen – auf 450, 550, 650, 750, 850 und 1200 ppm – und die Emissionen dann abrupt enden. Im Bereich von 450 bis 600 ppm gäbe es auch danach noch dauerhafte Rückgänge bei den Niederschlägen, so wie sie in den 1930er Jahren in Nordamerika ("Dust Bowl") auftraten. Solche Zonen könnten sich den Kalkulationen zufolge künftig auch in Südeuropa, Nordafrika, im Südwesten Nordamerikas, im südlichen Afrika sowie im Westen Australiens erstrecken. Der Rückgang des Regens werde nicht über Jahrzehnte, sondern über Jahrhunderte währen.
Die Folgen: schlechtere Wasserversorgung des Menschen, mehr natürliche Feuer, sich ausdehnende Wüsten. Wenn das CO2 seinen höchsten Stand bei 600 ppm erreiche, sei im Jahr 3000 unausweichlich mit einem Meeresspiegel-Anstieg um 0,4 bis 1,0 Meter zu rechnen. Dieser Wasserstand werde bei 1000 ppm CO2 doppelt so hoch ausfallen. "Unsere Studie hat uns davon überzeugt, dass aktuelle Entscheidungen zur Freisetzung von Kohlendioxid ein Vermächtnis haben, die den Planeten irreversibel verändern", hieß es bei Solomon. Unterdessen hat US-Außenministerin Hillary Clinton Todd Stern zum US-Klimabeauftragten ernannt.
Er soll eine Reduktion der Treibhausgase vorantreiben – national und international. Stern hatte die US-Delegation bei den Kyoto-Verhandlungen 1997 geleitet. Clinton sagte, Stern werde "entschlossen" Verhandlungen mit den anderen größeren Luftverschmutzern der Welt suchen, um eine Vereinbarung über eine Verringerung der Emissionen zu erzielen. "Wir haben keinen Mangel an Beweisen, dass die Welt mit einer Klimakrise konfrontiert ist", sagte Clinton.