Sonntag, 11. November 2007
"Die Dosis macht das Gift": Cannabis schädigt Lunge
Langjähriger Cannabis-Konsum soll nicht nur das Gehirn beeinträchtigen, sondern kann auch zu schweren Lungenschäden führen. Das ergab eine Studie der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie am Inselspital Bern. Unter den Patienten, die dort in den letzten Jahren wegen Lungenkollaps und Lungenemphysem operiert werden mussten, befanden sich etliche junge Menschen mit fortgeschrittener Zerstörung des Lungengewebes, berichtete der Klinikdirektor Ralph Schmid.
Die Lunge bildet bei diesen Erkrankungen zuerst große Blasen, danach platzt eine dieser Blasen und die Lunge kollabiert, weil sie wegen der ausgetretenen Luft nicht mehr genug Platz zum Atmen hat. Dieses sogenannte bullöse Lungenemphysem kam nach Angaben der Klinik früher in dieser ausgeprägten Form bei jungen Patienten nicht vor. Schmid ging diesem Phänomen nun nach und untersuchte 17 Patienten im Durchschnittsalter von 27 Jahren, die im Schnitt nicht nur 11,8 Jahre lang Zigaretten, sondern auch knapp neun Jahre lang täglich sechs Joints geraucht hatten.
Die Wissenschaftler wiesen Cannabis-Fasern nach, die aus den ungefilterten Joints direkt in die Lunge gelangen und dort als Entzündungsherde wirken. Welche der inhalierten schädigenden Substanzen im Rauch für den ausgeprägten Lungenschaden verantwortlich ist, ist bisher unklar. In einer Kontrollgruppe mit Patienten im gleichen Alter trat kein Lungenemphysem auf, obwohl sich in dieser Gruppe 74 regelmäßige Tabak-Raucher befanden. "Die Dosis macht das Gift: Wer jahrelang regelmäßig, insbesondere täglich, Cannabis konsumiert, muss mit schweren Lungenschädigungen und Atembehinderungen rechnen", sagte Schmid.
Schäden irreparabel
Die zum Teil sehr großen Blasen in der Emphysem-Lunge der 17 Cannabis-Raucher wurden per Schlüssellochtechnik operiert: Die Blasen wurden entfernt, so dass die Restlunge im Brustkorb wieder mehr Platz zum Atmen hatte. Im Extremfall genügte aber diese Operation nicht mehr für die Aufrechterhaltung der Atemfähigkeit. Es stelle sich deshalb die Frage, ob einige dieser Patienten in Zukunft Kandidaten für eine Lungen-Transplantation sein würden, erklärte die Klinik.
Bereits seit längerem ist bekannt, dass regelmäßiger Cannabis-Konsum zu langfristigen Veränderungen im Gehirn führen und psychische Störungen wie etwa Schizophrenie zumindest mit auslösen kann.
AP
Hintergründe zur Nachricht
Wissen
-
Ähnlich komplex wie beim Menschen
Erbgut der Hydra entziffert
-
Nur "HDTV-Krabben" werden attackiert
Kraken mit eigener Persönlichkeit
-
Experte warnt vor Jugendtrend
"Shisha-Rauchen ist schädlich"
-
"Arche Noah" für Pflanzen
500.000 Samen bereits eingefroren
-
Fundsache Nr. 808
51 Wikinger-Skelette
-
Klimawandel XXL
Antarktis war früher subtropisch
-
Fundsache Nr. 807
Flaschenpost aus der DDR
-
Ort der Erinnerungen aufgestöbert
Forscher können Gedanken lesen
-
Esst mehr Gemüse!
Mit Grünkohl sieht man besser
-
Elfenbeinverkauf gefährdet Elefanten
Totales Handelsverbot soll bleiben
-
Europas Wilder Westen
Gold und Raketen in Französisch-Guayana
-
Wie Contergan wirkt
Ursache für Fehlbildung entdeckt

