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Im Größenvergleich: ein Streichholz und ein Raupenpilz, der aus einer abgestorbenen Raupe herauswächst.
Im Größenvergleich: ein Streichholz und ein Raupenpilz, der aus einer abgestorbenen Raupe herauswächst.(Foto: Wikimedia / Nicolas Merky / CC-BY-SA-3.0-DE)

"Viagra vom Himalaya": Chinesen zahlen viel Geld für Wunderpilz

Er soll gegen Krebs und Impotenz helfen: Der Raupenpilz ist fester Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin - und heiß begehrt. In Tibet, wo der Pilz geerntet wird, kommt es deshalb zu Konflikten, gegen die selbst der Dalai Lama machtlos ist.

Es sind verschrumpelte Würmer, aus deren Kopf ein Zweiglein ragt - Raupenpilze. Mit seinen ledrigen Fingern fasst Zande Gongba in eine Plastiktüte voll der seltsamen Gebilde. Mehr als umgerechnet 12.000 Euro ist der Beutelinhalt wert. Die Raupenpilze lassen sich beinahe in Gold aufwiegen.

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Gongba hat gerade ein halbes Kilogramm des kostbaren Pilzes an einen Händler in der abgelegenen Stadt Tongren im Hochland von Tibet verkauft. Vielen gilt der Raupenpilz als "Viagra vom Himalaya". Doch in der chinesischen Medizin ist der Parasit nicht nur wegen seiner angeblich potenzfördernden Wirkung begehrt. Sogar Krebs soll er heilen.

"Früher war die Nachfrage nicht so groß, aber seit wir wissen, was er wert ist, gibt es eine Menge Auseinandersetzungen deswegen unter den Nachbarn", sagt Gongba. Im Streit um das Recht, Raupenpilze in den grünen Hügeln rund um Tongren sammeln zu dürfen, wurden kürzlich sogar zwei Menschen getötet.

Ausländische Menschenrechtsgruppen zeigen im Internet Fotos, auf denen mit Macheten bewaffnete Dorfbewohner Dutzenden Polizisten gegenüberstehen. "Gewalt widerspricht den Überzeugungen aller, die an Karma und Buddhismus glauben", mahnte der Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der Tibeter, aus dem Exil seine Landsleute. "Wir wissen, dass das nicht gut ist, aber so ist das Leben und es muss weitergehen", kommentiert Gongba die Unruhen, während er in einem schummrigen schmutzigen Zimmer unter einem Bild des Dalai Lama sitzt.

"Dongchongxiacao" heißt der Raupenpilz auf Chinesisch, das bedeutet "Winterwurm, Sommergras". Er befällt Schmetterlingsraupen und frisst sie von innen auf, bis er aus ihrem Kopf wieder austritt. Die Raupenpilze zu sammeln ist harte Arbeit, die oft von den Söhnen armer Bauern erledigt wird. Selbst bei Minusgraden robben sie durch die Wiesen, um das Gras zu durchkämmen. Je nach Saison bringt ihnen ein Pilz mehr als zwei Euro ein - viel Geld für die Menschen in dieser bitterarmen Region.

Gegen Magen- und Brustkrebs

Die Käufer aus der chinesischen Oberschicht zahlen weit mehr dafür. Sie verwenden den Raupenpilz nicht als Medizin, sondern als Zutat für Suppen und Wildgerichte bei luxuriösen Dinnerpartys.

Millionen anderer Chinesen schwören auf die Heilkraft des Parasiten. "Wir haben Patienten mit Magen- und Brustkrebs, die im Grunde geheilt waren, nachdem sie eine halbes Kilo Raupenpilze eingenommen hatten", sagt Yang Mengxian, die das größte Geschäft für den Pilz in Tongren betreibt. "Andere haben Probleme mit der Fortpflanzung. Sie kochen den Pilz mit einem Huhn zu einer Suppe, die sie dann einmal pro Woche trinken. Dadurch haben sie ein großartiges Sexleben und kein Problem mehr, ein Kind zu zeugen."

Wissenschaftlich ist die Wirkung des Pilzes nicht bewiesen, doch das schreckt die Konsumenten nicht ab. Der Unternehmer Shen Tong aus der östlichen Provinz Zhejiang hat schon umgerechnet 95.000 Euro für Raupenpilze ausgegeben. Jeden Tag trinkt der 49-Jährige eine Tasse Tee, die er aus fünf Raupenpilzen zubereitet. "Das schmeckt und riecht fischig", sagt der Unternehmer, der sich den Trunk täglich 23 Euro kosten lässt. "Man muss die Raupenpilze regelmäßig über längere Zeit einnehmen, mindestens drei Jahre. Nur dann profitiert man gesundheitlich davon."

Quelle: n-tv.de

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