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(Foto: imago/Rüdiger Wölk)
Freitag, 10. November 2017

Eine Stunde, sechs Wochen lang: Computerspiele verändern Hirnstrukturen

Das Internet hält Einzug in fast allen Bereichen des Lebens. Online-Spiele boomen. Doch das hat Auswirkungen - auch auf die Struktur des Gehirns. Forscher können nun sagen welche.

Über die Frage, ob Online-Spiele süchtig machen und wie lange man spielen kann, ohne negative Auswirkungen zu haben, wird immer wieder gestritten. Forscher der Universität Ulm haben deshalb untersucht, ob sich die Strukturen im Gehirn ändern, wenn man täglich eine Stunde das populäre Online-Spiel "World of Warcraft" (WoW) spielt.

Die Abbildung zeigt verschiedene Kartogramme zum Volumen-Vergleich der grauen Masse (GMV) im orbitofrontalen Kortex (OFC).
Die Abbildung zeigt verschiedene Kartogramme zum Volumen-Vergleich der grauen Masse (GMV) im orbitofrontalen Kortex (OFC).(Foto: Universität Ulm)

Für die Untersuchung wurden insgesamt 119 Personen gewonnen, die in drei verschiedene Untersuchungsgruppen eingeteilt wurden. 41 von ihnen waren Spieler mit ausgeprägter Spielerfahrung, 78 davon hatten keine oder kaum Vorkenntnisse in diesem Bereich. Die Spiel-Neulinge wurden wiederum in zwei Gruppen eingeteilt, in einer sollten die Studienteilnehmer täglich mindestens eine Stunde WoW spielen musste, die andere durfte als Kontrollgruppe weiterhin ganz ohne Online-Spiele bleiben.

Bei allen Studienteilnehmern wurde vor und nach den sechs Wochen ein Gehirn-Scan mittels Magnetresonanztomografie durchgeführt und die Bilder miteinander verglichen. Tatsächlich zeigten sich Effekte in der Gruppe der Spieler. Die Forscher sahen im Bereich des sogenannten orbitofrontalen Cortex (OFC), einem Areal im Gehirn, das sich direkt über der Augenhöhle vorne im Schädel befindet, eine Abnahme der grauen Substanz. Die Experten gehen davon aus, dass  dieser Bereich insbesondere zuständig für die Kontrolle von Emotionen und Entscheidungen ist. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass durch Online-Spiele neuroplastische Prozesse in Gang gesetzt werden - und das schon nach sechs Wochen.

Kleinere Bereiche im Gehirn

Der bereits zu Studienbeginn gemachte MRT-Scan zeigte, dass der orbitofrontale Kortex von den erfahrenen Spielern ein geringeres Volumen im Vergleich zu den Nicht-Spielern einnimmt. Die Wissenschaftler standen vor der Frage, ob dieses reduzierte Hirnvolumen eine Folge oder eine Voraussetzung für Computerspielabhängigkeit oder Internetsucht sind. "Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass reduzierte OFC-Volumen tatsächlich eine Folge von Internet Gaming darstellen können", fassen die Forscher die Ergebnisse zusammen.

"Wir wollten in unserer Studie beispielhaft zeigen, dass Internet-Gaming tatsächlich Spuren im Gehirn hinterlassen kann. Möglicherweise wären bei anderen Spielen ähnliche Beobachtungen zu machen. Dies müsste allerdings noch getestet werden", so Professor Christian Montag vom Institut für Psychologie und Pädagogik. Für World of Warcraft entschieden sich die Forscher, wegen des hohen Bekanntheitsgrades und der großen Verbreitung des Spieles. Zudem wird das Fantasy-Spiel bei Kritikern als besonders relevant im Hinblick auf Computerspielsucht gehandelt.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher für die Society for the Study of Addiction in der Wiley Online Library.

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Quelle: n-tv.de

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