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Eine Hausmaus.
Eine Hausmaus.(Foto: picture alliance / dpa)

Probiotikum beeinflusst Hirnchemie: Darmbakterien hemmen die Angst

Im Darm finden sich tausende von Bakterienarten. Eine Erhöhung von sogenannten probiotischen Bakterien über die Nahrung nimmt die Angst und macht stressresistent - zumindest bei Versuchen mit Mäusen, finden US-Forscher heraus. Ob probiotische Bakterien auch die Hirnchemie von Menschen mit Angststörungen beeinflussen kann, blieb offen.

Bestimmte probiotische Bakterien hemmen bei Mäusen ängstliche und depressive Verhaltensweisen. Die Bakterien im Darm der Mäuse verändern die Hirnchemie und senken den Gehalt von Stresshormonen im Blut, berichten Wissenschaftler in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). Sie sind der Ansicht, dass ihre Studie auf neue Ansatzpunkte bei der Behandlung von stressbedingten Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen hinweist.

Javier Bravo vom University College Cork (Irland) und seine Mitarbeiter hatten gesunden Mäusen entweder normale Brühe verabreicht oder aber solche, die mit Lactobacillus-rhamnosus-Bakterien (JB-1) versetzt war. Diese Bakterien zählen zu den so genannten probiotischen Bakterien, die sich im Darm ansiedeln und von denen Experten annehmen, dass sie die Gesundheit positiv beeinflussen.

Weniger Stresshormone

Vor allem in bestimmten  Milcherzeugnissen sind probiotische Bakterien zu finden.
Vor allem in bestimmten Milcherzeugnissen sind probiotische Bakterien zu finden.(Foto: dpa)

Die Forscher unterzogen die Mäuse dann einer Reihe von Stresstests. Es zeigte sich, dass die mit probiotischen Bakterien gefütterten Mäuse deutlich weniger ängstlich waren. Dies äußerte sich zum Beispiel darin, dass sie sich viel häufiger als gewöhnlich in den offenen Bereichen eines Labyrinths aufhielten. Die Nager hatten dementsprechend auch deutlich weniger des Stresshormons Corticosteron im Blut.

Weiter zeigten die Wissenschaftler, dass ein Rezeptor für den Neurobotenstoff GABA in bestimmten Bereichen des Gehirns vermehrt gebildet wurde – und zwar genau dort, wo in Tiermodellen der Depression üblicherweise ein Mangel des Rezeptors festgestellt wird. Weniger Rezeptoren fanden die Forscher hingegen in den Hirnregionen, in denen er bei Stress oder Angst normalerweise vermehrt gebildet wird. Ihre Untersuchung zeige, dass probiotische Bakterien die Gehirnchemie verändern könnten, schreiben die Forscher.

Durchtrennten die Wissenschaftler den so genannten Vagus-Nerv, einen Hirnnerv, verschwanden die Effekte, die durch den Verzehr der probiotischen Bakterien hervorgerufen worden waren. Dies zeige, dass der Vagis-Nerv eine bedeutende Rolle bei der Informationsübertragung von den Bakterien im Darm zum Gehirn spiele.

Quelle: n-tv.de

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