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Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten. Raucher sind besonders gefährdet.
Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten. Raucher sind besonders gefährdet.(Foto: imago/Science Photo Library)

Auch ohne Wunderwaffe: Das Krebsrisiko ist beeinflussbar

David Bowie, Lemmy Kilmister, Alan Rickman: Sie alle sind kürzlich an Krebs gestorben. Vor dieser Krankheit fürchten sich die Deutschen wie vor keiner anderen. Wen trifft es statistisch wann? Und wie lässt sich das Risiko senken? Hier die Fakten.

Wen trifft es wann? Das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt das statistische Ergebnis zur Zahl des Monats: In Deutschland erkranken 43 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer im Laufe ihres Lebens an Krebs. Es trifft also jeden zweiten Mann und fast jede zweite Frau. Rund 500.000 Menschen erhalten hierzulande jedes Jahr die gefürchtete Diagnose. Die Frauen sind dann im Mittel 69 Jahre alt, die Männer 70; Krebs tritt vor allem im höheren Lebensalter auf. Nach Herz-Kreislauferkrankungen sind bösartige Tumore noch immer die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Anteil der häufigsten Tumore an allen Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland 2012 - Angaben in Prozent
Anteil der häufigsten Tumore an allen Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland 2012 - Angaben in Prozent(Foto: Zentrum für Krebsregisterdaten/Robert-Koch-Institut)

Welche Krebsarten sind am häufigsten? Bei Frauen ist Brustkrebs mit rund 70.000 Neuerkrankungen im Jahr die mit Abstand häufigste Krebserkrankung. Und sie hat eine Besonderheit: Brustkrebs tritt früher auf als die meisten anderen Krebsarten. Fast 30 Prozent der betroffenen Frauen sind noch keine 55 Jahre alt, wenn sie von der Diagnose erfahren. Bei Männern ist es meist die Prostata, die Krebszellen entwickelt. 2012 wurden rund 63.700 neue Fälle erfasst. Für Männer und Frauen gilt: Auch Darm und Lunge sind vergleichsweise krebsanfällig.

Schützt Mammografie vor Brustkrebs? Das Screening kann eine Krebserkrankung nicht verhindern, es kann aber dazu beitragen, dass ein Tumor früh erkannt wird. Nachdem das Screening 2005 in Deutschland eingeführt worden war, stiegen die Erkrankungsraten zunächst sprunghaft an. Seit 2009 sind sie wieder leicht rückläufig. Das deute – so das RKI – darauf hin, dass in der ersten Phase des Programms viele Tumore deutlich früher entdeckt wurden als ohne Screening. Allerdings werden bei der Mammografie auch einige Tumore diagnostiziert, die sonst lebenslang unerkannt geblieben wären und auch keine Beschwerden verursacht hätten.
Trotz der gestiegenen Erkrankungsraten sterben heute weniger Frauen an Brustkrebs als noch vor zehn Jahren. Die Überlebenschancen haben sich durch Fortschritte in der Therapie deutlich verbessert.

Warum ist der PSA-Test zur Prostata-Krebsvorsorge umstritten? Bei dem Test wird nach einer Blutabnahme das prostataspezifische Antigen PSA bestimmt. Liegt es über dem Normwert, kann das ein Hinweis auf Prostatakrebs sein. Es können aber auch gutartige Veränderungen oder eine Entzündung dahinterstecken. Fällt der PSA-Test verdächtig aus, muss daher eine Prostata-Gewebeprobe entnommen werden. Sollte sich der Krebsverdacht dadurch bestätigen, wird der Tumor bestrahlt oder operativ entfernt. Inkontinenz oder Impotenz können die Folge sein. Viele Prostata-Tumore aber wachsen so langsam, dass sie zu Lebzeiten des Patienten nicht zu Beschwerden führen und das Leben der Betroffenen nicht verkürzen würden. Die Behandlungen sind also möglicherweise eine unnötige körperliche und psychische Belastung. Die Deutsche Krebsgesellschaft rät, im Alter von 40 Jahren einmalig den PSA-Wert bestimmen zu lassen. Fällt der Wert hoch aus oder gibt es in der Familie Fälle von Prostatakrebs, sollte die Untersuchung häufiger erfolgen. Ziel ist es, aggressive Tumore rechtzeitig zu entdecken.

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Was ist von anderen Vorsorgeuntersuchungen zu halten? Eine Darmspiegelung kann Krebs vorbeugen. Bei der Untersuchung lassen sich schon Krebsvorstufen erkennen und direkt entfernen. Darmkrebs kann dann also gar nicht erst entstehen. Ähnliche Effekte gibt es beim Haut-Screening und beim Pap-Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Selbst wenn Krebs bereits entstanden ist, kann er durch diese Untersuchungen oft frühzeitig entdeckt werden.

Lässt sich das Krebsrisiko auch anders senken? Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, doch nach Ansicht vieler Forscher kann der Lebensstil das Krebsrisiko erheblich beeinflussen. Bis zu 50 Prozent der bösartigen Tumore wären demnach vermeidbar, wenn Menschen nicht rauchen würden, auf Alkohol verzichteten, auf ihre Ernährung achteten, Sport trieben und schlank blieben.

Welche Rolle spielen Zigaretten? Mehr als 70.000 Krebsfälle jährlich sind auf das Rauchen zurückzuführen, heißt es aus dem Robert-Koch-Institut. Tabakkonsum kann Tumore in der Lunge hervorrufen, aber auch im Rachen, am Kehlkopf, im Darm sowie in der Blase. Tabakrauch stellt den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktor für Krebserkrankungen dar. Die Deutsche Krebsgesellschaft weist darauf hin, dass Rauchen nicht nur einen selbst, sondern auch andere betrifft. Jedes Jahr sterben demnach in Deutschland 3000 Menschen durch Passivrauchen an Krebs.

Wie groß ist der Einfluss von Alkohol? Alkohol verursacht dem RKI zufolge jährlich etwa 13.000 Krebsfälle in Deutschland und damit drei Prozent der Neuerkrankungen. Ein moderater Konsum von zwei Gläsern am Tag kann das Risiko für Darm- und Brustkrebs bereits leicht erhöhen. Gefährlich ist vor allem die Kombination von Alkohol und Rauchen: Mundhöhlen- und Rachenkrebs können die Folge sein. Auch im Verdauungstrakt entsteht eher Krebs, wenn es Raucher sind, die Alkohol konsumieren.

Was sollte man essen? Schützend wirken Ballaststoffe. Rotes Fleisch hingegen stuft die Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend ein. Aus dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke heißt es, man könne jedes Fleisch bedenkenlos essen, es komme aber auf die Menge an.

Was bewirkt Sport? Körperliche Aktivität senkt das Risiko für Darm- und Brustkrebs und möglicherweise auch für viele andere Krebsarten. Laut RKI dürfte jeder fünfte Krebsfall auf Bewegungsmangel, Übergewicht und/oder eine ungesunde Ernährung zurückzuführen sein. Fitness bringt nicht die Garantie mit sich, von Krebs verschont zu bleiben. Doch sie kann in einem gewissen Maß schützend wirken – wie ein gesunder Lebensstil überhaupt.

Quelle: n-tv.de

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