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Bloß nicht anfassen: Die Zähne der knuffigen Tiere sind messerscharf und könnten einen Finger leicht durchbeißen.
Bloß nicht anfassen: Die Zähne der knuffigen Tiere sind messerscharf und könnten einen Finger leicht durchbeißen.(Foto: UDE)

"Bewusste Enthaltsamkeit": Das Sexleben der Graumulle überrascht

Aus evolutionärer Sicht geht es im Tierreich nur um eines: Fortpflanzung. Umso überraschter sind Biologen, als sie erkennen, dass die meisten Graumulle ihr Leben lang darauf verzichten, obwohl sie dafür körperlich alle Voraussetzungen haben.

Graumulle sind possierliche, kleine Tiere, die in Familienverbänden mit ihren Eltern und bis zu zwanzig Geschwistern zumeist unter der Erde leben. Für die Fortpflanzung der fast blinden Tiere sind nur die Eltern, das sogenannte Königspaar zuständig. Das Königspaar bleibt sich ein Leben lang treu. Alle gemeinsam bauen am ausgedehnten unterirdischen Gangsystem der Familie, sorgen für die Ernährung und Aufzucht der Jungen. Die Geschwister scheinen untereinander kein sexuelles Interesse aneinander zu haben. Sie sind dem Königspaar Untertanen bis an ihr Lebensende - es sei denn, sie treffen auf ein andersgeschlechtliches Tier aus einer anderen Familie.

Wie sich die Enthaltsamkeit der Untertanen auf die männlichen Tiere auswirkt, hat Forscher der Universität Duisburg-Essen (UDE) in Zusammenarbeit mit dem Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) interessiert. Sie nahmen die männlichen Tiere und vor allem ihre Fortpflanzungsorgane unter die Lupe und stellten fest, dass sich die nichtreproduzierenden Männchen der Ansell-Graumulle (Fukomys anselli) in Gewebe- und Spermienqualität nicht von denen der "Königsmulle" unterscheiden. "Das Ergebnis hat uns überrascht. Obwohl die königlichen Hoden deutlich größer sind als die der nicht-reproduktiven Männchen, gibt es kaum Unterschiede", betont Sabine Begall von der UDE.

Das heißt, ein Großteil der Graumulle in einem Familienverbund könnte sich zwar aus physiologischer Sicht mit den Geschwistern paaren, lebt aber "bewusst" sexuell abstinent. Es ist wahrscheinlich, dass es um die Vermeidung von Inzest geht. Wenn ihnen aber einmal in ihrem Leben in einem entfernten Gang ein Weibchen aus der "Nachbarschaft über den Weg" läuft, dann ergreifen sie ihre Chance, paaren sich sofort und gründen nun selbst als "Königspaar" eine eigene Familie. Die kontinuierliche Herstellung von lebensfähigen Spermien hält bei den "Nichtkönigen" sogar bis ins hohe Alter an.

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Quelle: n-tv.de

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