Montag, 16. Februar 2009
Forscher schlagen Alarm: Die Tundra taut auf
Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre ist in den Jahren 2000 bis 2007 noch weitaus schneller vorangeschritten als von Experten prognostiziert. Durch den erhöhten Energieverbrauch in den Schwellenländern seien die CO2-Emissionen durchschnittlich um 3,5 Prozent pro Jahr gestiegen. Das sei dreimal so schnell wie in den Jahren 1990 bis 1999, sagte der US-Forscher Christopher Field von der Universität Stanford und dem Carnegie-Institut auf einer Tagung des Wissenschaftsverbandes AAAS in Chicago.
Field gehört dem Weltklimarat IPCC an und war maßgeblich an dessen viertem Sachstandsberichts vom Februar 2007 beteiligt. "Wir haben es in der Zukunft mit einem Klima zu tun, das weit über alles hinausgeht, was wir auf der Grundlage von Simulationen bisher ernsthaft erwogen haben", warnte Field. Sorge bereitet ihm und seinen Kollegen, dass die vom Menschen ausgelöste Erderwärmung enorme Mengen von CO2 und Methan in der arktischen Tundra freisetzen könnte.
Neues CO2 durch aufgetaute Permafrostböden
Die Permafrostböden hätten organische Pflanzenstoffe aus Tausenden von Jahren gespeichert, die ein Vielfaches des CO2-Wertes ausstoßen würden, mit dem der Mensch die Atmosphäre seit Beginn der industriellen Revolution belastet habe, sagte Field.
Ebenso könnten sich die tropischen Regenwälder, die bisher noch einen Teil der Schadstoffe aufnehmen, in CO2-Quellen verwandeln. Noch seien diese Wälder durch ihre Feuchtigkeit vor Feuersbrünsten geschützt, erläuterte Field. Bei weiter steigenden Temperaturen aber könnten sie so weit austrocknen, dass sie Feuer hilflos ausgeliefert wären. Diese Rückkopplungseffekte der Natur könnten dramatische Folgen nach sich ziehen. Schon jetzt habe die CO2-Konzentration in der Atmosphäre den höchsten Stand seit 650.000 Jahren erreicht.
Als problematisch hätten sich inzwischen auch die Biotreibstoffe erwiesen, von denen sich manche Klimaschützer einen Ausweg aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen erhofft hatten. Für den Anbau von Getreide für Biosprit seien am Ende weiträumige Rodungen im brasilianischen Regenwald vorgenommen worden. "Bei der Rodung und Verbrennung der Bäume gelangt Kohlenstoff in die Atmosphäre, der lange Zeit im Regenwald gespeichert war", warnte die Klimaforscherin Holly Gibbs von der Stanford Universität in Palo Alto (Kalifornien). Wenn Wald für landwirtschaftliche Anbauflächen zerstört werde, dauere es 40 bis 120 Jahre, bis der darauf gewonnene Biosprit die CO2- Balance wieder herstelle, sagte Gibbs in Chicago.
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