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Keiner ist heißer: Planet KELT-9 b (rechts) wird von seinem Stern KELT-9 ordentlich auf Temperatur gebracht.
Keiner ist heißer: Planet KELT-9 b (rechts) wird von seinem Stern KELT-9 ordentlich auf Temperatur gebracht.(Foto: NASA/JPL-Caltech)
Donnerstag, 15. Juni 2017

Größer, älter, heißer: Die extremsten Planeten im Weltall

Von Kai Stoppel

Tausende Planeten haben Forscher bereits außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Darunter wahre Giganten, uralte Welten und solche, deren Atmosphäre in Flammen steht. Hier eine Übersicht über die extremsten Planeten, die wir kennen.

Astronomen haben jüngst herausgefunden, dass Jupiter der älteste Planet unseres Sonnensystems ist. Auch bei der Größe dominiert er seine unmittelbare Nachbarschaft. Doch nachdem immer mehr Planeten außerhalb unseres Sonnensystems – sogenannte Exoplaneten – entdeckt wurden, hat Jupiter seine herausragende Position eingebüßt. Hier sind die sechs aktuellen Planeten-Rekordhalter im Universum:

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Der größte Planet
Jupiter ist bereits ein richtig dicker Brocken: 2,5-mal so schwer wie alle übrigen Planeten im Sonnensystem und sogar 320 Mal so schwer wie die Erde. Aber in den Weiten des Weltraums gibt es noch viel größere Kaventsmänner - zum Beispiel DENIS-P J082303.1-491201 b, ein gewaltiger Gasplanet, fast 30 Mal so schwer wie Jupiter. Es ist sogar umstritten, ob es sich bei ihm nicht schon um einen schwachen Stern handelt, einen sogenannten braunen Zwerg. Dieser Sterntypus ist zwar nicht massereich genug, um Wasserstoff in seinem Inneren zu Helium zu fusionieren (wie es unsere Sonne und alle anderen Sterne machen). Allerdings brodeln in braunen Zwergen andere Fusionsreaktionen, die bereits bei niedrigeren Temperaturen ablaufen. Bevor das abschließend geklärt ist, ist DENIS-P J082303.1-491201 b jedoch der schwerste bisher entdeckte Planet.

Der kleinste Planet
Mit den heutigen technischen Möglichkeiten ist es nicht einfach, besonders kleine Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufzuspüren. Dennoch gelang dies 2013 Astronomen der Nasa mit dem Weltraumteleskop Kepler: 210 Lichtjahre von der Erde entfernt fanden sie Kepler-37 b, ein wahrer Winzling. Er ist kleiner als Merkur und nur minimal größer als der Erdmond. Sehr wahrscheinlich hat der Planet eine feste Oberfläche. Seine zwei Bruder-Planeten Kepler-37c und -37d ähneln in ihrer Größe der Erde, der Mutterstern ist zudem der Sonne sehr ähnlich. Allerdings unterscheidet sich dieses Planetensystem in einem Punkt gewaltig von unserem: Alle drei Planeten umkreisen ihren Heimatstern in einem sehr engen Radius. Kepler-37 b benötigt gerade mal 16 Tage für einen Umlauf. Auf seiner Oberflächen ist es daher so heiß, dass Leben undenkbar ist.

"Methusalem" wird der Planet PSR B1620-26 aufgrund seines biblischen Alters von rund 13 Milliarden Jahren genannt.
"Methusalem" wird der Planet PSR B1620-26 aufgrund seines biblischen Alters von rund 13 Milliarden Jahren genannt.(Foto: NASA and G. Bacon (STScI))

Der älteste Planet
Unsere Erde hat schon einiges hinter sich: In den 4,5 Milliarden Jahren seit ihrer Entstehung hat sich auf ihr Leben gebildet und zu einer intelligenten Spezies weiterentwickelt, die sich Gedanken über das Weltall macht. Aber im Vergleich zu einem bestimmten Exoplaneten ist die Erde lediglich ein Teenager. Der Planet PSR B1620-26 b liegt in einem 7200 Lichtjahre entfernten Sternhaufen, hat bereits unglaubliche 13 Milliarden Jahre auf dem Buckel und ist damit der älteste bekannte Planet. Er ist bereits "kurz" nach dem Urknall entstanden. Und die beiden Sterne, die PSR B1620-26 b umkreist, hat er bereits überlebt: Einer ist ein weißer Zwerg, der andere ein Neutronenstern – beides die kargen Überreste einst mächtiger Feuerbälle.

Der jüngste Planet
Im Gegensatz zum oben erwähnten "Methusalem" gibt es auch Planeten, die in astronomischen Maßstäben geradezu kindlich sind. Dazu gehört der Planet V830 Tauri b, der einen Stern umkreist, der gerade mal zwei Millionen Jahre alt ist. Zum Zeitpunkt seiner Geburt haben die Vorfahren der Menschen also bereits erste Steinwerkzeuge benutzt. Aber so etwas wie Steinwerkzeuge wird es auf V830 Tauri b selbst in ferner Zukunft nicht geben: Es handelt sich um einen Planeten, der vermutlich keine feste Oberfläche hat und nur aus Gas besteht. Zudem ist er seinem Stern so nahe, dass es für Leben unerträglich heiß ist. Aufgrund seiner Größe wird V830 Tauri b auch als "Heißer Jupiter" bezeichnet.

Der heißeste Planet
In unserem Sonnensystem gilt die Regel "Nichts ist heißer als die Sonne". Die Temperatur an ihrer Oberfläche beträgt unvorstellbare 5500 Grad Celsius. Einer der heißesten Planeten in unserem Sonnensystem ist daher auch jener, der der Sonne am nächsten ist: Merkur. Seine Oberflächentemperatur steigt auf bis zu 430 Grad Celsius am Tag. Heiß genug, um Blei zu schmelzen. Nur auf der Venus, etwas weiter von der Sonne als Merkur entfernt, wird es aufgrund eines starken Treibhauseffekts noch heißer: bis zu 500 Grad Celsius. Allerdings vergleichsweise frisch, wenn man den wahren Hitze-König unter den Planeten hinzuzieht: KELT-9 b, ein riesiger Gasplanet, rund 620 Lichtjahre von der Erde entfernt. An seiner Tagseite wird es bis zu 4327 Grad Celsius heiß.

Die Ursache auch hier: KELT-9 b ist seinem Stern, der sinnigerweise KELT-9 heißt, sehr nahe. Sogar noch näher als Merkur der Sonne. Zudem sondert der Stern KELT-9 extrem viel Energie ab und ist mit rund 10.000 Grad Celsius fast doppelt so heiß wie die Sonne. Das hat natürlich Konsequenzen für die Bedingungen auf dem Planeten: Seine Atmosphäre ist derart aufgeheizt, dass in ihr keine Moleküle wie etwa Wasser oder Kohlendioxid mehr vorkommen, sondern nur einzelne, ionisierte Atome. Diese wirbeln chaotisch umher, ähnlich wie bei einem Stern. Forscher sprechen daher von einem "Hybrid-Planeten": außen Stern, innen Planet.

Der kälteste Planet
Ist ein Stern jedoch eher arm an Energie, dann sieht es für seine Planeten düster aus. Wie im Fall des Planeten mit dem umständlichen Namen OGLE-2005-BLG-390L b, der etwa 20.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Sein Heimatstern ist ein roter Zwerg, die kleinste und kälteste Form von echten Sternen. Da der Planet diesen zudem in einem relativ großen Abstand umkreist – der etwa zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter in unserem Planetensystem liegt – wird es auf der Oberfläche von OGLE-2005-BLG-390L b verdammt frostig. So ist "Ogle" zwar ein Gesteinsplanet wie die Erde und auch nur fünf Mal so schwer. Aber bei Temperaturen von minus 220 Grad, rund 50 Grad über dem absoluten Nullpunkt, dürfte es kaum eine Chance auf Leben geben. Gase wie Sauerstoff und Stickstoff sind unter solchen Bedingungen bereits zu Eis und Schnee gefroren.

Quelle: n-tv.de

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