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Dass Rabenvögel beim Lösen von Aufgaben clever sind, weiß man schon länger.
Dass Rabenvögel beim Lösen von Aufgaben clever sind, weiß man schon länger.(Foto: imago/Olaf Wagner)

Gemeinsamkeiten der Hirnarchitektur: Einige Vogelarten sind so schlau wie Affen

Die kognitiven Fähigkeiten einiger Vogelarten sind mit denen von Menschaffen ebenbürtig. Obwohl sich die Gehirne der Tiergruppen sehr unterscheiden, finden die Forscher einige Gemeinsamkeiten.

Bisher war man davon ausgegangen, dass Vögel zwar ausgeklügelte kognitive Fähigkeiten besitzen, diese aber nur in speziellen Bereichen, wie zum Beispiel zum Verstecken von Futter einsetzen können. Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Universität Wien haben nun herausgefunden, dass dem nicht so ist.

Auch Papageien haben besondere Fähigkeiten.
Auch Papageien haben besondere Fähigkeiten.(Foto: imago/Xinhua)

Sie trugen Studien zusammen, bei denen diverse kognitive Fähigkeiten bei Vögeln nachgewiesen werden konnten. "Das mentale Geschick von Rabenvögeln und Papageien ist ebenso ausgeprägt und vielfältig wie das der Menschenaffen", sagt Professor Onur Güntürkün, Leiter der Abteilung Biopsychologie in Bochum. Sie können unter anderem logisch denken, sich selbst im Spiegel erkennen und sich in andere hineinversetzen.

Komplexe kognitive Fähigkeiten auch ohne Kortex

Die kognitiven Fähigkeiten bei allen Säugetieren werden der Großhirnrinde, dem sogenannten Neocortex, der aus mehreren Schichten besteht, zugeschrieben. Einen solchen besitzen Vögel gar nicht, die im Vergleich zu Menschaffen auch ein erheblich kleineres Gehirn besitzen. Bei ihnen werden im sogenannten Pallium die komplexen Aufgaben bewältigt. Professor Onur Güntürkün (RUB) stellte nun die Frage: "Ist es möglich, dass sich in den 300 Millionen Jahren unabhängiger Entwicklung von Vögeln und Säugetieren sehr unterschiedliche Hirnmechanismen für komplexe Denkprozesse entwickelt haben?"

Das Forscherteam wertete in Bezug auf diese Fragestellung die Ergebnisse von neuroanatomischen Studien aus und stellte fest, dass die Gehirne beider Tiergruppen tatsächlich sehr verschieden aufgebaut sind. Im Detail jedoch, kann man auch Gemeinsamkeiten erkennen. So sind zum Beispiel einzelne Module der Gehirne ähnlich miteinander verschaltet. Zudem finden sich in den Gehirnen beider Tiergruppen eine präfrontale Hirnstruktur, die vergleichbare exekutive Funktionen steuert.

Thesen für Entstehungsgeschichte

Geklärt werden konnte bisher aber nicht, wie diese Gemeinsamkeiten entstanden sind. Möglich wäre, dass der letzte gemeinsame Vorfahre von Säugetieren und Vögeln diese Hirnstrukturen vererbt hat oder sie sind unabhängig voneinander in der Evolution entstanden, weil beide Tiergruppen vor ähnlichen Herausforderungen standen. Die letzte Variante halten die Forscher für wahrscheinlicher.

Resümierend lässt sich feststellen: "Klar ist, dass der mehrschichtige Kortex der Säugetiere für komplexe Kognition nicht erforderlich ist", so Güntürkün. "Auch das absolute Hirngewicht spielt für die mentalen Fähigkeiten keine Rolle." Gehirne von Menschenaffen wiegen durchschnittlich 275 bis 500 Gramm. Die Gehirne der kognitiv ebenso geschickten Vögel ohne Kortex bringen gerade einmal auf 5 bis 20 Gramm auf die Waage.

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Quelle: n-tv.de

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