Dienstag, 05. Dezember 2006
"Das hat Konsequenzen": Eisfreie Arktis im Jahr 2080
Das arktische Meer könnte nach Berechnungen von Wissenschaftlern schon in wenigen Jahrzehnten zur Sommerzeit von Schiffen durchquert werden. Computermodelle sagen bis zum Jahr 2080 ein drastisches Abschmelzen des Meereises im Nordpolargebiet in den Sommermonaten voraus, erklärten internationale Forscher am Dienstag bei einem Treffen in Bremen. Die Auswirkungen dieser dramatischen Klimaveränderungen sollen in einem der größten europäischen Forschungsprojekte "Damocles" (Developing Arctic Modelling and Observing Capabilities for Longterm Environmental Studies) untersucht werden.
"Wenn sich das System so weiterentwickelt, wie die Physik es sagt, wird das Meereis der Arktis bis zum Jahr 2080 im Sommer verschwunden sein", betonte der Meereswissenschaftler Eberhard Fahrbach vom Alfred-Wegner-Institut für Polar-und Meeresforschung (AWI/Bremerhaven). "Das hat Konsequenzen, die über die Arktis weit hinausgehen."
Experten sehen durch den Klimawandel als Folge der Erderwärmung nicht nur Eisbären in ihrem Bestand bedroht. Sie erwarten auch schwere Störungen in der gesamten Nahrungskette. "Das hat Auswirkungen für den Fisch, den wir hier letztlich auf den Tisch kriegen", so Fahrbach. Mit dem zunehmenden Seeverkehr in den bisher entlegenen Gewässern könnte auch die Ausbeutung von Bodenschätzen und Rohstoffen wie Öl und Gas in der Arktis drastisch zunehmen.
45 Forschungsinstitute aus 12 europäischen Ländern in Kooperation mit den USA, Kanada und Japan beteiligen sich in den kommenden Jahren an "Damocles". Hunderte von Wissenschaftlern untersuchen das Zusammenspiel von Meereis, Atmosphäre und Ozean. Dabei sollen die Folgen des Rückganges der Eisbedeckung auf Klima, Umwelt und Menschen regional und global untersucht werden.
Eines der Hauptziele ist die Entwicklung eines präzisen Vorhersagemodells für die Arktis. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die eisbedeckten Meereisflächen der Arktis in den vergangenen 30 Jahren um 30 Prozent zurückgegangen. Weitere Messungen deuten darauf hin, dass auch die Dicke des Meereises abnimmt.
Bereits im September hatten US-Forscher berichtet, dass das Dauereis rings um den Nordpol zwischen 2004 und 2005 plötzlich und rapide um 14 Prozent schrumpfte. In dieser Zeit sei das Ganzjahreseis um 730000 Quadratkilometer geschrumpft -das ist mehr als die doppelte Fläche Deutschlands, teilten die US-Raumfahrtbehörde NASA und der US-Verband für Geophysik mit.
Um diesen Trend dauerhaft zu verfolgen, setzen die Damocles-Forscher zahlreiche Instrumente ein: Driftende Bojen lassen sich über Monate tief unter Wasser und Eis mit den Meeresströmungen treiben. Sie speichern Daten über die Strömung, den Salzgehalt und Temperaturen und tauchen später an die Oberfläche auf. Von dort senden sie ihre Informationen an Satelliten und tauchen wieder ab. In zwei Jahren soll auch der europäische Satellit CryoSat für Luftunterstützung sorgen. Mit einem neuartigen Radarsystem kann er aus großer Höhe und großflächig präzise die Dicke des Meereises messen.
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