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Der für Menschen riskante Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ist Studien zufolge in der Hähnchenzucht die Regel.
Der für Menschen riskante Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ist Studien zufolge in der Hähnchenzucht die Regel.(Foto: picture alliance / dpa)

Antibiotika in der Tiermast : Erreger zunehmend resistent

Das Kabinett soll über eine Änderung des Arzneimittelgesetzes abstimmen. Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner will so den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung einschränken. In Kraft treten sollen die neuen Regelungen im kommenden Frühjahr. Doch: Warum ist der Einsatz von Antibiotika bei Tieren überhaupt ein Problem?

Mit Antibiotika werden Infektionskrankheiten behandelt - bei Menschen wie auch bei Tieren. Allerdings wirken viele der Medikamente nicht mehr so wie sie sollen, weil sich resistente Erreger gebildet haben. Immer mehr Menschen sprechen auf eine Behandlung mit Antibiotika gar nicht mehr an. Eine Ursache dafür ist der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Tiere, die einmal auf dem Teller landen, dürften diese Arzneimittel im Prinzip nur bekommen, wenn es unbedingt erforderlich ist.

Wie häufig werden Antibiotika in der Tiermast eingesetzt?

Genau ist das nicht bekannt. Erstmals erhoben wurde 2011 zunächst die Menge: Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurden 1734 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben. Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Ökologischen Ärztebundes werden in der Intensivtierhaltung derzeit über 40 Mal mehr Antibiotika eingesetzt als in deutschen Krankenhäusern. Problematisch ist, dass die Medikamente bei Hähnchen, Kälbern und Schweinen auch zum Wachstumsdoping eingesetzt werden. Das ist zwar verboten, dient Betrieben aber zur Gewinnmaximierung.

Wie soll der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung begrenzt werden?

Schon bisher dokumentieren Tierärzte und Landwirte, welche Tiere welche Medikamente bekommen - meist aber auf Papier. Der Gesetzesnovelle zufolge sollen diese Angaben in einer zentralen Datenbank zusammengefasst und von den Behörden überwacht werden. Dazu sollen Mastbetriebe den Behörden zeitnah übermitteln, welches Arzneimittel sie welchen Tieren wie lange verabreicht haben. Einmal im Jahr müssen sie prüfen, ob sie damit den Bundesdurchschnitt überschreiten. Wenn ja, müssen sie den Behörden einen Plan vorlegen, wie sie den Einsatz verringern wollen.

Was sagen Kritiker dazu?

Der BUND kritisiert, dass nur Mastbetriebe den Antibiotika-Einsatz melden müssen - Zuchtbetriebe und Fischfarmen nicht. Zudem bemängelt die Umweltschutzorganisation die Funktionsweise der Datenbank und fordert eingebaute Automatismen, die die Behörden sofort alarmieren, wenn ein Betrieb seinen Tieren zu viel Antibiotika gibt. Den Behörden müssten darüber hinaus größere Befugnisse zuerkannt werden, um Sanktionen zu verhängen. Der BUND bemängelt zudem, dass allein durch die Datenbank der Einsatz von Antibiotika noch nicht gesenkt wird. Er fordert eine Reduzierung um die Hälfte bis zum Jahr 2015.

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Quelle: n-tv.de

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