Wissen
Der Stern KELT-9 und sein super-heißer Planet KELT-9b in einer grafischen Darstellung.
Der Stern KELT-9 und sein super-heißer Planet KELT-9b in einer grafischen Darstellung.(Foto: Robert Hurt / NASA/JPL-Caltech)

Höllische Hitze: Extremer Planet ist heißer als viele Sterne

Die Atmosphäre des Planeten glüht heißer als die Oberfläche vieler Sterne: Seine Tagseite wird von der nahen Sonne auf etwa 4300 Grad Celsius aufgeheizt. Die Strahlung könnte den Planeten eventuell sogar komplett verdampfen lassen.

Astronomen haben einen fernen Planeten entdeckt, dessen Atmosphäre heißer glüht als die Oberfläche vieler Sterne: Auf rund 4300 Grad Celsius schätzen die Forscher die Temperatur auf der Tagseite des Riesenplaneten. Ursache für die höllische Hitze ist der geringe Abstand zu seinem Heimatstern: Der Planet umrundet seine Sonne alle 1,5 Tage. Die Wissenschaftler stellen ihre Entdeckung im Fachjournal "Nature" vor.

Der Heimatstern KELT-9 des heißen Planeten ist doppelt so groß und doppelt so heiß wie unsere Sonne. "KELT-9 strahlt so viel ultraviolette Strahlung aus, dass er den Planeten möglicherweise komplett verdampft", erläuterte einer der Hauptautoren der Studie, Keivan Stassun von der Vanderbildt University in Nashville (US-Staat Tennessee) in einer Mitteilung seiner Hochschule. Oder es bleibe von dem Gasriesen irgendwann nur ein fester Gesteinskern zurück, falls er einen solchen besitze.

Zum Vergleich: Unsere Sonne ist an der Oberfläche rund 5400 Grad Celsius heiß. Die Energiegewinnung durch Kernfusion im Zentrum von Sternen läuft jedoch bei noch wesentlich höheren Temperaturen von etwa 15 Millionen Grad und mehr ab.

Planet mit einem Gasschweif?

Der extreme Gasplanet KELT-9b liegt rund 650 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Schwan. Er hat fast dreimal so viel Masse wie der größte Planet unseres Sonnensystems, Jupiter, und ist auch sehr viel größer: Durch die große Hitze ist seine Atmosphäre so aufgebläht, dass er lediglich die halbe Dichte besitzt wie Jupiter. Der heiße Planet wendet seiner Sonne stets dieselbe Seite zu, so wie auch der Mond der Erde immer dieselbe Seite zeigt. Durch diese sogenannte gebundene Rotation wird die Tagseite des Gasplaneten so extrem heiß.

Es handele sich allen gängigen Definitionen zufolge zwar ganz klar um einen Planeten, erläutert der andere Hauptautor, Scott Gaudi von der Ohio State University. "Aber seine Atmosphäre ist ziemlich sicher anders als bei allen Planeten, die wir bislang gesehen haben, allein wegen der Temperatur seiner Tagseite." Möglicherweise besitze der Planet sogar einen glühenden Gasschweif wie ein Komet. Das wollen die Astronomen in Folgebeobachtungen mit dem "Hubble"-Weltraumteleskop und anderen Instrumenten untersuchen.

Von Folgeuntersuchungen versprechen sich die Wissenschaftler auch ein besseres allgemeines Verständnis von extrasolaren Sonnensystemen. Während die meisten Astronomen bei kleinen, kühleren Sternen nach potenziell bewohnbaren erdähnlichen Planeten suchten, sei der heiße Gasriese KELT-9b ein Prüfstein dafür, wie sich Planetensysteme um heiße, massereiche Sterne bilden, betonen die Astronomen. "In unseren Bemühungen, ein komplettes Bild von der Vielfalt der Welten da draußen zu zeichnen, ist es nicht nur wichtig zu wissen, wie Planeten sich bilden und entwickeln, sondern auch wann und unter welchen Umständen sie zerstört werden", betont Stassun.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen