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Zu jedem besonderen Anlass wird ein Gläschen zum Anstoßen gereicht.
Zu jedem besonderen Anlass wird ein Gläschen zum Anstoßen gereicht.(Foto: REUTERS)

Volksdroge mit großer Akzeptanz: Alkohol ist nicht gesund

Von Jana Zeh

Alkohol gehört zu den in Deutschland am häufigsten konsumierten legalen Drogen. Er wird als Retter, Stimmungsmacher und Tröster genutzt und soll, in Maßen genossen, sogar positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Stimmt das? Diese und andere Fragen rund um die Volksdroge klären wir hier.

Jeder Rausch tötet Gehirnzellen.

"Das ist ein Mythos, der tatsächlich publiziert und dann auf Stammtischniveau diskutiert wird", sagt Professor Ulrich Preuß, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kreiskrankenhaus Prignitz. "Natürlich hat chronischer und hochprozentiger Alkoholgenuss auch chronische Folgen, wie zum Beispiel die Hirnatrophie, also den allmählichen Verlust von Hirnsubstanz", ergänzt der Experte. Ein einzelner Rausch dagegen verursacht solche Schäden nicht, außer der Betroffene ist so betrunken, dass er mit einer Alkoholvergiftung auf die Intensivstation eingeliefert werden muss. Solche Zustände, wie sie beispielsweise durchs Komatrinken herbeigeführt werden, sind lebensgefährlich und können das Risiko dauerhafter Schäden im Gehirn erhöhen.

Alkohol belebt, hebt die Stimmung und entspannt.

Auf einer Wein-Messe.
Auf einer Wein-Messe.(Foto: picture alliance / dpa)

"Alkohol kann solche Wirkungen hervorrufen, allerdings nur in bestimmten Dosierungen", erklärt Preuß. Er wirkt vielfältig auf unterschiedliche Rezeptoren im Gehirn und kann dadurch verschiedene Verhaltensmuster aktivieren. "Mit dem Konsum verbunden ist allerdings auch bei niedrigen Dosierungen ein neuropsychologischer Leistungsabfall. Nicht umsonst ist die Promillegrenze für Fahrtauglichkeit bereits vor vielen Jahren herabgesetzt worden", betont Preuß. Alkohol kann aber genauso gut enthemmen oder gewaltbereit machen. Durch übermäßigen Konsum können sogar Depressionen entstehen. Eine Vergiftung damit kann zu Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und im schlimmsten Fall sogar zum Tode führen. Die als durchaus positiv empfundenen Wirkungen von Alkohol sind der Grund dafür, dass viele Deutsche täglich zum Feierabendbier oder beim Abendessen zum Wein greifen. Werden allerdings jeden Tag große Mengen der Alltagsdroge konsumiert, ist das Risiko, in eine Abhängigkeit zu geraten, sicherlich erhöht.

Aktive Entspannungen in Form von Spaziergängen, Qi Gong, Yoga, autogenem Training oder Meditation wirken nachweislich auch belebend und stimmungsaufhellend. In der Gruppe praktiziert, lassen sich zusätzlich zur Entspannung soziale Kontakte knüpfen und pflegen.

Frauen vertragen weniger Alkohol als Männer.

Fakt ist, dass Männer im Durchschnitt nicht so schnell betrunken werden wie Frauen. Das liegt nicht nur daran, dass Männer im Allgemeinen mehr wiegen als Frauen, sondern unter anderen am höheren Wassergehalt und besserer Verstoffwechselung des Alkohols im männlichen Körper. Dadurch kann der männliche Stoffwechsel, speziell deren Leber, ihn schneller abbauen als Frauen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, die Grenze von 20 Gramm Alkohol pro Tag für gesunde Männer und 10 Gramm pro Tag für gesunde Frauen nicht zu überschreiten. 20 Gramm Alkohol sind etwa in einem halben Liter Bier oder in einem Viertelliter Wein enthalten. Wer sich nach dieser Empfehlung richtet, merkt wohl kaum etwas von den schädlichen Wirkungen. Experten raten dennoch, an zwei bis drei Tagen pro Woche auf hoch- und niedrigprozentige Getränke zu verzichten. Nur so kann sich die Leber erholen und es besteht keinerlei Gefahr, dass man sich an die Droge gewöhnt oder sogar abhängig wird.

Alkohol verstärkt die Lust auf Sex.

Auch bei dieser Behauptung kommt es auf die Menge an. Geringe und moderate Mengen können durchaus enthemmend und lustfördernd wirken. Trinkt Mann oder Frau darüber hinaus, werden (motorische und sensorische) Körperfunktionen so stark beeinflusst, dass der Konsum sich negativ auf Lust und Libido auswirkt. Durch den regelmäßigen Verzehr größerer Alkoholmengen wird der Testosteronspiegel beim Mann abgesenkt, so dass es im Verlauf schwerer wird, eine Erektion und einen Orgasmus zu bekommen. Rund 10 Prozent der abhängigen Männer leiden unter Impotenz. Auch bei Frauen kann regelmäßiger Konsum den Hormonhaushalt durcheinanderbringen. Der Östrogenspiegel sinkt, der Testosteron steigt und mit ihm die Erregbarkeit. Da Alkohol jedoch auch die Urteilsfähigkeit beeinflusst, können Frauen in diesem Zustand sexuelle Handlungen forcieren, die sie später bereuen. Alkoholabhängige Frauen haben überdies häufig Probleme mit ihrem Zyklus und der Fertilität.

Ein fettreiches Essen ist eine gute Grundlage vor einer feuchtfröhlichen Feier.

Fettes Essen, wie der Gänsebraten zu Weihnachten, hat Auswirkungen auf die Wirkung des Alkohols.
Fettes Essen, wie der Gänsebraten zu Weihnachten, hat Auswirkungen auf die Wirkung des Alkohols.(Foto: picture alliance / dpa)

Richtig. Fette aus der Nahrung werden im Dünndarm in ihre Einzelteile zerlegt. Diese Teile können den Alkohol an sich binden. Dadurch wird er wesentlich langsamer als ohne Fette ins Blut abgegeben. Der Pegel im Körper steigt also nur allmählich. Zudem nimmt eine Magen- oder Darmschleimhaut, die mit fettigen oder öligen Nahrungsbestandteilen bedeckt ist, nur allmählich Alkohol auf und transportiert ihn ins Blut. Die Gefahr an dieser präventiven Methode besteht jedoch darin, dass man insgesamt mehr trinkt, als man eigentlich verträgt. Wer regelmäßig Fett isst, um trinkfest zu sein, der riskiert nicht nur an Körpergewicht zuzunehmen, sondern auch eine Fettleber zu bekommen. Die Leber kümmert sich nämlich als Entgiftungsorgan zuerst um den Abbau des Alkohols, um den Körper vor der schädigenden Wirkung zu schützen. Gleichzeitig aufgenommenes Fett bleibt also unbearbeitet.

Betrunkene sagen immer die Wahrheit.

Betrunkene Menschen sagen nicht häufiger oder seltener die Wahrheit als Nüchterne. Tatsächlich können aber Bier, Schnaps und Co. enthemmende und aufheiternde Wirkungen haben. So kann es passieren, dass jemand, dem schon lange etwas auf der Seele brennt, durch die Prozente "mutig" genug wird, um die Dinge ungeschönt beim Namen zu nennen. Das Problem ist allerdings, dass alkoholisierte Personen oftmals von nüchternen Menschen nicht ernst genommen werden, denn das Nervengift schränkt bekannterweise sowohl die Denkleistung als auch das Urteilsvermögen ein. So kommt die Wahrheit, die man mit angetrunkenem Mut an der richtigen Stelle loswerden wollte, meistens gar nicht so an wie beabsichtigt.

Alkohol durch den Strohhalm getrunken, erzeugt schneller einen Rausch als aus einem Glas.

Sangria wird am Ballermann nicht umsonst aus dem Eimer mittels Strohhalm geschlürft.
Sangria wird am Ballermann nicht umsonst aus dem Eimer mittels Strohhalm geschlürft.(Foto: picture alliance / dpa)

Richtig. Alkohol wird überall dort im Körper in den Blutkreislauf aufgenommen, wo er auf Schleimhaut trifft, also auch über die Mundschleimhaut. Das passiert umso schneller, je kleiner die getrunkenen Portionen sind. Beim Trinken durch einen Strohhalm gelangen relativ kleine Einzelmengen in den Mund. Die Trinktechnik erhöht also nicht nur die Kontaktoberfläche im Mund, sondern auch die Verweildauer auf der Schleimhaut. Auf diese Art und Weise wird mehr und schneller Alkohol im Blut aufgenommen, der Konsument schneller betrunken. Ähnliche Effekte können auch durch Nippen und im Mund behalten erzeugt werden. Dadurch steigt allerdings auch das Risiko für Krebs im Mund- und Rachenraum, insbesondere in Kombination mit Nikotin.

Warmes Bier, Glühwein und der "Schuss" im heißen Kaffee machen schneller betrunken als gekühlte alkoholische Getränke.

Das stimmt, denn durch die Wärme wird die Durchblutung der Schleimhäute im Mund, Magen und Darm angeregt. Bessere Durchblutung bedeutete gleichzeitig bessere und schnellere Aufnahme von Alkohol im Blut. Das wiederum führt zu einem schnelleren Wirkungseintritt als mit gekühlten alkoholischen Getränken, die vom Körper erst erwärmt werden müssen.

Jeden Tag ein Glas Rotwein ist gut für die Gesundheit und schützt vor allem im Alter vor Herzinfarkt.

Wein, Sekt, Bier, Schnaps - macht das einen anderen Rausch?
Wein, Sekt, Bier, Schnaps - macht das einen anderen Rausch?(Foto: picture alliance / dpa)

"In einigen Untersuchungen gibt es tatsächlich Hinweise darauf, dass alkoholhaltige Getränke eine protektive Wirkung auf die Blutgefäße im Körper haben", sagt Preuß. Das gilt vor allem für Menschen, die herzinfarktgefährdet und älter als 49 Jahre sind. Die positiven Wirkungen des Rotweins auf die Gefäße überwiegen allerdings nur, wenn es bei einem Glas am Tag bleibt. "Sobald die Schwelle des moderaten Konsums überschritten wird, überwiegen jedoch die schädlichen Wirkungen des Alkohols bei Weitem", betont der Experte. Der langfristige Konsum der Volksdroge kann prinzipiell jede Zelle des Körpers schädigen, sowohl körperlich als auch psychisch abhängig machen und Organe zerstören. Insgesamt können mehr als 60 ernst zu nehmende Erkrankungen ausgemacht werden, die durch regelmäßigen Alkoholkonsum entstehen. Zudem sollte auch immer wieder erwähnt werden, dass die gefäßschützenden Inhaltsstoffe des Rotweins auch in rotem Traubensaft enthalten sind. Regelmäßige Bewegung oder moderater Sport haben eine wesentlich positivere Auswirkung auf die Gesundheit und die Gefäße als der Schoppen Wein am Abend.

Bier, Wein, Sekt oder Schnaps - jedes alkoholische Getränk erzeugt einen anderen Schwips.

"Es ist durchaus möglich, dass viele Konsumenten das so empfinden", sagt der Mediziner. "Wesentlich aber ist die unterschiedliche Pharmakologie, die durch die Alkoholmenge in den verschiedenen Getränken entsteht." In den Spirituosen zum Beispiel sind bis zu 50 Prozent Alkohol enthalten. Mit Schnaps stellen sich dementsprechend die Effekte der Droge wesentlich schneller ein als mit Bier. Dazu kommt, ob man vorher oder während des Trinkens etwas gegessen hat oder auf nüchternen Magen konsumiert. Die Kohlensäure in Bier und Sekt führt dazu, dass der darin enthaltene Alkohol schneller ins Blut übergeht und so die Wirkung etwas eher einsetzt.

Alkohol wirkt in jungen Jahren anders als im Alter.

"Ja, Alkohol wirkt in jungen Jahren anders als im Alter", sagt Preuß. Das liegt am Körpergewicht und der Leistungsfunktion bestimmter Organe. Besonders problematisch ist Alkoholkonsum für Kinder und Jugendliche. Bei Heranwachsenden ist die Entwicklung von Gehirn und Organen noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund ist das Zellgift in jungen Jahren besonders schädlich. Die Jugendschutzgesetze sollen Kinder und Jugendliche vor möglichen Beeinträchtigungen schützen.

Alkohol wirkt nach Sport und Bewegung besonders schnell und intensiv.

Das stimmt! Da durch Sport der Kreislauf aktiviert wird, ist möglicherweise auch die Aufnahme von Alkohol in den Körper beschleunigt. Darüber hinaus kommt es bei vielen sportlichen Aktivitäten zu einem Flüssigkeitsverlust, so dass die Sportler nach den Übungen durstig sind und sich vermehrt Flüssigkeit zuführen. Besonders ungünstig ist es, dann alkoholische Getränke zu konsumieren, da auf nüchternen Magen plötzlich größere Mengen Alkohol aufgenommen werden, das dann seine Wirkung rascher und intensiver entfalten kann.

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Quelle: n-tv.de