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Der Sprung ins kalte Nass wird vor allem bei Jugendlichen als Mutprobe benutzt.
Der Sprung ins kalte Nass wird vor allem bei Jugendlichen als Mutprobe benutzt.(Foto: imago/Lars Berg)
Dienstag, 07. Juli 2015

Schwimm nicht so weit raus!: Baderegeln, die sinnvoll sind

Von Jana Zeh

Sommer, Sonne, Strand: Ob im Planschbecken, Meer oder See, ein Bad im kühlen Nass krönt den Sommer. Doch um die schöne Zeit am Strand nicht zum gefährlichen Albtraum werden zu lassen, müssen einige Baderegeln beachtet werden. Davon gibt es reichlich. Zu Recht?

Baden oder schwimmen nur, wenn man sich wohlfühlt.

"Das ist tatsächlich DIE grundlegende Baderegel", sagt Achim Wiese von der Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft e.V. (DLRG) in einem Gespräch mit n-tv.de. "Leider ist es auch eine Baderegel, die oftmals nicht so ernst genommen wird. Dabei kann das Baden unter diesen Umständen schnell zu einer lebensgefährlichen Situation werden", betont Wiese. Baden und Schwimmen verlangen dem Körper einiges ab und kosten Energie, die in solchen Fällen das Immunsystem benötigt. Egal, ob Schnupfen, Fieber oder Übelkeit - wer sich nicht gesund fühlt, sollte nicht ins Wasser gehen. Und das nicht nur zum eigenen Schutz, sondern auch aus Rücksicht auf seine Mitmenschen, denn über das Wasser können verschiedene Krankheitserreger gut übertragen werden.

Nicht einfach ins Wasser rennen, sondern vorher abkühlen.

Die Temperaturunterschiede zwischen Wasser und Luft können erheblich sein.
Die Temperaturunterschiede zwischen Wasser und Luft können erheblich sein.(Foto: imago stock&people)

Richtig! Die meisten gehen ins Wasser, um sich abzukühlen. Doch der Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser ist meistens so groß, dass es durch einen Sprung ins Wasser zu extremen Kreislaufproblemen kommen kann. Durch den abrupten Temperaturschock ziehen sich die Blutgefäße zusammen, der Blutdruck steigt stark an. Das kann im schlimmsten Falle zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall führen. Vor allem Menschen mit vorgeschädigtem Herzkreislaufsystem müssen daher auf ein allmähliches Abkühlen von unten nach oben achten. In Badeanstalten stehen dafür kalte Duschen zur Verfügung. In Meeren und Seen sollte man langsam ins Wasser gehen und dabei Arme und Oberkörper benetzen.

Nicht in unbekannte Gewässer springen.

Richtig! Und eigentlich müsste diese Baderegel sogar noch erweitert werden, denn auch Flüsse und Seen verändern sich im Laufe der Zeit. Am sichersten ist es, nur dort ins Wasser zu springen, die für Sprünge explizit ausgewiesen sind. Jedes Jahr passieren Unfälle durch waghalsige Sprünge in Gewässer, die im schlimmsten Fall mit einer Querschnittslähmung enden. Die Annahme, dass ein Sprung mit den Füßen voran einen Aufprall abfedern und damit eine Verletzung vermeiden kann, ist ein Irrglaube. Ärzte diagnostizieren Verletzungen die von einfachen Prellungen des Fersenbeines bis hin zu Trümmerbrüchen der Schienbein- und Oberschenkelknochen führen. Solche Verletzungen erhöhen das Risiko zu ertrinken enorm.

Bei Gewitter niemals baden?

Das Wasser kann den Strom eines Blitzes über weite Strecken leiten.
Das Wasser kann den Strom eines Blitzes über weite Strecken leiten.(Foto: imago/Westend61)

Richtig! Bei Gewitter darf man sich weder im noch auf dem  Wasser befinden. Egal, ob am Meer, am See, in der Badeanstalt oder am eigenen Pool: Zieht ein Gewitter auf, sollte man das Wasser schnell verlassen und Schutz in einem Gebäude oder Pkw suchen. Ist das nicht möglich, sollte man sich zumindest weit vom Strand oder Pool entfernen. Auch Wassersportler müssen sich so schnell wie möglich an Land begeben. Der Grund für diese Maßnahmen liegt in der Gefahr, die durch Blitze ausgehen. Schlägt ein Blitz am oder sogar ins Wasser ein, dann breitet er sich explosionsartig aus. Die entstehende Energiewelle kann bei Schwimmern, Tauchern oder Wassersportlern in Booten zu Verkrampfungen, Bewusstlosigkeit oder einem Schock und das wiederum zu Herzstillstand und anschließendem Ertrinken führen. Baden während Gewitter ist also lebensgefährlich, selbst wenn der Blitz nicht direkt beim Schwimmer einschlägt.

Schwimm nicht so weit raus.

Richtig, obwohl weit ein relativer Begriff ist! "Diese Baderegel 'predigen' wir immer wieder", betont Wiese. Schwimmer, die ihre Kräfte überschätzen oder die Gewalten der Natur unterschätzen, geraten jedes Jahr erneut in brenzlige Situationen. "Gerade an den Küsten von Nord- und Ostsee", ergänzt Wiese. Hier können Strömungen vorherrschen, die einen Rückweg sehr erschweren und unter Umständen sogar für gute Schwimmer unmöglich machen." Deshalb ist in vielen Bereichen der Badeabschnitt mit Bojen begrenzt. Diese Begrenzungen sollten von Schwimmern unbedingt eingehalten werden. 

Geh nicht mit vollem Magen ins Wasser.

Richtig! "Eltern warnen zu Recht immer wieder davor, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen. Ein üppiges Mahl erhöht die Gefahr eines Kreislaufkollapses enorm – und das nicht nur bei Kindern", betont Wiese. Der Körper konzentriert sich nämlich nach dem Essen auf die Verdauung. Der Magen benötigt den Großteil der Energie dafür. Um den Kälteschock beim Baden auszugleichen, ist jedoch auch zusätzliche Energie nötig. Aus diesem Grund kann es beim Baden sogar zu einer Ohnmacht kommen, die im Wasser schnell lebensgefährlich sein kann. "Dazu kommt das Risiko, dass man sich während des Badens am Wasser verschluckt. Das kann zum Erbrechen und schließlich zu einer Hilflosigkeit oder sogar Notsituation führen", ergänzt der Experte. Also nach dem Snack am Kiosk, der ja oftmals aus hochkalorischen Pommes, Bratwurst oder Süßem wie Eis oder Kuchen besteht, erst einmal eine Verdauungspause von mindestens 30 Minuten einlegen.

Menschen, die beim Baden in Not geraten, kann jeder retten.

Ein Rettungsschwimmer springt vom Boot ins Wasser, um Badende zu bergen.
Ein Rettungsschwimmer springt vom Boot ins Wasser, um Badende zu bergen.(Foto: imago/Margit Wild)

Falsch! Nur wer sich selbst dazu in der Lage fühlt, sollte auch als Retter ins Wasser gehen. Ein Nicht- oder Schlechtschwimmer, der einen Ertrinkenden retten will, bringt sich schnell selbst in Lebensgefahr und sollte deshalb die Situation so realistisch wie möglich einschätzen. Eine Person, die im Wasser in Panik gerät, kann nämlich unvorstellbare Kräfte entwickeln und zum Beispiel den Hals des Retters umklammern und ihn mit unter Wasser ziehen. Dennoch ist jeder verpflichtet, im Falle eines Falles Rettungsmaßnahmen einzuleiten: So schnell wie möglich Bademeister/DLRG verständigen oder 112 wählen, andere Badegäste in die Rettung einbeziehen, einen Rettungsring oder Ähnliches dem Menschen in Not zuwerfen. Reanimation, wenn nötig. Für Schwimmer, die sich imstande fühlen, selbst zu Rettern zu werden, ist es ganz wichtig, das Opfer von hinten anzuschwimmen, anzusprechen und zunächst zu beruhigen. Erst wenn man das Gefühl hat, das Opfer ist beruhigt, kann man es mit dem richtigen Griff von hinten "abschleppen". Eine Umklammerung durch den Ertrinkenden ist unbedingt zu vermeiden. Zudem sollte einem Ertrinkenden niemals die eigene Hand gereicht werden, sondern ein Hilfsmittel.

Nasse Badesachen schnell gegen trockene wechseln.

Richtig! Auch wenn das keine allgemeine Baderegel ist, beharren (Groß-)Eltern immer wieder darauf. Zu Recht! Denn vor allem bei Kindern und Frauen kann die Verdunstungskälte nicht nur zu einer Unterkühlung oder Erkältung führen, sondern auch zu einer Harnwegs- oder Blaseninfektion. Kühlt der Körper zu sehr aus, wird das Immunsystem zudem geschwächt. Das nasse, warme Klima in Badebekleidung, die am Körper trocknet, ist zudem ein guter Nährboden für Keime.

Blaue Lippen sind beim Baden normal.

Kinder müssen beim Baden lückenlos beaufsichtigt werden.
Kinder müssen beim Baden lückenlos beaufsichtigt werden.(Foto: imago/Westend61)

Falsch! Vor allem Kinder sind so vom Badespaß abgelenkt, dass sie dabei oftmals gar nicht bemerken, wie kalt ihnen ist. Ein sicheres Zeichen für eine anstehende Unterkühlung ist die Blaufärbung der Lippen. Der Körper reagiert so auf die Kälte, indem er die Adern verengt. Dadurch fließt das Blut langsamer durch den Körper. Das bedeutet wiederum, dass sauerstoffarmes Blut langsamer ab- und sauerstoffreiches Blut nur langsam nachfließt. Sauerstoffarmes Blut hat eine bläuliche Färbung und scheint an Stellen mit dünner Haut, wie an den Lippen zuerst. Um die Kerntemperatur im Körper aufrechtzuerhalten, wird diesem Bewegungsenergie entzogen. Das kann, gerade bei Kindern zu Krämpfen in den Beinen und sogar zur Bewusstlosigkeit führen. Ist der Körper ausgekühlt, fällt es vor allem Kindern viel schwerer, sich über Wasser zu halten.

Schwimmhilfen bewahren Kinder vorm Ertrinken.

Falsch! (Groß-)Eltern, die glauben, dass Schwimmhilfen ein Kind vorm Ertrinken bewahren könnten, irren. Ob mit Luft gefüllte oder andere Auftriebskörper wie Poolnudel oder Schwimmbrett: Kinder müssen als Nichtschwimmer beim Baden und auch am Strand lückenlos beaufsichtigt werden, denn sie ertrinken ganz leise. Auch Kinder, die das Seepferdchen (die erste erreichbare Schwimmstufe) schon geschafft haben, sind noch längst keine sicheren Schwimmer und müssen ebenso im Wasser und am Strand ständig beaufsichtigt werden. Weil das Ertrinken zu den häufigsten Todesursachen gehört, sollten Kinder frühzeitig schwimmen lernen, jedoch nicht vor dem fünften bis sechstem Lebensjahr.

Quelle: n-tv.de

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