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Schmerzen oder Druckgefühle im oberen Bauch gehören oftmals zum Sodbrennen dazu.
Schmerzen oder Druckgefühle im oberen Bauch gehören oftmals zum Sodbrennen dazu.(Foto: imago/All Canada Photos)

Wie Feuer hinterm Brustbein: Sodbrennen ist ein Volksleiden

Von Jana Zeh

Die meisten Menschen freuen sich auf den Festessen zu Weihnachten - auch am zweiten Tag. Andere wiederum fürchten sich vor den schmerzhaften Auswirkungen – und meinen damit nicht den Blick in den Spiegel nach den Feiertagen.

Die meisten Menschen freuen sich auf den Festtagsbraten zu Weihnachten - auch am zweiten Tag. Andere wiederum fürchten sich vor den schmerzhaften Auswirkungen – und meinen damit nicht den Blick in den Spiegel nach den Feiertagen. Was Sodbrennen genau ist, wann es für die Gesundheit gefährlich werden könnte und warum es auch helfen kann, seine Schlafposition zu ändern, erläutert Prof. Christian Trautwein, Direktor der Klinik für Gastroenterologie der Uniklinik Aachen.

Sodbrennen ist eine Krankheit

Das ist nicht ganz richtig. "Sodbrennen ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das bei einigen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes in verschiedener Stärke auftreten und zu mitunter ernsthaften Folgeerkrankungen führen kann", betont Prof. Christian Trautwein, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten im Gespräch mit n-tv.de. Als Sodbrennen bezeichnet man die Wahrnehmung, wenn Verdauungssäfte vom Magen bis in den Mund aufsteigen. Die Krankheit, die am häufigsten durch Sodbrennen angezeigt wird, nennt sich Refluxkrankheit (gastroesophageal reflux disease, kurz GERD) oder Refluxösophagitis. Häufig liegt ihr ein Zwerchfellbruch zugrunde. Auslösende Ursachen sind häufig Alkohol oder Nikotin. Bei übergewichtigen Patienten kommt die Refluxkrankheit häufiger vor als bei normalgewichtigen Personen.

Sodbrennen ist eine Volkskrankheit

Häufiges Sodbrennen sollte vom Arzt behandelt werden.
Häufiges Sodbrennen sollte vom Arzt behandelt werden.(Foto: imago stock&people)

Ja und nein, denn geklärt war ja bereits, dass Sodbrennen keine Krankheit sondern ein Symptom ist. Aus diesem Grund ist es besser von einem Volksleiden zu sprechen, denn in Deutschland leidet etwa jeder fünfte Erwachsene zumindest hin und wieder unter aufsteigender Magensäure, auch Reflux genannt, und dann unter dem Symptom Sodbrennen. "In der Gastroenterologie gehört neben dem Gallensteinleiden die Refluxerkrankung  zu den häufigen Volksleiden ", bestätigt Trautwein. 15 Prozent der deutschen Bevölkerung haben eine durch Reflux bedingte Krankheit. Auch die Anzahl der in Apotheken erworbenen Magensäurehemmer (auch Protonenpumpen-Inhibitoren oder PPI), die hauptsächlich gegen Sodbrennen zum Einsatz kommen, bestätigt die weite Verbreitung des Symptoms. Der Absatz von Magensäurehmmern hat sich von 2003 bis 2013 verfünffacht. Auch weltweit gehört diese Medikamentengruppe zu den am meisten verkauften.

Sodbrennen ist gar nicht so schlimm.

Das stimmt, allerdings nur, wenn Sodbrennen nur selten auftritt. Wer öfter als einmal die Woche Sodbrennen, Schmerzen oder Druck im Oberbauch hat und/oder sehr häufig aufstößt, der sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen, denn die Gefahr besteht, dass sich die Schleimhaut in der Speiseröhre durch ständig wiederkehrenden Kontakt mit Magensäure entzündet - und im schlimmsten Fall bösartige Veränderungen entstehen. Der Arzt muss die Ursachen für den Hochfluss der Magensäure klären. In Deutschland wird das oft mit einer Magenspiegelung gemacht. Bei einigen Patienten wird dabei die Refluxkrankheit zufällig entdeckt. Obwohl die Krankheit schon jahrelang besteht, spüren sie keinerlei Symptome. Andere Patienten wiederum bemerken recht schnell und oftmals sogar schmerzhaft, wenn die sauren Verdauungssäfte den Magen aufwärts verlassen.

Es gibt wirksame Hausmittel gegen Sodbrennen.

"Das eine Hausmittel gegen Sodbrennen gibt es nicht" betont Trautwein. Menschen, die hin und wieder unter Sodbrennen leiden, müssen ausprobieren, was ihnen hilft oder einfach abwarten. Magenfreundliche Tees, gut gekaute Nüsse oder Mandeln können gelegentliches Sodbrennen lindern.  "Insgesamt bringt jede Art von Nahrung zumindest zeitweise Linderung", erklärt Trautwein. Der ph-Wert der Magensäure, der normalerweise bei 1 bis 1,5 liegt, wird durch aufgenommene Nahrung erhöht beziehungsweise durch diese  verdünnt. Patienten erzählen oft, dass es ihnen kurz nach dem Essen besser geht. Bei Betroffenen mit häufigem oder sogar chronischem Sodbrennen helfen solche Maßnahmen allerdings nur sehr kurzfristig. Sie müssen oftmals auf Medikamente zurückgreifen, die allerdings langfristig nur in Absprache mit dem behandelten Arzt eingenommen werden sollten.

Hat die Schlafposition Einfluss auf die Beschwerden?

Durchaus. Wer auf den Bauch schläft und häufig unter Sodbrennen leidet, tut sich damit keinen Gefallen, denn der Druck auf den Bauch und die Verdauungsorgane nimmt in dieser Position zu und die Magensäure läuft quasi ungehindert die Speiseröhre hinauf. "Vor allem nachts fließt die Magensäure bei Patienten mit Sodbrennen die Speiseröhre hinauf", sagt Trautwein. Aus diesem Grund ist das  Schlafen auf dem Rücken mit hochgelagertem Oberkörper zu bevorzugen. So wirken zumindest Teile der Gravitationskraft und die Magensäure muss beim Hochfließen erst einmal dagegen ankommen.

Kaugummi kauen soll helfen?

"Das ist eher unwahrscheinlich", sagt Trautwein. "Durch das Kauen werden die Bildung von Speichel und Magensäure angeregt. Das führt eher zur Bildung von noch mehr Magensäure als zu weniger", erklärt der Experte. Die Argumentation, dass der vermehrte Speichelfluss die Magensäure "verdünnen" könnte, trifft nicht zu. Da aber jeder Mensch anders ist und auch das Sodbrennen verschiedene Ursachen haben kann, kann ein Kaugummi bei manchen Personen durchaus entlastende Momente bringen.

Magensäure ist in der zivilisierten Welt überflüssig.

Tatsächlich mehren sich die Stimmen von Experten, die  der Meinung sind, dass Magensäure für eine einwandfreie Verdauung heute nicht mehr nötig ist und nur ein evolutionäres Überbleibsel ist, das in Zeiten, in denen die Menschen viele krankheitserregende Mikroorganismen mit ihrer Nahrung aufgenommen haben, eine Berechtigung hatte. Prof. Trautwein sieht das allerdings etwas anders. "Die Magensäure hat auch heute noch eine wichtige Aufgabe. Sie gehört zum Immunsystem dazu. Ihre Aufgabe ist es bis heute, Keime, die über die Nahrung in den Körper gelangen, unschädlich zu machen", so Trautwein. Zudem ist sie ein wesentlicher Bestandteil beim Verdauungsprozess.

Quelle: n-tv.de