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(Foto: picture alliance / Frank Rumpenh)
Sonntag, 06. August 2017

Nur zwei Arten fressen mit: Wespen sind echte Nervlinge

Von Jana Zeh

Sommerzeit ist auch Wespenzeit: Die gelb-schwarzen Insekten werden von den meisten Menschen gefürchtet. Damit sie niemanden stechen, werden sie getötet, gefangen oder geschlagen. Dabei sind die Tiere alles andere als stechwütige Ungeheuer mit Flügeln. Wer weiß, wie man richtig mit ihnen umgeht, muss sie auch nicht fürchten. Allergiker allerdings müssen aufpassen. Warum, erklärt n-tv.de.

Wespen sind an sich aggressive Tiere.

Falsch. "Wenn man oft über Wespen spricht, dann geht es eigentlich nur um zwei Wespenarten, die uns manchmal nerven: um die Deutsche Wespe und um die Gemeine Wespe", erklärt der NABU-Insektenexperte Julian Heiermann. "Nur diese beiden Arten laben sich an dem, was auch Menschen zu sich nehmen", so der Experte weiter. Alle anderen Wespenarten, von denen es in Deutschland einige hundert verschiedene gibt, bekommen wir Menschen meist gar nicht direkt zu Gesicht. Sie ernähren sich vorwiegend von Nektar, Pollen und Pflanzensäften sowie anderen Insekten. Auch die Tiere der beiden nervenden Arten sind nicht an sich aggressiv. Ihr schwarz-gelbes Aussehen ist zwar eine Warnfärbung, die angibt: Lass mich in Ruhe, dann tue ich dir auch nichts! Wespen stechen Menschen also nur, wenn sie sich bedroht durch sie fühlen oder ihr Nest in Gefahr sehen. Sie stechen allerdings auch zu, um Insekten, die als Nahrung für die Larven verwendet werden können, zu töten. Aggressives Verhalten ist das dennoch nicht.

Wespen, die man beim Essen versehentlich mit herunterschluckt, sind gefährlich.
Wespen, die man beim Essen versehentlich mit herunterschluckt, sind gefährlich.(Foto: picture alliance / dpa)

Wespen laben sich vor allem an Süßem.

Stimmt nicht! Viele Wespenarten benötigen im Laufe einer Saison verschiedene Nahrungsquellen, denn sie betreiben intensive Brutpflege. Im späten Frühling bis zum Juli bevorzugen die Tiere eiweißreiche Kost, also Herzhaftes, in der Regel Insekten. Mit dieser Nahrung müssen die Larven in den Nestern ständig gefüttert werden. Diese sondern ihrerseits eine nektarähnliche Flüssigkeit ab, die als Nahrung für die fütternden Arbeiterinnen dient. Erst im Laufe des Sommers ändert sich das. Die Königin stirbt, so dass keine Larven mehr versorgt werden müssen, aber auch keine Belohnung mehr für die Arbeiterinnen zur Verfügung steht. Die Arbeiterinnen haben Hunger und stürzen sich auf alles Süße, was sie finden können. Ist einmal eine Nahrungsquelle entdeckt, lassen die Tiere sich davon nicht wieder abbringen. Sie fressen, bis sie satt sind. Und das nervt uns Menschen.

Mit Zuckerwasser kann man Wespen vom eigenen Essen fernhalten.

Das kommt darauf an. Eine Ablenkfütterung in Form von Zuckerwasser ist vor allem dann wirksam, wenn man es aufstellt, bevor man Kuchen und Torten im Freien serviert. Die Tiere riechen die süße Nahrungsquelle und bleiben dort, bis sie satt sind. "Als Ablenkfutter sollte man niemals Honig oder Honigwasser benutzen", betont der Biologe. Denn dort könnten sich auch Bienen laben und sich über den Honig mit Krankheiten anstecken. Aber auch anderes Wespenfutter wie überreifes Obst eignet sich als Ablenkung, wenn es im Abstand von fünf bis zehn Metern aufgestellt wird.

Wespen kann man einfach mit den Armen verscheuchen.

Falsch! Durch ein Wedeln mit den Armen versetzt man die Tiere in Stress – und das kann tatsächlich dazu führen, dass sie sich wehren und stechen. Auch schlagen oder wedeln kann von den Insekten als Angriff interpretiert werden. Am besten ruhig bleiben. Wespen können gut mit einer Zeitung und langsamen Bewegungen vom Kuchen weg- oder auch aus Zimmern rausgeleitet werden. 

Achtung! Auch tote Wespen können stechen.
Achtung! Auch tote Wespen können stechen.(Foto: picture alliance / dpa)

Wespen lassen sich am besten wegpusten.

Falsch. Auch diese Methode hat sich nicht bewährt. Im Gegenteil! Die Tiere nehmen das Kohlendioxid, das im Atem ist, als Alarmauslöser wahr – und könnten zustechen. Besonders nervige Exemplare könnten auch hinter bunten Farben auf Kleidung oder blumig riechenden Parfümen Nahrung wittern. Wer sich dann von Wespen bedrängt fühlt, kann schnell hintereinander "sauer, sauer, sauer" sagen. Das beeindruckt zwar nicht die Tiere, hilft aber, Ruhe zu bewahren. Zudem gibt es den Tieren die Zeit, um zu verstehen, dass hinter verlockenden Farben oder Gerüchen doch keine Nahrung steckt.  

Wespen lassen sich mit entzündetem Kaffeepulver am besten fernhalten.

"Das kann man ausprobieren", sagt Heiermann. Es gibt allerdings keine wissenschaftliche Untersuchung dazu, die das bestätigt. Noch besser sei es, vor einem gemütlichen Kaffeetrinken oder Picknick im Freien präventiv gegen Wespen vorzugehen. Das bedeutet, Getränke und Nahrungsmittel erst rauszustellen oder zu öffnen, wenn man sie auch essen will, Trinkgläser im Freien nur mit Deckel und dünnen Trinkhalmen zu benutzen, nicht aus Flaschen oder Büchsen zu trinken und Süßspeisen schnell wieder in abgeschlossene Behälter zu packen, die am besten luftdicht sind.

Wespen sind Schädlinge.

Falsch. "Wespen sind manchmal Nervlinge", antwortet Heiermann mit einem Lächeln und meint damit vor allem die Gemeinen und die Deutschen Wespen. Die Insekten haben ihren festen Platz in der Artengemeinschaft. Sie fressen Raupen und andere Tiere, die eher als Schädlinge bezeichnet werden, und sind gleichzeitig Bestäuber. Sie sind also nervige Nützlinge.

Wespennester müssen schnell entfernt werden.

Falsch. "Als erstes muss geschaut werden, um welche Wespenart es sich bei dem Nest handelt", erklärt Heiermann. Eine Feldwespe beispielsweise ist für den Menschen gar keine Bedrohung. Dann muss man auch schauen, an welcher Stelle im Haus sich das Nest befindet. "Über Türen zum Beispiel ist ein Wespennest sehr schlecht, denn die Erschütterung durch eine zuschlagende Tür könnten die Tiere als Bedrohung wahrnehmen. Dann werden die Wächter des Nests aktiv und wollen durchaus auch mit ihren Stacheln die Gefahr verjagen. In Kitas, Schulen, Altenheimen oder auch in Haushalten mit Insektengift-Allergikern kann man tatsächlich Nester schnell von einem Fachmann entfernen lassen. Manchmal können Wespennester auch gut umgesiedelt werden."

Wespenstiche können tödlich sein.

Richtig. Für Nicht-Allergiker ist ein Wespenstich auf der Haut sicher sehr unangenehm und dennoch kein gesundheitlich ernsthaftes Problem. Für Allergiker dagegen kann er zu einem lebensbedrohlichen Zustand in Form eines allergischen Schocks führen. Insektengift-Allergiker sollten deshalb immer Antihistamin- oder Kortisonpräparate dabeihaben. Breitet sich die Rötung nach einem Wespenstich stark aus, kommen Fieber und Schüttelfrost hinzu, sollte auch schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Ebenso lebensgefährlich kann der Stich sein, wenn man eine Wespe in den Mund bekommt oder sogar verschluckt. Denn die Schwellung im Mund oder an anderer Stelle im Körper kann dazu führen, dass die Atmung so stark beeinträchtigt wird, dass man schließlich erstickt.

Quelle: n-tv.de

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