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Als Vierjähriger wog Lu Zhihao bei einer Körpergröße von 1,10 Meter 62 Kilogramm. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind für Kinder wie diesen Jungen aus China immens.
Als Vierjähriger wog Lu Zhihao bei einer Körpergröße von 1,10 Meter 62 Kilogramm. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind für Kinder wie diesen Jungen aus China immens.(Foto: REUTERS)

Studie beschreibt Folgen: Fettleibigkeit schlecht fürs Gehirn

Bisher glaubten Forscher und Mediziner: Übergewicht schadet dem menschlichen Gehirn nur, wenn es mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht. Eine Auffassung, die eine neue Studie jetzt widerlegt. Das Fazit: Es gibt keine gesunde Fettleibigkeit. Aber auch zu geringes Gewicht schadet.

Fettleibigkeit erhöht einer Studie zufolge das Risiko für Störungen des Gehirns und somit auch für Demenz. Dass Übergewicht schlecht für das Gehirn ist, vermuten Forscher schon seit Langem, bislang schoben sie das aber auf Begleitkrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes. Die neue Studie der Gruppe um Archana Singh-Manoux vom französischen Forschungsinstitut Inserm zeigt: Auch dicke Menschen, die ansonsten gesund sind, sind besonders anfällig für kognitive Störungen. Die Forscher veröffentlichen ihre Ergebnisse im Journal "Neurology" der American Academy of Neurology (AAN).

Spätestens im Alter rächt sich Übergewicht.
Spätestens im Alter rächt sich Übergewicht.(Foto: REUTERS)

6401 Menschen nahmen über einen Zeitraum von zehn Jahren an der Studie teil. Zu Beginn waren sie im Durchschnitt 50 Jahre alt. Die Forscher notierten den Body-Mass-Index (BMI) sowie verschiedene Risikofaktoren der Teilnehmer. Beim Start und während der folgenden zehn Jahre absolvierten die meisten Testpersonen drei Untersuchungen zu Gedächtnisleistungen und anderen kognitiven Eigenschaften.

"Während der zehn Jahre der Studie fielen die Punktzahlen der Tests bei Fettleibigen und Menschen mit krankhaften metabolischen Werten um 22,5 Prozent schneller als bei denen mit Normalgewicht und ohne Herz-Kreislauf-Krankheiten", heißt es in einer Mitteilung der AAN. Doch auch in der Gruppe der metabolisch Gesunden gab es Unterschiede in der Gesamtwertung der Tests zwischen Normal- und Übergewichtigen.

Fettgewebe sendet Hormone aus

In den vergangenen Jahren hatten einige Wissenschaftler vermutet, dass Übergewicht nur dann schädlich ist, wenn die Betroffenen auch Herz-Kreislauf-Probleme haben, erläutert der Leiter der Klinik für Neurologie an der Uniklinik Kiel, Günther Deuschl. Diese These gelte für Demenz nicht: "Es gibt keine gesunde Fettleibigkeit. Das ist damit gesagt." Er betont, die Testpersonen hätten noch keine Demenz - die kognitiven Auffälligkeiten führten aber wohl auf Dauer zu einer Demenz.

Über die Ursachen, den Zusammenhang von Übergewicht und kognitiven Störungen, könne man nur spekulieren. Der Experte, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist, nennt aber zwei der wichtigsten Mutmaßungen von Forschern: "Es könnten gefäßabhängige Störungen sein, Fett lagert sich in den Gefäßen ab und verengt sie." Eine andere Theorie sei, dass das Fettgewebe Hormone aussende, die das Gehirn beeinflussten.

Deuschl betont aber auch, dass extrem niedriges Gewicht auch nicht gesund sei: "Der Mensch lebt am längsten und bleibt dabei geistig und körperlich gesund, wenn er Normalgewicht hat. Regelmäßige sportliche Aktivität und ein aktives geistiges und soziales Leben sind beste Vorsorgemaßnahme gegen die Demenz."

Quelle: n-tv.de

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