Montag, 07. September 2009
"Flüssiges Gold" an Bauch und Hüften: Fettzellen lassen sich umwandeln
Fett an Bauch und Hüften könnte bald eine Reserve zur Zellgewinnung sein.
(Foto: picture-alliance/ ZB)
Die Fettpolster des Menschen bergen einen Fundus an Zellen, die sich in eine Art embryonale Stammzellen umwandeln lassen. Diese Entdeckung machten Forscher der Stanford-Universität in Palo Alto (Kalifornien) bei der Untersuchung von Fettzellen, die sich vier Schwergewichtige im Alter von 45 bis 60 Jahren absaugen ließen.
In den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS"; online vorab veröffentlicht) vom Dienstag berichten die Wissenschaftler, dass sich die Fettzellen aus dem Bauchspeck leichter und erfolgreicher zu sogenannten induzierten pluripotenten - also vielseitig verwendbaren - Stammzellen verarbeiten lassen als die bisher meist benutzten Hautzellen (Fibroblasten). "Wir haben eine große natürliche Quelle identifiziert", sagte Co-Autor Michael Longaker. Er bezeichnete abgesaugte Fettzellen als "flüssiges Gold".
Mehrwöchige Vorbehandlung
Hautzellen müssen im Labor erst drei oder mehr Wochen vorbehandelt werden, bevor sie induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) werden können, erläutern die Autoren. Fettzellen dagegen lassen sich sofort umwandeln. Sie können von ihrem embryonalen Zustand in Knochen-, Muskel- und Fettzellen umprogrammiert werden. Dagegen reagierten Hautzellen schlechter auf die Reprogrammierung durch die verwendeten Gene, erklärt der federführende Autor, Ning Sun.
Die Forscher schleusten vier Gene in die Fettzellen ein, um sie in einen embryonalen Zustand zurückzuversetzen. Dieser Gentransfer birgt allerdings ein Krebsrisiko. Andere Forscherteams haben Zellen aus verschiedenen Geweben von Mensch und Tier bereits mit weniger Genen zurückprogrammiert oder konnten ganz auf das Einschleusen von Genen verzichten.
Therapien nach Maß
Mediziner hoffen, mit Hilfe von iPS-Zellen in Zukunft verschiedene Krankheiten behandeln zu können. So könnten die Zellen als Ersatz für verschlissenes Gewebe heranwachsen und damit die Grundlage für eine maßgeschneiderte Therapie sein. Solche Alleskönner-Zellen haben das gleiche genetische Material wie der Patient selbst - sie werden daher nicht abgestoßen.
dpa
Hintergründe zur Nachricht
Wissen
-
Kleinste europäische Trägerrakete
Vega bereit für Jungfernflug
-
Maya-Forscher sind sich (fast) sicher
Die Welt geht 2012 nicht unter
-
Dichtung und Wahrheit
Neues von der CO2-Lüge
-
Vahrenholt irrt
"Es wird weiterhin wärmer"
-
Reparatur statt Austausch
Titanring dichtet Herzklappen ab
-
Im Rücken und im Magen
Wenn die Seele schmerzt
-
Krebstherapie in der Schwangerschaft
Chemo gefährdet Babys nicht
-
Fundsache, Nr. 1081
Römische Außenposten aufgespürt
-
Töne im hohen Ultraschallbereich
Wie sich Primaten unterhalten
-
Null Überlebenschance ohne Futter
Kälte tötet Vögel im Watt
-
Die Streifen stören
Bremsen stechen keine Zebras
-
Neue Berechnungen vorgestellt
Gletscher verlieren weniger Masse
