Wissen
Was man kennt, kann man besser Schützen.
Was man kennt, kann man besser Schützen.(Foto: picture alliance / dpa)

Inventur der Natur: Forscher erfassen Artenvielfalt

Auf der Erde kreucht und fleucht es. Allein von Insekten sind bisher beinahe eine Million Arten bekannt. Verschiedene Hochrechnungen gehen allerdings von einer vielfach höheren Zahl aus. Biologen wollen nun fast alle auf der Erde lebenden Arten katalogisieren.

Video

Mit mäßigem Mehraufwand könnten Forscher die Artenvielfalt auf der Erde binnen einiger Jahrzehnte weitgehend erfassen. Das berichtet ein internationales Forscherteam in der Zeitschrift "Science".

Die Biologen um Mark Costello von der neuseeländischen Universität Auckland stützen ihre Meinung vor allem auf aktuelle Schätzungen der Artenvielfalt und die derzeitige Bestimmungsrate neuer Spezies. Eine umfassende Bestandsaufnahme sei vor allem wichtig dafür, bedrohte Spezies vor dem Aussterben zu retten.

Eine Inventarisierung aller Arten auf der Erde in absehbarer Zeit hielten viele Forscher bisher für kaum möglich. Manche Schätzungen gehen davon aus, dass auf der Erde 30 bis 100 Millionen Spezies leben. Gleichzeitig beklagen viele Wissenschaftler einen Mangel an Taxonomen – also jenen Menschen, die neue Spezies bestimmen.

Billiger als Suche nach fremdem Planeten

Beiden Argumenten widersprechen Costello und seine Mitautoren entschieden. Sie schätzen, dass es zurzeit auf der Erde "nur" etwa fünf Millionen Arten gibt. Davon seien 1,5 Millionen schon erfasst. Mit nur mäßig stärkerem Aufwand als bisher könnten die meisten fehlenden Arten bis zum Ende des Jahrhunderts bestimmt werden, schreiben die Forscher. Das würde weniger kosten als die Suche nach Leben auf fremden Planeten.

In jüngster Zeit wurden demnach jährlich etwa 18.000 neue Spezies bestimmt. Würde diese Zahl auf 20.000 steigen, wären bis zum Jahr 2100 etwa 3,5 Millionen Spezies erfasst. In einer früheren Studie hatten Forscher berechnet, dass man die Rate mit einer jährlichen Förderung von einer halben bis einer Milliarde US-Dollar (etwa 375 bis 750 Millionen Euro) verzehnfachen könnte.

Die "Science"-Autoren verweisen auch darauf, dass die Zahl der Taxonomen zunehme. Demnach gibt es derzeit fast 50.000 Taxonomen. Und immer mehr Menschen widmeten sich der Bestimmung neuer Arten, schreiben sie, vor allem in Asien und Südamerika, wo besonders viele unbekannte Arten leben.

Die Bestandsaufnahme sei vor allem wichtig zur Bewahrung bedrohter Lebewesen vor dem Aussterben. Die Benennung einer Art und die formelle Bestätigung ihrer Existenz erleichtere ihren Schutz. Zudem helfe auch zusätzliches Wissen um Organismen und ihre Lebensräume bei ihrer Rettung.

Überhöhte Schätzungen

"Überhöhte Schätzungen zur Zahl der Arten auf der Erde sind kontraproduktiv, denn sie können Versuche zum Erfassen und Erhalt der Artenvielfalt sinnlos erscheinen lassen", schreiben die Forscher. "Wie wir hier zeigen, sind sie auch ungenau, und mehr taxonomische Ressourcen sich bei der Entdeckung und Bewahrung von Leben auf der Erde auszahlen."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen