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Biologische Schädlingsbekämpfung: Forscher extrahieren Gift der Vogelspinne

Weltweit reduzieren Schädlinge bis zu 14 Prozent der jährlichen Ernteerträge. Weitere 9 bis 20 Prozent gehen bei der Lagerung verloren. Der Grund: Es fehlt an effektiven Insektiziden. Australische Forscher sind jetzt auf eine Quelle von Toxinen gestoßen, die bereits seit 250 Millionen Jahren existiert.

Ihr Gift könnte in Zukunft weltweit Ernteerträge schützen: Die australische Vogelspinne "Selenotypus plumipes".
Ihr Gift könnte in Zukunft weltweit Ernteerträge schützen: Die australische Vogelspinne "Selenotypus plumipes".(Foto: Margaret C. Hardy)

Im Gift einer australischen Vogelspinne haben Forscher ein hochwirksames Insektizid aufgespürt. Das Peptid "OAIP-1" wirke gegen Baumwoll-Kapseleulen besser als viele synthetische Insektizide, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "PLOS One". Die Nachtfalter mindern in südlichen Ländern die Baumwoll- und Maisernte. Entdeckt wurde "OAIP-1" im Gift der Vogelspinne "Selenotypus plumipes", die mit 16 Zentimetern Beinspanne zu den größten Achtbeinern Australiens zählt.

Spinnen wurden bei der Suche nach Bioinsektiziden bisher kaum berücksichtigt – obwohl sie seit mehr als 250 Millionen Jahren Gifte ausbilden. Sie seien die wohl größte natürliche Ressource für Toxine, die gegen Insekten wirken, schreibt das Team um Glenn King und Maggie Hardy von der University of Queensland (St. Lucia/Australien). Allerdings würden Spinnen diese meist in ihre Beute spritzen – es gebe daher keine evolutionäre Notwendigkeit für eine giftige Wirkung bei oraler Aufnahme. Insektizide aber werden meist so verbreitet, dass sie von Schädlingen gefressen werden.

Muss nicht injiziert werden

In der Annahme, die Spinnengifte wirkten ohnehin nicht, wenn sie von Insekten nur gefressen und diesen nicht injiziert werden, sei ihre Wirksamkeit gar nicht erst getestet worden, erklären die Forscher. Sie analysierten nun den Gift-Cocktail der australischen Vogelspinne darauf, welche der Substanzen auch auf oralem Weg gegen Pflanzenschädlinge wirken.

Mit dem aus dem Spinnengift extrahierten "OAIP-1" im Futter starben demnach nicht nur Baumwoll-Kapseleulen, sondern auch Termiten und Mehlwürmer. Auf molekularer Ebene gleicht das Peptid den sogenannten Pyrethroiden, synthetischen Insektiziden, die rasch und niedrig dosiert wirken. Es könne synthetisch hergestellt werden und sei im Labortest bei Temperaturen bis zu 30 Grad mindestens eine Woche lang stabil geblieben, heißt es in der Studie. Denkbar sei der Einsatz in Kombipräparaten oder bei transgenen Pflanzen.

Viele Arten resistent

Insekten reduzieren die jährlichen Ernteerträge weltweit um 10 bis 14 Prozent, schreiben die Forscher. Bei der Lagerung gingen weitere 9 bis 20 Prozent durch Schädlinge verloren. Zwar gebe es inzwischen neue Methoden wie den Einsatz transgener Pflanzen, aber synthetische Insektizide dominierten weiter. Die meisten Substanzen setzten aber an einigen wenigen Punkten im Insektenstoffwechsel an. Mehr als 500 Arten von Arthropoden – darunter die bedeutendsten Schädlinge – seien deshalb resistent gegenüber einer oder mehreren Insektizid-Klassen geworden.

In den vergangenen zehn Jahren habe daher das Interesse an Bioinsektiziden zugenommen, die aus Mikroben, Insekten oder eben Spinnen stammen. Sie wirkten oft gezielt auf einzelne Arten, die Produktionskosten seien vergleichsweise gering und es biete sich die Möglichkeit, die zugrundeliegende Erbinformation in Pflanzen einzuschleusen. Als Beispiel wird das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis genannt, dessen Bt-Toxine zur Schädlingsbekämpfung in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden.

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Quelle: n-tv.de

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