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Ein großer Feenkreis mit einer harten Bodenschicht, die das Pflanzenwachstum verhindert. Australische Feenkreise haben im Schnitt Durchmesser von 4 Metern, einige können auch größer als 7 Meter sein.
Ein großer Feenkreis mit einer harten Bodenschicht, die das Pflanzenwachstum verhindert. Australische Feenkreise haben im Schnitt Durchmesser von 4 Metern, einige können auch größer als 7 Meter sein.(Foto: Dr. Stephan Getzin)

Erstmals außerhalb Afrikas entdeckt: Forscher kommen Feenkreisen auf die Spur

Die kreisrunden, kahlen Stellen auf dem Boden tragen einen wunderbaren Namen: Feenkreise. Sie waren bisher nur im südlichen Afrika zu finden. Nun stoßen Forscher auch in Australien darauf – und wollen sogar wissen, wie sie entstehen.

Rein zufällig haben Forscher des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig sogenannte Feenkreise im australischen Outback entdeckt. Die rätselhaften, kreisrunden, unbewachsenen Bodenflecken kamen bisher nur in Afrika vor. Wie sie entstehen, darüber gibt es eine Reihe von Erklärungsansätzen. Sie reichen von Ameisen, Termiten und Minen über Meteoriten, Erdgase und kosmische Strahlen. Die märchenhafte Vorstellung allerdings, dass die Ringe im Boden durch tanzende Feen entstehen, fällt für die Wissenschaftler aus. Zur Namensgebung jedoch war diese fantastische Theorie bestens geeignet.

Aus der Vogelperspektive wird ersichtlich, dass sich die Feenkreise homogen über die Landschaft verteilen.
Aus der Vogelperspektive wird ersichtlich, dass sich die Feenkreise homogen über die Landschaft verteilen.(Foto: Kevin Sanders)

Auf Fotografien von Bronwyn Bell hatte Stephan Getzin vom UFZ die Kreise erstmals gesehen. Die Biologin Bell aus Newman überflog mit Linienflugzeugen mehrfach den Nordwesten Australiens und hielt während des Fluges die Kamera Richtung Boden in der menschenleeren Region. Auf ihren Aufnahmen erkannte sie Pflanzenformationen, die denen der Feenkreise im südlichen Afrika sehr ähnelten. Bell entschied sich, Fotos nach Leipzig zu schicken. Nur einige Monate darauf machte sich Getzin selbst auf den Weg, um das Naturphänomen zu untersuchen. Tatsächlich fand er tausende Feenkreise in der Region.

Messungen ergaben, dass die Erde dort nicht nur ungewöhnlich hart, sondern auch bis zu 75 Grad Celsius heiß war. Zudem wurde nach Wasser und Insekten gesucht und Luftaufnahmen ausgewertet. Nach der Auswertung aller Daten kamen die Wissenschaftler um Getzin zu dem Schluss, dass es sich um das gleiche Naturphänomen wie in Afrika, also um Feenkreise, handele. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Wissenschaftsblatt "PNAS".

Entstehung ohne tierischen Einfluss

Doch damit nicht genug. Zu der Entdeckung lieferten die Wissenschaftler auch noch die Theorie zur Entstehung von Feenkreisen. Ihrer Meinung nach handelt es sich um ein Naturphänomen, das durch Wasserknappheit und die Selbstorganisation der Pflanzen entsteht. Die Vegetation wetteifere in regenarmen Regionen besonders intensiv um Wasser. Die kräftigsten Gräser zögen das meiste Wasser an, andere gehen ein, denn sie können auf dem festen, heißen Boden, wie er innerhalb der Kreise vorkommt, nicht gedeihen. Regenwasser, das dort fällt, fließt oberirdisch ab.

Die Anordnung in Kreisen wiederum sei von Vorteil, weil so am meisten Wasser für alle verbleibenden Gräser zur Verfügung stünde. Zudem sei an den Stellen, wo bereits Gräser gedeihen, der Boden lockerer und kühler. So könnten sich neue Pflanzen besser ansiedeln, Regenwasser versickere leichter im Boden. Auf diese Weise komme ein sich selbstverstärkender Prozess in Gang, der zu dem beobachteten Grasteppich mit Kreisen führt. Ameisen oder Termiten dagegen hatten die Forscher nur vereinzelt gefunden und damit als Ursache ausgeschlossen.

Getzin will dem Phänomen in Zukunft weiter nachgehen. Er hält es für möglich, dass auch in anderen trockenen und dünn besiedelten Regionen der Erde Feenkreise existieren.

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Quelle: n-tv.de

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