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Grönland hat bereits eine Warmzeit überstanden.
Grönland hat bereits eine Warmzeit überstanden.(Foto: picture alliance / dpa)

Prähistorischer Klimawandel: Forscher rekonstruieren Warmzeit

Der Klimawandel lässt das Eis am Nordpol tauen und den Meeresspiegel steigen. Verbreiteten Schreckensszenarien widersprechen jetzt jedoch internationale Forscher, die in einem wissenschaftlichen Mammutprojekt eine prähistorische Warmzeit untersucht haben. Grönland war schon einmal vom Klimawandel bedroht - hat sein Eis aber behalten.

Es war bis zu acht Grad wärmer als heute, die Gletscher im Norden Grönlands verloren rund 400 Meter an Höhe, das Schmelzwasser ließ den Meeresspiegel deutlich ansteigen. In einem mehrjährigen Mammutprojekt hat ein internationales Forscherteam um Dorthe Dahl-Jensen vom Niels-Bohr-Institut der Universität Kopenhagen die Folgen der letzten Warmzeit vor über 100.000 Jahren rekonstruiert. Die in der Zeitschrift "Nature" veröffentlichten Daten widersprechen Schreckensszenarien zum derzeitigen Klimawandel.

Das Großprojekt NEEM (North Greenland Eemian Ice Drilling) sollte erstmals umfassende Daten zum Eem-Zeitalter ermitteln - jener Warmzeit, die vor rund 130.000 Jahren begann und vor 115.000 Jahren endete. Beteiligt waren Hunderte Wissenschaftler aus 14 Ländern. Im Norden von Grönland trieben die Forscher einen Bohrer 2540 Meter tief durch die gesamte Eisdecke bis in das darunterliegende Felsbett. Das zutage geförderte Eisbohrkern gibt Einblick in das damalige Klima. Aufschluss liefern etwa die stabilen Isotope von Wasserstoff und Sauerstoff oder das Treibhausgas Methan, das im Eis in Luftbläschen gefangen und somit konserviert wurde.

Wärme ließ Eispanzer nur um ein Viertel schrumpfen

Nun legen die Wissenschaftler ihre ersten Resultate vor: Während der Warmzeit lag die Temperatur demnach im Norden von Grönland überraschend hoch - es war bis zu acht Grad wärmer als heute. Durch das Abschmelzen schwand am Bohrort die Dicke des Eisschildes im Zeitraum von vor 128.000 bis vor 122.000 Jahren um etwa 400 Meter. Daraus errechnen die Forscher einen jährlichen Eisschwund von etwa sieben Zentimetern. Letztlich verringerte die Wärme das Volumen des Eispanzers aber nur um etwa ein Viertel. Am Ende der Warmzeit lag die Oberfläche der Eisdecke lediglich etwa 130 Meter niedriger als heute.

Demnach trug das abgeschmolzene Grönland-Eis weniger zum Anstieg des Meeresspiegels bei als bisher vermutet. Damals lag der Wasserstand vier bis acht Meter höher als heute. Dazu trug Grönland aber nur etwa zwei Meter bei. "Diese Resultate implizieren stark, dass die Antarktis zum Anstieg des Meeresspiegels im Eem deutlich beigetragen haben muss", folgern die Forscher.

Hitzewelle sorgte im Juli für Tauwetter

Die Erkenntnisse klären aber nicht nur das Klimageschehen vor über 100.000 Jahren. Sie sollen auch Aufschluss über die Folgen der derzeitigen Wärmeperiode bringen. In den vorigen zwei Jahren war es in Nordgrönland um etwa ein bis zwei Grad wärmer als vor etwa 50 Jahren. Im vergangenen Juli sorgte eine Hitzewelle fast in ganz Grönland für Tauwetter. "Die warmen Oberflächentemperaturen des Sommers 2012 haben uns wirklich überrascht", sagt Projektleiterin Dahl-Jensen laut einer Mitteilung ihrer Universität. "Es hat geregnet und wie damals im Eem ist das Schmelzwasser versickert und in der Tiefe wieder gefroren." Die vorhergesagte Erderwärmung könne in Grönland in den nächsten 50 bis 100 Jahren zu einem Eem-ähnlichen Klima führen.

Dennoch widerspricht die Studie pessimistischen Klimaprognosen: "Anders als in Horrorszenarien ist das Eis in Grönland ziemlich stabil, es verschwindet nicht so einfach", sagt Prof. Heinrich Miller vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Der an dem Projekt beteiligte Geophysiker verweist darauf, dass selbst die extreme Erwärmung im Eem-Zeitalter über Jahrtausende den Eispanzer nur um etwa ein Viertel schrumpfen ließ. "Das zeigt ganz klar, dass man vorsichtig sein muss mit Prognosen, die einen außerordentlich raschen Anstieg des Meeresspiegels bedingt durch den Eismassenverlust Grönlands beschwören", sagt Miller.

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Quelle: n-tv.de

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