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Die Pilzinfektion lässt die Tiere schnell und in großer Zahl sterben.
Die Pilzinfektion lässt die Tiere schnell und in großer Zahl sterben.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Montag, 26. Oktober 2009

Tödliche Pilzinfektion: Frösche erleiden Herzstillstand

Ein sich weltweit ausbreitender Pilz befällt zahlreiche Frösche und tötet die befallenen Tiere durch einen Herzstillstand. Das berichtet ein Team um Jamie Voyles von der James Cook University im australischen Townsville. Damit klären die Forscher die lang gehegte Frage, wie der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis, "Bd") zahlreiche Lurche gefährdet. Bisher war nur bekannt, dass eine Infektion mit Bd die Tiere schnell und in großer Zahl sterben lässt. Rund um den Globus hat der Pilz bereits zur Ausrottung zahlreicher Populationen und Arten von Amphibien geführt. Zahlreiche Experten sehen den Bestand der Amphibien gefährdet.

Der Pilz wächst auf der obersten Schicht der Haut und ist nur schwer zu erkennen. Dies gilt auch für die nun untersuchten Grünen Baumfrösche (Litoria caerulea). Bei denen wies die Gruppe einen Herzstillstand als Todesursache nach. Die Ursache: Der Pilz stört die Aufnahme elektrisch geladener Teilchen (Ionen), besonders von Natrium, mit der Flüssigkeit durch die Haut. Solche Flüssigkeiten werden Elektrolyte genannt - Sportler nehmen solche Getränke zu sich, um beim Schwitzen verloren gegangene Salze und deren Ionen zu ersetzen. Ionen habe eine zentrale Bedeutung bei der elektrischen Reizung von Nerven- und Muskelzellen - etwa im Herzen.

Natrium- und Kaliumgehalt reduziert

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Der Gehalt von Natrium- und Kalium-Ionen im Blutplasma künstlich infizierter Frösche sei um 20 bis 50 Prozent reduziert, schreibt Voyles. Folge sind zunächst unrhythmische Herzschläge und schließlich Herzstillstand - Vergleichbares ist beim Menschen bekannt. Bei Amphibien übernimmt die Haut besonders viele Aufgaben, unter anderem regelt sie den Wasser- und Ionenhaushalt. Das Körpergewicht der infizierten Tiere war nicht verringert, die Funktion anderer Organe nicht beeinträchtigt, auch der Kohlendioxid-Gehalt des Blutes zeigte sich unverändert.

Als letzten Beleg für ihre Hypothese flößten die Forscher den infizierten Fröschen kurz vor deren Ableben eine Elektrolyt-Lösung ein. "Tiere mit dieser Behandlung nahmen wieder eine normale Körperhaltung ein, wurden aktiver und überlebten 20 Stunden länger", schreibt Voyles in "Science". Diese Zeichen der Erholung blieben bei Fröschen ohne die Lösung aus, schließlich gingen aber alle mit Bd infizierten Frösche ein. Damit scheine besonders der Kaliumverlust die Tiere zu töten. Weitere Forschungen seien nötig, um genau zu klären, wie der Pilz den Ionentransport störe.

Im vergangenen Jahr war es britischen Forschern gelungen, den tödlichen Pilz zu bekämpfen. Dazu wurden Kaulquappen sieben Tage lang täglich für fünf Minuten in Wasser mit dem Pilzgift Intraconazol gebadet, sagte Trent Garner vom Institut für Zoologie in London. Zumindest unter den kontrollierten Laborbedingungen gelang es, infizierte Kaulquappen von der Pilzinfektion zu befreien.

Quelle: n-tv.de

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