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Die Geschichte lebt bis heute fort: Wo die Heiligen Drei Könige sind, kann der Stern nicht weit sein.
Die Geschichte lebt bis heute fort: Wo die Heiligen Drei Könige sind, kann der Stern nicht weit sein.(Foto: imago stock&people)

Ungewöhnliche Himmelserscheinung: Gab es den Stern von Bethlehem?

Von Andrea Schorsch

Der 6. Januar ist der Tag der Heiligen Drei Könige. Um Jesus zu finden, waren sie einst einem besonderen Stern gefolgt. Was könnte es gewesen sein, das damals so hell am Himmel leuchtete? Astronomen gingen dem Phänomen auf den Grund.

Plötzlich stand er am Himmel. Er war so groß und hell, so auffällig, dass man ihn mit bloßem Auge erkennen konnte. Und er wies einen klaren Weg: den zum neugeborenen König. Ein Stern war es, der die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe des jungen Jesus geleitete. So jedenfalls erzählt es das Neue Testament. Im Matthäus-Evangelium ist die Geschichte festgehalten. Matthäus spricht von "Magiern", die sich damals auf die Reise begaben. Magier, so nannte man gebildete Männer, die sich mit der Sternkunde und Astrologie beschäftigten. Die Weisen waren Sterndeuter. Und so heißt es in der Einheitsübersetzung der Bibel:

"Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. … Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar." (Mt, 1 f., 9-12)

Der Stern von Bethlehem inspirierte Künstler und Astronomen. Bereits im 2. Jahrhundert versuchten Christen herauszufinden, um was für eine Himmelserscheinung es sich dabei gehandelt haben könnte. Mit diesem Wissen würde sich, so hofften sie, der Zeitpunkt von Jesu Geburt genauer bestimmen lassen.

Ein Schweifstern wie der Halleysche Komet?

Giotto di Bondone: Anbetung der Könige, 1302. Der Stern von Bethlehem ist am oberen Bildrand als Komet dargestellt.
Giotto di Bondone: Anbetung der Könige, 1302. Der Stern von Bethlehem ist am oberen Bildrand als Komet dargestellt.(Foto: Wikipedia/gemeinfrei)

Schnell kam eine erste These auf: Der Stern von Bethlehem war ein Komet, so meinte man. Diese Ansicht hielt sich lange. Giotto, italienischer Maler der Renaissance und bekannt für seinen großen Freskenzyklus über das Leben von Jesus und Maria, stellte den Stern, der die Weisen führte, Anfang des 14. Jahrhunderts als Schweifstern dar. Er hatte zuvor den Halleyschen Kometen beobachtet und war tief beeindruckt. Tatsächlich ist von diesem bereits in der Antike berichtet worden.

Nach heutigen Erkenntnissen aber kann Halley nicht der Stern von Bethlehem gewesen sein. Zwar konnte man den in den Jahren 12 und 11 v.Chr. am Himmel sehen, doch da war Jesus noch nicht auf der Welt. Die aktuelle Wissenschaft geht davon aus, dass er zwischen 7 und 4 v.Chr. geboren wurde. Und auch, dass ein anderer, uns unbekannter Komet Eingang ins Matthäus-Evangelium fand, gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Denn gemeinhin wurden Kometen in der Zeit um Christi Geburt mit Unheil in Verbindung gebracht. Sie kündigten - so der Volksglaube - Kriege, Seuchen und Hungersnöte an, nicht aber die Geburt eines Königs.

Supernova mit galaktischer Leuchtkraft?

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Wenn der Stern von Bethlehem kein Komet war, wie wäre es dann mit einer Supernova? Diese These ist jung, sie kam erst Ende des 20. Jahrhunderts auf. Sie geht davon aus, dass es ein neuer, bis zur Geburt Jesu unauffälliger Stern war, von dem Matthäus erzählt. Da liegt der Gedanke an eine Supernova nahe. Als solche wird ein Stern beschrieben, dessen Leuchtkraft plötzlich millionen- bis milliardenfach zunimmt. Kurzzeitig ist der Stern dann so hell wie eine ganze Galaxie. Der Grund: Er ist am Ende seiner Lebenszeit - und explodiert.

Auch diese These hat ihre Schwachstellen: etwa die, dass kein Astronom der damaligen Zeit eine solche Himmelserscheinung, das starke Aufleuchten eines bis dahin blassen oder gar nicht sichtbaren Sterns, dokumentiert hat. Und es gibt noch ein weiteres, gewichtigeres Argument, das gegen eine Supernova spricht: Eine Sternen-Explosion hinterlässt Spuren im All. Es bleiben Überreste, die man auch Tausende Jahre später noch sehen kann. Die heute bekannten Supernova-Reste aber stammen alle nicht von einem Sternentod aus der Zeit um Jesu Geburt. Somit gibt es nichts, was die These einer Supernova stützen könnte.

Zusammenspiel von Jupiter und Saturn

Im Jahr 7 v. Chr. standen Jupiter und Saturn dreimal so dicht beieinander am Himmel, dass sie fast zu einem einzigen Lichtfleck verschmolzen. Hier der Südsternhimmel über Jerusalem am 12. November besagten Jahres.
Im Jahr 7 v. Chr. standen Jupiter und Saturn dreimal so dicht beieinander am Himmel, dass sie fast zu einem einzigen Lichtfleck verschmolzen. Hier der Südsternhimmel über Jerusalem am 12. November besagten Jahres.(Foto: Wikipedia/gemeinfrei)

Eine dritte Theorie aber kommt dem Stern von Bethlehem schließlich sehr nah: Es könnte sein, dass hinter dem Phänomen gar kein Stern im eigentlichen Sinne steckte, sondern vielmehr das Zusammentreffen zweier Planeten am Firmament. Im Jahr 7 v. Chr. nämlich – in einer Zeit also, in der Jesus wirklich geboren worden sein könnte – kamen sich Jupiter und Saturn von der Erde aus betrachtet sehr nah. Sie verschmolzen beinahe zu einem einzigen hellen Punkt am Himmel. Und das geschah nicht nur einmal in besagtem Jahr, sondern gleich dreimal. Wahrhaftig etwas Besonderes, selbst rein astronomisch betrachtet.

Die Menschen damals stellten aber nicht einfach die besondere Planetenkonstellation mit Erstaunen fest; sie versuchten, ihr eine Aussage zu entlocken. Schließlich hatte jeder Planet und auch die Sternbilder, durch die er sich bewegte, eine eigene Bedeutung – wie auch heute noch in der Astrologie. Mit dem Saturn verbanden die Sterndeuter aus Babylonien das Volk Israel. Der Jupiter galt als Königsplanet. Und das Sternbild Fische, in dem sich die beiden Planeten für irdische Betrachter begegneten, symbolisierte das Land Palästina. Dort also, diese Botschaft ließ sich ableiten, war ein neuer König der Juden geboren.

Nicht real, sondern ein Bild?

Wenn die Weisen aus dem Morgenland, aus Babylonien, beim ersten Zusammentreffen von Jupiter von Saturn aufgebrochen waren (sie reisten auf Kamelen, und der Weg war weit), dann könnten sie bei der letzten Begegnung der beiden Planeten gerade an ihrem Ziel angekommen sein.

Die Geschichte klingt plausibel. Es ist gut möglich, dass sich hinter dem Stern von Bethlehem die dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn aus dem Jahr 7 v. Chr. verbirgt. Diese Theorie halten die meisten Astronomen für die wahrscheinlichste. Erwiesen ist sie jedoch nicht. Ebenso kann es daher sein, dass der Stern von Bethlehem gar keine reale astronomische Entsprechung hat, sondern ein reines Symbol ist. Theologen gehen davon aus, dass Matthäus in dem Stern ein veranschaulichendes Bild für den Mensch gewordenen Gott gefunden hatte. Es entsprach durchaus der damaligen Vorstellung, dass jeder Mensch seinen Stern hat, der aufleuchtet, wenn er geboren wird und erlischt, wenn der Mensch stirbt. Für Jesus ließ Matthäus einen besonders hellen Stern erstrahlen.

Zwischen den beiden großen Türmen des Kölner Doms gerade noch erkennbar: der Stern von Bethlehem.
Zwischen den beiden großen Türmen des Kölner Doms gerade noch erkennbar: der Stern von Bethlehem.(Foto: imago/Westend61)

Wie dem auch sei: Während der Stern über Jahrhunderte hinweg die Astronomen beschäftigte, regten die Weisen, die ihm damals folgten, die Fantasie der Menschen an. Sie wurden zur Legende. Wegen ihrer teuren Geschenke (Gold, Weihrauch und Myrrhe) wurden aus den Weisen in der Überlieferung alsbald Könige. Und weil sie mit drei Gaben kamen, ging man schließlich von drei Königen aus (Matthäus hatte uns über ihre Anzahl im Unklaren gelassen). Noch dazu wurden sie heilig. Im 6. Jahrhundert gab man ihnen die Namen Caspar, Melchior und Balthasar, ab dem 11. Jahrhundert schrieb man ihnen die Kontinente Europa, Asien und Afrika zu. Ihre Gebeine, die man glaubte, gefunden zu haben, brachte man 1164 als Reliquien nach Köln. Dort ruhen sie noch heute im Dreikönigenschrein im Dom. Und was glänzt auf dessen Vierungsturm? Na klar: der Stern von Bethlehem.

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Quelle: n-tv.de

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