Wissen
Luftbild der Nordostpassage in der Barentsee.
Luftbild der Nordostpassage in der Barentsee.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Polarer Klimawandel: Gastanker auf Nordostpassage

Erstmals passiert im November ein Tanker mit Flüssiggas die Nordostpassage vor der sibirischen Küste, weil nur wenig Eis im Wege ist. Mit der früher praktisch nicht nutzbaren Route eröffnen sich neue Geschäftsmöglichkeiten. Kritiker warnen vor gewaltigen Umweltrisiken.

Während bei der Klimakonferenz in Doha um Wege zur Begrenzung der drohenden Katastrophe gerungen wird, freuen sich anderswo Gasverkäufer und Schiffsreeder über steigende Temperaturen. "Unser Tanker ist unproblematisch und genau nach Plan durch die Nordostpassage nach Japan gekommen", berichtet Tony Lauritzen von der Reederei Dynagas über den ersten Flüssiggas-Transport längs der früher wegen Eis kaum passierbaren Route im Polarmeer vor der russischen Küste.

Anfang November hatte die "Ob River", beladen mit 134 738 Kubikmeter flüssigem Gas (LNG), die Leinen im nordnorwegischen Hammerfest losgemacht. Statt wie bisher via Suezkanal stand vor der Besatzung jetzt eine um 20 Tage verkürzte Reise längs der Küste vor Sibirien und durch die Beringstraße Richtung Japan

"Es gab schon Eis, so 30 bis 40 Zentimeter dick, aber das war kein Problem", berichtet Lauritzen am Telefon aus seinem Büro in Athen. Dynagas hatte diesen ersten Gastransport durch die früher im November eigentlich nicht passierbare Nordostpassage ein Jahr lang vorbereitet Als Test war das Schiff vorher ohne Ladung in umgekehrter Richtung in westlicher Richtung gefahren.

Dass bei dem Pilotprojekt auch zur Sammlung von Daten jetzt alles gut gegangen ist, freut die Verkäufer von norwegischem Gas aus den arktischen Vorkommen vor Hammerfest. Können sie doch ihr Produkt mit dem viel kürzeren Transportweg statt nur nach Europa und Nordamerika zahlungswilligeren Kunden in Asien bis zur Haustür bringen.

"Keine ausreichende Sicherheit"

Andere reagieren weniger erfreut. "Ich fürchte, jetzt wird der Schiffsverkehr durch die Nordostpassage sehr schnell und drastisch zunehmen, ohne dass für ausreichend Sicherheit gesorgt ist", sagt Thomas Nilsen vom Online-Magazin "Barents Observer" in Kirkenes, an der Arktis-Grenze zwischen Norwegen und Russland.

"Es gibt doch praktisch keine Katastrophen-Bereitschaft", moniert er und verweist auf riesige Entfernungen, die im Fall einer Havarie in dem ökologisch hochempfindlichen Polarmeer zu überbrücken wären. "Alle sollten sich an die Katastrophe mit der "Exxon Valdez" vor Alaska erinnern. So etwas hätte auch hier dramatische Konsequenzen."

"Richtig schlimm" kann es laut Nilsen werden, wenn Schiffe sich bei weiter zurückgehendem Eis noch weiter nördlich außerhalb des russischen Seegebietes bewegen. Jetzt gebe es wenigstens noch die nationalen Vorschriften, wie etwa für die Bauweise der Schiffe und ihre obligatorische Begleitung durch Eisbrecher.

Vor Kirkenes hat der "Barents Observer" eine Verzehnfachung der Schiffstransporte durch die Nordostpassage in den vergangenen zwei Jahren notiert. In diesem Jahr waren es schon 46, 2011 noch 34 und 2010 nur vier. Viele Schiffe hatten zum Beispiel Ölprodukte geladen.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen