Dem Betrug auf der SpurGehirn verrät böse Absicht

Ob jemand ein Versprechen halten wird oder nicht, lässt sich durch Gehirnmessungen bereits im Vorfeld erahnen. Eines Tages können böse Absichten also möglicherweise schon entlarvt werden, bevor der Betrug überhaupt begangen worden ist.
Ob jemand ein Versprechen halten wird oder nicht, lässt sich durch Gehirnmessungen bereits im Vorfeld erahnen. Eines Tages können böse Absichten also möglicherweise schon entlarvt werden, bevor der Betrug überhaupt begangen worden ist. Das zumindest meint Neurowissenschaftler Thomas Baumgartner von der Universität Zürich. Baumgartner und sein Hochschulkollege Ernst Fehr sowie Urs Fischbacher von der Universität Konstanz untersuchten im Hirnscanner 26 junge Männer während eines Geldspiels. Das Spiel war so angelegt, dass Probanden einen finanziellen Vorteil erlangten, wenn sie ein Versprechen brachen. Der Spielpartner hingegen erlitt eine finanzielle Einbuße.
Emotionale Konflikte erkennbar
Wie die Universität mitteilte, erhöhte sich bei Wortbrechern die Aktivität in den Gehirnregionen, die eine wichtige Rolle spielen bei Emotions- und Kontrollprozessen. Das Gehirnaktivierungsmuster ließ darauf schließen, dass der Wortbruch einen emotionalen Konflikt auslöst, weil die ehrliche Handlung unterdrückt wird. Die im Fachjournal "Neuron" veröffentlichte Studie zeigt, dass "verräterische" Muster der Gehirnaktivierung sogar eine Voraussage erlauben, ob jemand sein Versprechen halten wird oder nicht.
Die Forscher ließen die Probanden vor dem Spiel angeben, ob sie beabsichtigten, das Geld - das ihnen ihr Mitspieler danach anvertraute - zu behalten oder mit diesem zu teilen. Bei der Abgabe des Versprechens hätten sich eigennützige Spieler, die später das Geld für sich behielten, äußerlich nicht von fairen Probanden unterschieden, sagte Baumgartner. Beide Spielertypen versprachen, das Geld zu teilen - und die Wortbrecher zögerten mit ihrem Versprechen nicht länger als jene, die es ehrlich meinten.
Vorbeugung vor Finanzskandalen?
Die Gehirnmessungen entlarvten die Wortbrecher allerdings schon zu diesem Zeitpunkt: Die Aktivität in einigen Gehirnarealen habe sich deutlich von denjenigen der fairen Probanden unterschieden, sagte der Neurowissenschaftler. Verändert ist auch ein Teil der Aktivität der Großhirnrinde, der bei körperlichen Empfindungen eine Rolle spielt, wie sie für Lügendetektortests genutzt werden.
Eine theoretische Einsatzmöglichkeit der Gehirnmessungs-Methode sieht Baumgartner zum Beispiel bei großen Finanzanlagen. Gerade die Wirtschaftskrise und jüngste Finanzskandale hätten gezeigt, dass materielle Anreize zum Betrug in der menschlichen Gesellschaft allgegenwärtig seien und großen Schaden anrichten können.