Donnerstag, 04. Dezember 2008
Reizdarmsyndrom: Genetische Ursachen möglich
Ein nervöser Darm kann genetische Ursachen haben. Diesen Zusammenhang entdeckten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg. Bisher gelten die Ursachen für das so genannte Reizdarmsyndrom, eine der häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, als unklar. Diagnose und Therapie sind dadurch stark erschwert. Die Heidelberger Ergebnisse, die in der renommierten Fachzeitschrift "Human Molecular Genetics" veröffentlicht wurden, könnten helfen, wirkungsvolle Medikamente zu entwickeln.
In Deutschland gehen Experten von rund fünf Millionen Betroffenen aus, wobei Frauen etwa doppelt so häufig darunter leiden wie Männer. Manche Patienten leiden unter Verstopfung, andere unter heftigen Durchfällen oder an einem Wechsel aus beiden. Durch die oft Monate oder Jahre andauernde Erkrankung ist das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigt.
Eine entscheidende Rolle für die komplizierten Vorgänge im Verdauungstrakt spielt das Hormon Serotonin - das auch den Schlaf, die Stimmung und den Blutdruck beeinflusst. Auf den Darmzellen sitzen verschiedene Typen von Rezeptoren, an die das Serotonin nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip bindet und so zelluläre Signale weiterleitet. "Wir haben festgestellt, dass Patienten, die an Reizdarmsyndrom mit Durchfällen leiden, häufiger bestimmte genetische Veränderungen aufweisen", erklärte die Humangenetikerin Beate Niesler. Dies könne die Reizweiterleitung im Verdauungstrakt stören, wodurch es zu einer Überreizung des Darms komme.
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