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Mittwoch, 30. September 2009

Nach Beben in der Pfalz: Geothermie-Kraftwerk steht still

landau.jpgEs gilt als Vorzeigeprojekt und als Bote einer Zukunft der umweltschonenden Energieerzeugung - derzeit steht das Geothermie-Kraftwerk im pfälzischen Landau aber erst einmal still. Nachdem im August und im September an zwei Tagen in der Nähe des Kraftwerks die Erde leicht gebebt hat, wollen die Behörden auf Nummer sicher gehen und haben die Auflagen für den Betrieb erhöht. Experten gehen davon aus, dass das Kraftwerk die Beben ausgelöst hat. Die Erschütterungen haben hinter die Tiefen-Geothermie als nahezu unerschöpfliche und umweltschonende Energieform zumindest ein kleines Fragezeichen gesetzt. Auch sie scheint nicht ohne Nebenwirkungen zu sein.

Landau war das erste größere Kraftwerk dieser Art in Deutschland, es ging im November 2007 in Betrieb. Aus mehr als drei Kilometern Tiefe wird dort heißes Wasser aus der Erde gefördert und dann zur Energiegewinnung genutzt. Anschließend wird das abgekühlte Wasser wieder in die Tiefe gepumpt.

Technologie mit Nebenwirkungen

Noch gibt es in Deutschland nicht einmal eine Hand voll solcher Kraftwerke, die mit Hilfe der Erdwärme Strom und Wärme erzeugen, in den nächsten Jahren sollen aber Dutzende dazukommen. Der im Mai vom Bundeskabinett beschlossene Geothermie-Bericht rechnet damit, dass es 2020 mehr als 50 Kraftwerke geben wird. Die Stromerzeugung und Wärmeversorgung aus Geothermie-Kraftwerken biete "wirtschaftliche Perspektiven für eine saubere und ganzjährig verfügbare Energieversorgung", lobte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) im Juni.

geothermie.jpgDass die Geothermie auch Risiken hat, war bekannt. Im Winter 2006/07 gab es in der Region Basel mehrere Erdbeben, als Auslöser wurde ein Geothermie-Projekt ausgemacht, das daraufhin vorerst gestoppt wurde. Allerdings wurde dort eine andere Technik eingesetzt, bei der das Gestein im Erdinneren erst mit Druck geweitet wird, um dann Wasser zum Erhitzen einzuleiten. In Landau wird dagegen schon vorhandenes Wasser aus der Erde gefördert.

Eingriffe in das Erdinnere sind aber generell nicht frei von Risiken. Der Bundesverband Geothermie streitet gar nicht ab, dass es beim Bau und Betrieb von Geothermie-Kraftwerken zu kleineren Beben, so genannten Mikrobeben, kommen könne. Es müsse für die Geothermie eine Art Beipackzettel geben, der über Risiken und Nebenwirkungen informiere, sagt der Vizepräsident des Verbandes, Horst Kreuter. "Wir haben hier eine hervorragende Technologie, bei der es zwar zu Erschütterungen kommen kann, die aber nicht schlimm ausfallen", sagt er. Größere Schäden als mal ein Riss im Putz eines Hauses seien nicht zu befürchten - und das zahle die Versicherung.

Geringere Schäden als bei Kohlenutzung

Die Energie, die bei Geothermie-Projekten im Inneren der Erde aufgewendet werde, sei zu gering, um stärkere Beben auszulösen, sagt der Ingenieur Kreuter. Auch in Landau gab es keine Schäden, aber doch eine große Verunsicherung bei den Anwohnern. Der Bundesverband verweist darauf, dass es auch bei der Erdöl- oder Erdgasförderung oder beim Tunnelbau zu Mikrobeben komme. Das Schadenspotenzial und die Umweltbelastungen seien bei der geothermischen Energiegewinnung deutlich geringer als etwa bei Kohle-, Erdgas- oder Erdölnutzung.

oberrhein.jpgDer Oberrheingraben ist wegen seiner geologischen Struktur ohnehin ein Gebiet, in dem es immer wieder zu kleineren Beben kommt - und wegen dieser Struktur ist er zugleich für die Geothermie besonders interessant. Die natürlichen Beben halten im Erdinneren Risse und Spalten offen, die wiederum dafür sorgen, dass aus der Tiefe Hitze nach oben kommt - und so eine bezahlbare Nutzung der Geothermie erst möglich wird, weil man nicht noch tiefer und damit teuerer bohren muss.

Das rheinland-pfälzische Umweltministerium hat nach den Landauer Beben eine Expertengruppe ins Leben gerufen, die klären soll, ob die Erschütterungen tatsächlich von dem Kraftwerk ausgelöst wurden und die auch mögliche Konsequenzen erarbeiten soll. Dabei gab es eigentlich schon ein Experten-Urteil: Das Landesamt für Geologie und Bergbau war zu dem Schluss gekommen, dass die Beben mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Kraftwerk zurückgehen. Die Landesregierung, die die Geothermie immer als eine Energie der Zukunft gepriesen hat, will nicht ohne Weiteres von diesem Ziel abrücken. Sie hat aber auch betont, dass die Sicherheit an erster Stelle stehe.

Quelle: n-tv.de

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