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Auch Fischotter mussten eine Box entriegeln, um an darin versteckte Leckerbissen zu kommen.
Auch Fischotter mussten eine Box entriegeln, um an darin versteckte Leckerbissen zu kommen.(Foto: picture alliance / dpa)

Vom Eisbären bis zum Fischotter: Größeres Gehirn, schnellere Problemlösung

Es kommt doch auf die Größe an, zumindest auf die des Gehirns im Zusammenhang mit Problemlösungen. Das finden Forscher mit einer besonderen Kiste heraus und widerlegen gleichzeitig eine andere Annahme.

Es war bereits vermutet worden, doch bislang fehlten klare Belege: Nun zeigt eine US-Studie, dass Säugetiere mit großem Gehirn besser Probleme lösen. Dazu testeten die Forscher 39 Arten von Raubtieren (Carnivora) – von Eisbären über Fischotter, Tiger und Hyänen bis zu Wüstenfüchsen, die in verschiedenen nordamerikanischen Zoos leben. Die Tiere mussten eine ihrer Größe entsprechenden Box entriegeln, um an den darin versteckten Leckerbissen zu gelangen. Entscheidend für den Erfolg war tendenziell die Größe des Gehirns im Verhältnis zum Körper. Das berichtet das Team um Sarah Benson-Amram von der University oy Wyoming in Laramie in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS").

Die Forscher unterzogen insgesamt 140 Tiere aus US-Zoos dem Intelligenztest. Im Mittel kamen 35 Prozent von ihnen an das Futter, allerdings schnitten diverse Gruppen unterschiedlich ab. Am erfolgreichsten waren Bären (Ursidae), die zu 70 Prozent den Kniff fanden. Kleinbären (Procyonidae) wie etwa Waschbären kamen zu 54 Prozent an das Futter, Marder (Mustelidae) zu 47 Prozent. Schlusslicht waren die Mitglieder aus der Familie der Mangusten (Herpestidae), zu der etwa Erdmännchen oder Mungos zählen. Kein Vertreter dieser Gruppe konnte die Box öffnen.

Ein Video zeigt, wie einige Tiere sofort zielstrebig mit ihren Pfoten den Riegel öffnen. Andere dagegen umschleichen die Box oder beißen einfach hinein. Wer den Dreh einmal raus hatte, wurde den Forschern zufolge mit der Zeit immer besser. "Die Resultate geben einen wichtigen Hinweis auf den Zusammenhang von Hirngröße und Problemlösungsfähigkeit von Tieren", betont Erstautorin Benson-Amram in einer Mitteilung der Universität.

Keine eindeutige wissenschaftliche Meinung

Die Frage, ob die Größe des Gehirns wichtig ist, um komplexe Probleme zu lösen, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Zwar legten manche Studien diesen Verdacht nahe, doch wissenschaftlich wurde der Zusammenhang nur für wenige Tiergruppen belegt – etwa Vögel, Fische und Primaten.

Die Ergebnisse widerlegen den Forscher zufolge jedoch eine andere, weit verbreitete Annahme zur Entwicklung von Intelligenz. Nach dieser "social brain"-Hypothese sind Tiere, die in großen Sozialverbänden leben, besonders pfiffig. In den Versuchen von Benson-Amram waren jene Arten, die in Gruppen leben, nicht erfolgreicher als Einzelgänger. Auch die Geschicklichkeit der Gliedmaßen stand nicht in Zusammenhang mit einer besonders ausgeprägten Fähigkeit, Probleme zu lösen.

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Quelle: n-tv.de

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