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Vor allem langes Sitzen oder Liegen kann zu Gefäßverschlüssen führen.
Vor allem langes Sitzen oder Liegen kann zu Gefäßverschlüssen führen.(Foto: imago/Martin Bäuml Fotodesign)
Mittwoch, 06. September 2017

Eine Frage der Körpermaße: Große haben höheres Thrombose-Risiko

In Deutschland steigt die Zahl der Thrombose-Patienten. Das könnte auch daran liegen, dass die Menschen immer größer werden. Schwedische Forscher haben herausgefunden, dass das Risiko eines Gefäßverschlusses mit der Körpergröße zunimmt. Und nicht nur das.

Große Menschen haben ein höheres Risiko für eine Thrombose-Erkrankung. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen nimmt mit der Körpergröße die Gefahr zu, das eine Vene durch ein wanderndes Blutgerinnsel verstopft, berichten schwedische Forscher im Fachblatt "Circulation: Cardiovascular Genetics". Bestätigten sich die Ergebnisse ihrer Analyse, sollte die Körpergröße künftig genau wie Übergewicht bei der Beurteilung des persönlichen Risikos berücksichtigt werden, sagte Erstautor Bengt Zöller von der Universität Lund in Malmö.

Eine Thrombose entsteht, wenn sich in einem Gefäß - meist in einer Vene - ein Blutklumpen bildet. Am häufigsten passiert das in den Beinvenen. Gefährlich wird es besonders dann, wenn sich der Blutpfropf - der Thrombus - löst und mit dem Kreislauf durch die Gefäße transportiert wird. Er kann dann an verschiedensten Orten im Körper ein Gefäß ganz verschließen. Experten sprechen dann von einer Thromboembolie. In der Lunge kann dies eine lebensbedrohliche Lungenembolie zur Folge haben. Auch Herzinfarkte und Schlaganfälle gehen häufig auf eine Thrombose zurück.

Zu den Ursachen für die Entstehung einer Thrombose zählen langes Liegen oder Sitzen - etwa nach Operationen oder bei Flugreisen, auch eine Schwangerschaft oder Hormonbehandlungen begünstigen die Erkrankung. Ob auch die Körpergröße das Risiko einer Thromboembolie beeinflusst, untersuchten die Wissenschaftler um Zöller mit Daten von mehr als 2,5 Millionen schwedischen Männern und Frauen. Sie hatten Daten von Wehrpflichtigen der Geburtsjahrgänge zwischen 1951 und 1992 analysiert, sowie von Frauen, die zwischen 1982 und 2012 ihr erstes Kind bekommen hatten.

Höherer Schweredruck in Venen

Innerhalb dieser Gruppen identifizierten sie Geschwisterpaare, die sich in ihrer Größe unterschieden. So konnten sie ausschließen, dass familiäre oder Umweltfaktoren einen eventuellen Zusammenhang erklären. Die Auswertung der Daten zeigte, dass das Risiko einer venösen Thromboembolie mit der Körpergröße zunimmt. Die kleinsten Probanden hatten das geringste Risiko. Bei Männern, die kleiner als 1,60 Meter waren, sank das Risiko etwa um 65 Prozent im Vergleich zu Männern über 1,90 Meter. Die Auswertung der Geschwisterdaten bestätigte das Ergebnis aus der Allgemeinbevölkerung: Größere Geschwister hatten ein höhere Thromboembolie-Risiko als ihre kleineren Brüder oder Schwestern.

"Es kann sein, dass es bei größeren Menschen mit ihren längeren Beinvenen einfach mehr Oberfläche gibt, an der es Probleme geben kann", mutmaßte Zöller. Auch die Schwerkraft könne mitverantwortlich sein. "In den Beinvenen großer Menschen gibt es einen höheren Schweredruck, der das Risiko erhöht, dass der Blutfluss sich verlangsamt oder vorübergehend zum Erliegen kommt." Zöller zufolge könne das Ergebnis der Studie eine Beobachtung von Medizinern erklären: "Die Köpergröße ist in der Bevölkerung gestiegen und steigt weiter; das könnte dazu beitragen, dass die Zahl der Thrombosen gestiegen ist."

Deutsche werden immer größer

Die Körpergröße hat in Deutschland in den vergangenen rund 150 Jahren erheblich zugelegt. Allein zwischen 1870 bis 1980 nahm zum Beispiel die Größe rund 21 Jahre alter Männer um etwa elf Zentimeter zu. Die Körpergröße eines Menschen wird maßgeblich durch seine Gene bestimmt. Darüber hinaus spielen Umweltfaktoren eine große Rolle. Verantwortlich für das Größenwachstum der vergangenen Jahrzehnte ist Experten zufolge wohl in erster Linie eine bessere Ernährung, verbesserte hygienische Verhältnisse und medizinische Versorgung.

Dass die Körpergröße das Risiko für eine Reihe von Krankheiten mitbestimmt, haben bereits andere Untersuchungen gezeigt. Einige der bisherigen Erkenntnisse haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung und der Harvard School of Public Health im vergangenen Jahr zusammengefasst: Demnach haben größere Menschen ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, aber ein höheres Risiko für Krebs.

Quelle: n-tv.de

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